Freitag, 3. April 2020
Sie befinden sich hier: Startseite > Themen > Politik > Evolution oder Revolution?

ewi-Studie:
Evolution oder Revolution?


[27.11.2017] Mit der vorhandenen Gas- und Wärmeinfrastruktur können die Klimaziele bis 2050 zu deutlich geringeren Kosten erreicht werden als durch eine Elektrifizierung aller Verbrauchssektoren. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag von RheinEnergie, Gelsenwasser und Open Grid Europe.

Mithilfe vorhandener Infrastruktur ließen sich beim Erreichen der deutschen Klimaziele bis 2050 rund 140 Milliarden Euro einsparen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Energiemarkt 2030 und 2050 – Der Beitrag von Gas- und Wärmeinfrastruktur zu einer effizienten CO2-Minderung“, die von ewi Energy Research & Scenarios im Auftrag der Unternehmen RheinEnergie, Gelsenwasser und Open Grid Europe erstellt wurde. Die Studie zeigt auf, welchen Beitrag bestehende Gas- und Wärmenetze zu einer effizienten Treibhausgasminderung bis 2030 und 2050 leisten können. Dazu untersuchten die Autoren zwei mögliche Szenarien entsprechend der deutschen Klimaziele bis 2030 und 2050. Im Szenario Revolution unterstellen sie eine ordnungsrechtlich forcierte Elektrifizierung der Energieverbrauchssektoren, in dem Gas- und Wärmenetze zunehmend an Bedeutung verlieren. Im Szenario Evolution gibt es hingegen keine ordnungsrechtlichen Vorgaben hinsichtlich bestimmter Technologien, bestehende Gas- und Wärmenetze werden weiter genutzt.
Laut der Studie lassen sich in beiden Szenarien die Klimaziele erreichen. Das Szenario Evolution spare jedoch bis 2050 Kosten in Höhe von rund 140 Milliarden Euro ein. Zudem biete dieses Szenario mehr Flexibilität, auf die heute noch nicht absehbaren technologischen Entwicklungen nach 2030 kosteneffizient zu reagieren. Damit würden so genannte Lock-In-Effekte durch eine frühzeitige technologische Festlegung vermieden. Diese entstehen im Szenario Revolution und wirken sich nach Angaben der Autoren wirtschaftlich nachteilig aus.
Harald Hecking, Geschäftsführer von ewi Energy Research & Scenarios, erklärt: „Ein technologieoffener Ansatz erreicht die Treibhausgasminderungsziele zu deutlich geringeren Kosten als eine weitgehende Elektrifizierung des Endenergieverbrauchs.“ Gelsenwasser-Vorstandschef Henning Deters ergänzt: „Die Ergebnisse zeigen, dass es mit der vorhandenen Infrastruktur kurzfristig möglich ist, sehr viel CO2 zu vermeiden. Wir sollten nicht mehr theoretische Pläne diskutieren, sondern konkret damit anfangen. Indem wir technologieoffen agieren, schaffen wir uns dabei Handlungsfreiheit in Deutschland und in Europa.“ Auch RheinEnergie-Chef Dieter Steinkamp spricht sich für Technologieoffenheit aus: „Wir vermeiden damit bis 2030 jegliche Lock-In-Effekte, die uns zugunsten einer bestimmten Technik früh festlegen würden. Im Gegenteil: Wir behalten weitgehende Gestaltungsspielräume und können so auch weitere technologische Fortschritte berücksichtigen und gegebenenfalls integrieren. Wir brauchen auf dem Weg in die Zukunft größtmögliche Flexibilität; wie das geht, zeigt die Studie deutlich.“ (al)

Studie „Energiemarkt 2030 und 2050 – Der Beitrag von Gas- und Wärmeinfrastruktur zu einer effizienten CO2-Minderung“ (PDF; 1,1 MB) (Deep Link)

Stichwörter: Politik, RheinEnergie, ewi, Gelsenwasser, Open Grid Europe



Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Politik

Erneuerbare Energien: Anteil erstmals bei 52 Prozent
[3.4.2020] Aufgrund verschiedener Sondereffekte haben erneuerbare Energien im ersten Quartal 2020 erstmals rund 52 Prozent des Bruttoinlandstromverbrauchs gedeckt. Die wirtschaftlich schwierige Situation erhöht nun den Handlungsdruck auf den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien, argumentieren ZSW und BDEW. mehr...
Eine Kombination verschiedener Faktoren hat es ermöglicht, dass Erneuerbare in den ersten drei Monaten 2020 mehr als die Hälfte des Strombedarfs decken konnten.
VKU: Zahlungsaufschübe abmildern
[26.3.2020] Der Bundestagsbeschluss zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie sieht vor, dass Schuldner Zahlungen aufschieben können. Laut dem Verband kommunaler Unternehmen darf dadurch aber auch die Leistungsfähigkeit der Lieferanten nicht eingeschränkt werden. mehr...
Bundesnetzagentur: Fristen werden nicht gesetzt
[24.3.2020] Die Bundesnetzagentur reagiert auf die Corona-Pandemie: Zuschlagsentscheidungen für Erneuerbare-Energien-Anlagen werden bis auf weiteres nicht im Internet veröffentlicht. Realisierungsfristen oder Fristen für Vertragsstrafen sind damit außer Kraft gesetzt. mehr...
Kommunale Arbeitgeber: Flächendeckend Kurzarbeit gefordert
[23.3.2020] Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände fordert für die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst eine flächendeckende Kurzarbeitsregel. Derzeit kann diese nicht vereinbart werden. mehr...
Corona-Krise: VKU lobt Notfallbetreuung
[16.3.2020] Der Verband kommunaler Unternehmen lobt die Notfallbetreuungen, die in den Bundesländern bei Kita- und Schulschließungen aufgrund der Corona-Krise angestrebt werden. Dadurch würden auch Mitarbeiter kritischer Infrastrukturen weiterarbeiten können. mehr...

Suchen...

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 3/4 2020

Aktuelle Meldungen