Donnerstag, 1. Oktober 2020

Studie:
Europäisches Gasnetz ist stabil


[24.3.2015] In einer aktuellen Studie haben Experten am Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln die Abhängigkeit Europas vom ukrainischem Erdgas untersucht. Ihr Fazit: Das europäische Gasnetz wäre für eine Lieferunterbrechung gut gerüstet – wenn auch nicht dauerhaft.

Das europäische Gasnetz ist laut einer Studie für eine Lieferunterbrechung aus der Ukraine gut gewappnet. Die Europäische Union wäre gegen vorübergehende Gaslieferunterbrechungen durch den Ausfall der Ukraine als Transitland deutlich besser gewappnet als noch im Krisenjahr 2009. Mit Ausnahme weniger Länder in Südosteuropa könnte die Gasversorgung für mehrere Monate gesichert werden. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI). Das Institut nannte mehrere Gründe: So sei die Abhängigkeit von Ukraine-Transiten in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. 2014 wurden etwa 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Ukraine nach Europa geliefert – 2005 waren es noch 121 Milliarden Kubikmeter. Zudem wurde laut EWI die europäische Gasinfrastruktur stark ausgebaut. Dazu zählen die neue Nord-Stream Pipeline durch die Ostsee, weitere Flüssiggas-Terminals (LNG) sowie zahlreiche Gasspeicher. Darüber hinaus könnten nahezu 40 Prozent der Grenzübertragungsstellen Gas in beide Richtungen befördern. Im Ernstfall könnte Erdgas auch entgegen der normalen Flussrichtung von West- nach Osteuropa gelangen. Als weiteren Grund nennt EWI die aktuell geringe Gasnachfrage. Wurde in Europa noch vor wenigen Jahren mit einer jährlichen Nachfrage von etwa 550 Milliarden Kubikmetern gerechnet, lag sie zuletzt bei rund 450 Milliarden Kubikmetern. Zu guter Letzt habe sich die europäische Gesetzgebung in den vergangen Jahren entscheidend weiterentwickelt. Internationale Koordinationsmechanismen, die im Falle einer Krise greifen sollen, seien verbessert worden.
Trotz dieser Ausgangslage bezweifeln die Autoren der Studie, dass die gute Versorgungssicherheit und das dafür nötige Ausmaß an Infrastruktur auch für die Zukunft Bestand hat. „Wir beobachten momentan eine paradoxe Situation“, erklärt Harald Hecking. „Die momentane Nachfrageschwäche des europäischen Erdgassektors fördert zwar in besonderem Maße die Versorgungssicherheit, gleichzeitig ist sie für manchen Betreiber von Gasinfrastruktur wirtschaftlich herausfordernd. Es ist also fraglich, ob die Versorgungslage in den nächsten Jahren auf dem hohen Niveau bleibt.“ Auch betonen die Autoren, dass Europa zurzeit nicht dauerhaft auf den Transit durch die Ukraine verzichten könne. (ma)

http://www.ewi.uni.koeln.de
Die EWI-Studie zum europäischen Gasnetz (PDF, 6,6 MB) (Deep Link)

Stichwörter: Erdgas, EWI, Europa, Ukraine

Bildquelle: creativ collection Verlag

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Erdgas

EWE Netz: Gasnetzkopplungspunkt im Container
[15.7.2020] Die Umstellung auf hochkalorisches Erdgas kommt im Nordwesten Deutschlands planmäßig voran. Jetzt nutzt das verantwortliche Unternehmen EWE Netz mobile Schiffscontainer für das Großprojekt. mehr...
Uniper: Irsching 4 und 5 wieder im Markt
[29.5.2020] Uniper und die Mitgesellschafter haben die Rückkehr der Gaskraftwerke Irsching 4 und 5 in den Markt beschlossen. Grund dafür sind niedrigere Gaspreise, die einen wirtschaftlicheren Betrieb erlauben. Start ist am 1. Oktober 2020. mehr...
Soll im Oktober 2020 wieder ans Netz: Irsching 5.
Leipziger Stadtwerke: Gaskonzession rechtskräftig
[11.5.2020] 2015 vergab der Leipziger Stadtrat die Gaskonzession im Stadtgebiet neu an die eigenen Stadtwerke. Dagegen klagte Mitbewerber MITGAS, weil er die Neutralität durch Doppelmandate der Mitglieder im Stadtrat als nicht gegeben sah. Dies wies nun der Bundesgerichtshof zurück. mehr...
Wird seit 2015 voraussichtlich rechtssicher durch eine stadtwerkeigene Gasleitung beliefert: GuD-Kraftwerk der Leipziger Stadtwerke.
ESWE: Neue Gashochdruckleitung im Bau
[17.3.2020] Die ESWE baut derzeit eine Gashochdruckleitung, die der Versorgung eines Kraftwerks und eines Industrieparks in Wiesbaden dient. 2021 soll das Projekt abgeschlossen sein. mehr...
ESWE baut eine neue Gashochdruckleitung in Wiesbaden.
Gas-Union: Gesellschafter verkaufen Anteile
[12.3.2020] Die Gesellschafter des Unternehmens Gas-Union verkaufen ihre Anteile. Damit wollen sie den Weg frei machen für einen neuen strategischen Partner und eine Neuausrichtung. mehr...

Suchen...

 Anzeige

 Anzeige

 Anzeige

 Anzeige

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 9/10 2020
stadt+werk, Ausgabe 7/8 2020
stadt+werk, Sonderheft Juni 2020
stadt+werk, Ausgabe 5/6 2020

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Erdgas:
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH

Aktuelle Meldungen