Mittwoch, 24. Juli 2019

Studie:
Europäisches Gasnetz ist stabil


[24.3.2015] In einer aktuellen Studie haben Experten am Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln die Abhängigkeit Europas vom ukrainischem Erdgas untersucht. Ihr Fazit: Das europäische Gasnetz wäre für eine Lieferunterbrechung gut gerüstet – wenn auch nicht dauerhaft.

Das europäische Gasnetz ist laut einer Studie für eine Lieferunterbrechung aus der Ukraine gut gewappnet. Die Europäische Union wäre gegen vorübergehende Gaslieferunterbrechungen durch den Ausfall der Ukraine als Transitland deutlich besser gewappnet als noch im Krisenjahr 2009. Mit Ausnahme weniger Länder in Südosteuropa könnte die Gasversorgung für mehrere Monate gesichert werden. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI). Das Institut nannte mehrere Gründe: So sei die Abhängigkeit von Ukraine-Transiten in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. 2014 wurden etwa 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Ukraine nach Europa geliefert – 2005 waren es noch 121 Milliarden Kubikmeter. Zudem wurde laut EWI die europäische Gasinfrastruktur stark ausgebaut. Dazu zählen die neue Nord-Stream Pipeline durch die Ostsee, weitere Flüssiggas-Terminals (LNG) sowie zahlreiche Gasspeicher. Darüber hinaus könnten nahezu 40 Prozent der Grenzübertragungsstellen Gas in beide Richtungen befördern. Im Ernstfall könnte Erdgas auch entgegen der normalen Flussrichtung von West- nach Osteuropa gelangen. Als weiteren Grund nennt EWI die aktuell geringe Gasnachfrage. Wurde in Europa noch vor wenigen Jahren mit einer jährlichen Nachfrage von etwa 550 Milliarden Kubikmetern gerechnet, lag sie zuletzt bei rund 450 Milliarden Kubikmetern. Zu guter Letzt habe sich die europäische Gesetzgebung in den vergangen Jahren entscheidend weiterentwickelt. Internationale Koordinationsmechanismen, die im Falle einer Krise greifen sollen, seien verbessert worden.
Trotz dieser Ausgangslage bezweifeln die Autoren der Studie, dass die gute Versorgungssicherheit und das dafür nötige Ausmaß an Infrastruktur auch für die Zukunft Bestand hat. „Wir beobachten momentan eine paradoxe Situation“, erklärt Harald Hecking. „Die momentane Nachfrageschwäche des europäischen Erdgassektors fördert zwar in besonderem Maße die Versorgungssicherheit, gleichzeitig ist sie für manchen Betreiber von Gasinfrastruktur wirtschaftlich herausfordernd. Es ist also fraglich, ob die Versorgungslage in den nächsten Jahren auf dem hohen Niveau bleibt.“ Auch betonen die Autoren, dass Europa zurzeit nicht dauerhaft auf den Transit durch die Ukraine verzichten könne. (ma)

http://www.ewi.uni.koeln.de
Die EWI-Studie zum europäischen Gasnetz (PDF, 6,6 MB) (Deep Link)

Stichwörter: Erdgas, EWI, Europa, Ukraine

Bildquelle: creativ collection Verlag

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Erdgas

Bitterfeld: Riesiges Wasserstoff-Versuchsfeld
[28.6.2019] Im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen hat ein Konsortium aus Unternehmen, wissenschaftlichen Instituten und Forschungseinrichtungen auf 12.000 Quadratmetern ein Wasserstoffdorf in Betrieb genommen. mehr...
Schleswig-Holstein: Scharfe Kritik an LNG-Terminal
[21.6.2019] Für Helge Spehr, Vorstand des Verbands der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft (VSHEW), ist es „purer Irrsinn“, dass Fracking-Gas aus den USA am geplanten LNG-Terminal in Brunsbüttel angelandet werden soll. mehr...
VSHEW-Vorstand Helge Spehr: „Wir haben keinerlei Verständnis dafür, dass Schleswig-Holsteins Verbraucher und Steuerzahler ausgerechnet die Verwertung klimaschädlicher fossiler Energieträger fördern sollen.“
Interview: Vom Tool zum Pool Interview
[21.6.2019] Energiehandel und -vertrieb werden immer mehr über digitale Plattformen abgewickelt. Welche Auswirkungen dies für Händler und Kunden hat, darüber sprach stadt+werk mit Helmut Kusterer, Leiter Vertrieb Dienstleistungen bei der GasVersorgung Süddeutschland. mehr...
Helmut Kusterer: „Der Energiehandel wird nicht komplett automatisiert ablaufen.”
Bundesrat: Rahmen für LNG-Infrastruktur
[13.6.2019] Die Bundesregierung will den Aufbau einer Infrastruktur für verflüssigtes Erdgas (LNG) erleichtern. Vergangene Woche stimmte der Bundesrat einer entsprechenden Verordung zu. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther plädiert für die Ansiedlung eines nationalen LNG-Terminals in Brunsbüttel. mehr...
Uniper: Erdgas eisgekühlt Bericht
[5.6.2019] Emissionsarme Gaskraftwerke könnten den Ausstieg aus Kohle- und Atomenergie absichern. Dazu müssen die bestehenden Kraftwerksparks besser ausgelastet und die Gas-Infrastruktur ausgebaut werden – etwa durch LNG-Technologie. mehr...
LNG-Tanker: Mit einer Schiffsladung können bis zu 90.000 Haushalte ein Jahr lang mit Gas versorgt werden.

Suchen...

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Erdgas:
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH

Aktuelle Meldungen