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Mittwoch, 20. März 2019

Agora Energiewende:
Studie zur Unwucht bei Energiepreisen


[11.4.2017] Die Denkfabrik Agora Energiewende hat eine Grundlagenstudie über die Unwucht bei den Abgaben und Umlagen verschiedener Energieträger veröffentlicht – Lösungsansätze inbegriffen.

Die Studie zeigt Lösungsansätze auf, wie die Umlagen und Abgaben auf verschiedene Energieträger an deren Klimaschutzwirkung angeglichen werden können. Der Think Tank Agora Energiewende hat jetzt im Rahmen einer Grundlagenstudie das gegenwärtige System von Abgaben und Umlagen auf Energiepreise untersuchen lassen und in Anbetracht der Schieflage eine Übersicht über mögliche Lösungsansätze vorgelegt.
Ausgangspunkt der Untersuchung sind die extrem variierenden Aufschläge auf Energiepreise je Energieträger. So betragen die Steuern, Abgaben, Entgelte und Umlagen auf eine Kilowattstunde bei Heizöl laut der Studie 0,6 Cent, bei Erdgas 2,2 Cent, bei Diesel 4,7 Cent, bei Benzin 7,3 Cent und beim Strom 18,7 Cent. Damit sind die Aufschläge beim Strom mehr als 30 mal so hoch als beim Heizöl. Gleichzeitig wird der Strom durch den stetig steigenden Anteil erneuerbarer Energien immer sauberer, während fossile Energieträger wie Benzin, Diesel, Heizöl und auch Erdgas klimaschädlich und günstig bleiben.
Laut Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, sei diese Unwucht zwar unbeabsichtigt im Laufe der vergangenen 15 Jahre entstanden, könne aber so nicht bleiben. Denn, so Graichen, sie bestrafe klimafreundlichen Energieverbrauch und belohne klimaschädliches Verhalten. Graichen: „Das System der Abgaben und Umlagen auf Energiepreise muss dringend vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Für die nächste Bundesregierung wird das eine zentrale Aufgabe im Klimaschutz.“
Ein Lösungsansatz von Agora Energiewende sieht nun vor, einen Teil der EEG-Umlage vom Strompreis in den Bundeshaushalt oder in einen Fonds zu verlagern. Ziel dabei sei es, die Stromverbraucher von den Kosten für die Technologieentwicklung der Photovoltaik und der Offshore-Windkraft oder der EEG-Ausnahmen für die Industrie zu entlasten.
Eine weitere Option bestehe darin, Abgaben auf Heizöl, Erdgas und Kraftstoffe künftig entsprechend der Klimaschädlichkeit dieser Energieträger zu erheben. So seien etwa Heizöl, Erdgas, Diesel und Benzin in Deutschland billiger als im europäischen Mittel und heute deutlich günstiger als vor fünf Jahren. „Während bei Strom in den vergangenen Jahren die Energiewende über EEG-Umlage, KWK-Umlage und steigende Netzentgelte finanziert wurde, sind bei Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel die Effekte der Ökosteuer-Reform von Anfang des Jahrtausends inzwischen vollständig verpufft“, so Graichen.
Graichen kritisiert weiterhin, dass das System der Abgaben und Umlagen nicht nur die verschiedenen Energieträger unterschiedlich behandelt, sondern im Stromsystem auch noch den bestmöglichen Ausgleich von Angebot und Nachfrage erschwere. So übertreffen die Abgaben und Umlagen auf den Strompreis laut dem Agora-Chef die Großhandelsstrompreise an der Strombörse bei weitem, was dazu führe, dass es für Verbraucher keinen Anreiz gebe, in Zeiten von sehr niedrigen oder negativen Strompreisen die Stromnachfrage zu erhöhen. „Genau das ist in einem Stromsystem mit viel Wind- und Solarstrom jedoch nötig“, sagt Patrick Graichen. „Flexible Verbraucher sollten auf schwankende Strombörsenpreise reagieren können.“ Eine Lösung sieht Patrick Graichen darin, die Abgaben und Umlagen mit den Börsenstrompreisen zu variieren, damit die Preissignale deutlicher bei den Stromverbrauchern ankämen.
Die Studie zeige, dass die Umgestaltung des Systems von Abgaben und Umlagen auf die Energiepreise eine komplexe Aufgabe sei und das Potenzial dazu habe, zur nächsten Großbaustelle der Energiewende zu werden.
Wie der Think Tank mitteilt, wurde die Grundlagenstudie gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen E-Bridge, dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der TU Clausthal erarbeitet. (me)

www.agora-energiewende.de
Neue Preismodelle für Energie (PDF; 1,3 MB) (Deep Link)

Stichwörter: Politik, Agora Energiewende

Bildquelle: Agora Energiewende

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