Donnerstag, 24. Mai 2018

Roland Berger-Studie:
Kosten für Energiespeicher sinken


[20.6.2017] Das Beratungsunternehmen Roland Berger erwartet im Zuge sinkender Kosten einen starken Ausbau des Speicherangebots. Und rät: Unternehmen sollten schon jetzt neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Speichertechnologien werden neue Geschäftsmodelle anstoßen. Speicher sind für die Energiewende unverzichtbar, da sie die witterungsabhängigen Schwankungen bei der Stromerzeugung von Wind- und Solarkraftwerken kompensieren. Allerdings seien die Kosten von mehr als 100 Euro pro Megawattstunde noch zu hoch und die Technologien oftmals nicht ausgereift. Laut der Roland Berger-Studie Business models in energy storage wird sich der Markt für Speichertechnologien in den kommenden Jahren jedoch gründlich ändern.
Torsten Henzelmann, Partner von Roland Berger, erläutert: „Der Erfolg der Energiewende ist ohne Energiespeicher nicht denkbar und deshalb werden diese Technologien verstärkt in den Markt drängen. Wir erwarten bis 2030 einen starken Innovationsschub, deutlich sinkende Kosten und somit profitable Geschäftsmodelle für Speichersysteme.“
Experten des Beratungsunternehmens Roland Berger analysieren in der Studie verschiedene Technologien und zeigen deren Einsatzmöglichkeiten auf. Grundsätzlich seien in verschiedenen Anwendungsbereichen auch unterschiedliche Speichertechnologien notwendig.
Im Norden Chiles sei etwa ein Pumpspeicherkraftwerk mit einer Kapazität von 300 Megawatt geplant. Es soll die Schwankungen einer lokalen Photovoltaikanlage ausgleichen. Ziel ist es, dass beide Anlagen zusammen Bergbauunternehmen in der Region zuverlässig mit Strom versorgen.
Auf der Insel Kodiak Island in Alaska sorgen Batterien für die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz. Bei Bedarfsspitzen sorgt ein Schwungradspeicher für zusätzliche Entlastung.

Verschiedene Speichersysteme

„Für die verschiedenen Bedürfnisse entlang der Wertschöpfungskette der Energieindustrie sind unterschiedliche Speichersysteme gefragt“, erklärt Henzelmann. „Netzbetreiber benötigen hoch flexible Speicherkapazitäten, um auf plötzliche Energiespitzen schnell reagieren zu können. Dagegen benötigen Stromversorger große Speicher, um mit langfristig stabilen Preisen profitabel zu wirtschaften.“ Versorger könnten so in sonnigen und windigen Zeiten überschüssigen Strom günstig speichern und in Zeiten knapper Energieproduktion und höherer Marktpreise gewinnbringend verkaufen.
Weitere Geschäftsmodelle entstünden durch den intelligenten Einsatz von Batteriesystemen. Durch digitale Vernetzung könnte etwa ein Großspeicher geschaffen werden, der Versorgungsengpässe abfedern kann. Die neuen Möglichkeiten würden aber auch neue Player auf den Markt rufen. Torsten Henzelmann: „Ihre alternativen Geschäftsmodelle werden die Strategien der etablierten Energieversorger infrage stellen.“
Auch andere Branchen seien von den neuen Speichertechnologien betroffen, etwa im Bereich Power-to-X-Technologie. So könnten Stromversorger mit überschüssiger Energie Gase wie Ammoniak oder Wasserstoff herstellen und diese auf dem Markt anbieten - für die Chemieindustrie unerwartete Konkurrenz. Spezielle Partnerschaften zwischen Chemieunternehmen und Energieversorgern könnten Abhilfe schaffen. Henzelmann rät: „Dieses Beispiel zeigt, dass die Entwicklung der Speicher die Energieindustrie deutlich verändern wird. Energieversorger und Netzbetreiber sollten sich jetzt schon Gedanken darüber machen, wie sie von den neuen Technologien profitieren können, um in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben.“ (me)

www.rolandberger.com

Stichwörter: Energiespeicher, Roland Berger

Bildquelle: Roland Berger

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Energiespeicher

EnBW: Großspeicher für Großkraftwerk
[17.4.2018] Das Unternehmen EnBW hat einen Batteriespeicher in die Leittechnik eines Großkraftwerks eingebunden. Über 750 Lithium-Ionen-Batteriemodule von Bosch sollen Primärregelenergie am EnBW-Kraftwerksstandort Heilbronn bereitstellen. Jetzt ging die Anlage ans Netz. mehr...
Inbetriebnahme des Batteriespeichers im EnBW-Kraftwerk Heilbronn.
Brandenburg: Förderung von Speichern
[3.4.2018] Das Land Brandenburg will Solarspeicher fördern und legt ein Förderprogramm für Privathaushalte auf. Zudem soll die Braunkohleregion Lausitz zur Modellregion für Energiespeicher werden. mehr...
swb: Hybridspeicher für Regelenergie
[1.3.2018] Ein kombiniertes elektrisches und thermisches Speichersystem will der Bremer Versorger swb für die Bereitstellung von Regelenergie nutzen. Die Komplettlösung wurde von AEG Power Solutions entwickelt. mehr...
swb-Heizkraftwerk Hastedt: Im Mai 2018 wird beim Bremer Energieversorger ein kombiniertes Batterie- und Power-to-Heat-System installiert.
Nebuma: Abwärme recyceln
[28.2.2018] Überschüssige Wärme muss nicht die Atmosphäre aufheizen. Mit Lösungen des Unternehmens Nebuma kann die Wärmeenergie sowohl stationär als auch mobil gespeichert werden. mehr...
Per Lkw zum Verbraucher: Bei der mobilen Ausführung ist das Speichermaterial in Standardcontainern untergebracht.
EWE: Grünes Licht für Hybridspeicher
[23.2.2018] In Kooperation mit japanischen Batteriespezialisten plant der Oldenburger EWE-Konzern den Bau eines Energiespeichers in Varel. Jetzt hat die Stadtverwaltung das Pilotprojekt genehmigt. mehr...