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Bioenergie:
Wichtige Stütze


[15.8.2018] Die Bioenergie spielt im Rahmen eines sauberen Energiesystems eine bedeutende Rolle und kann entscheidend dazu beitragen, den Ausstoß an Treibhausgasen zu reduzieren. Davon zeigt sich im stadt+werk-Interview Horst Seide, Präsident des Fachverbands Biogas, überzeugt.

Horst Seide ist seit fünf Jahren Präsident des Fachverbands Biogas. Herr Seide, mit dem Klimaschutzabkommen von Paris hat sich Deutschland zu umfassenden Treibhausgaseinsparungen verpflichtet. Welche Rolle spielt dabei die Bioenergie?

Bioenergie wird eine entscheidende Rolle bei den Treibhausgaseinsparungen spielen, da sie die volatilen Energien ausgleichen kann. Sie wird überall dort gebraucht, wo es schwierig wird: im Strombereich für die sichere Stromversorgung, in der Mobilität bei schweren Fahrzeugen und im Wärmebereich für Hochtemperaturwärme.

Der Zubau von Biogasanlagen geht zurück. Wie kann deren Wirtschaftlichkeit verbessert werden?

Grundsätzlich ist der Strompreis durch die vorhandene Überkapazität an dreckigem Kohle- und Atomstrom zu niedrig. Durch eine CO2-Bepreisung muss hier steuernd eingegriffen werden. Dann wird schnell deutlich werden, dass unter Einbeziehung aller Kosten die Dreckschleudern nicht wirtschaftlich sind und die Bioenergie die Aufgabe als Ausgleichsenergie wahrnehmen kann. Außerdem müssen die Ausschreibungsbedingungen verbessert werden – so sind zum Beispiel die Genehmigungsvoraussetzungen zu überdenken, ein Bonussystem für kleinere Anlagen bei der Vergütung einzuführen, die Höchstgebotswerte für Neuanlagen den Bestandsanlagen anzugleichen und zwei Ausschreibungsrunden pro Jahr anzubieten.

Lohnen sich Investitionen in die Flexibilisierung bestehender Anlagen?

Wie gesagt: Das ist heutzutage schwierig, da durch Überkapazitäten die Strompreise zu niedrig sind. Lediglich die Flexprämie ermöglicht es Anlagenbetreibern, hier zu investieren. Um für Planungssicherheit für die Betreiber zu sorgen, und damit die Bioenergie den notwendigen Ausgleich im Energiesystem schaffen kann, muss der Flexdeckel abgeschafft oder zumindest deutlich angehoben werden.

„Bioenergie wird eine entscheidende Rolle bei den Treibhausgaseinsparungen spielen.”

Auch der Bau von Biomasseanlagen wird inzwischen per Ausschreibungsverfahren ermittelt. Warum war die erste Ausschreibungsrunde aus Ihrer Sicht nicht erfolgreich?

Die Anlagenbetreiber standen vor einem kompletten Systemwechsel. Durch die Kurzfristigkeit der ersten Ausschreibungsrunde nach Inkrafttreten des EEG 2017 konnten viele Interessierte die Voraussetzungen, wie beispielsweise das Vorliegen einer Genehmigung, noch nicht erfüllen. Die unsicheren Marktperspektiven boten darüber hinaus wenig Anreiz, und schließlich schreckte auch das umfangreiche Verfahren einige ab.

Häufig ist die Rede von innovativen Bioenergieanlagen. Welche technologischen Entwicklungen sind hier gemeint?

Grundsätzlich sind Bioenergieanlagenbetreiber, die sich zukunftsfähig aufstellen wollen, immer an neuen Ideen interessiert. Die Erhöhung der Effizienz durch technische Maßnahmen steht dabei im Fokus, aber auch die Bereitstellung von Systemdienstleistungen zur Stabilisierung des Stromnetzes. Die Einspeisung von Bioenergie ins Erdgasnetz und die Optimierung von Kraft-Wärme-Kopplung sind weitere Ideen. Zudem werden Systemdienstleistungen in der Landwirtschaft, etwa durch die Vergärung von Gülle und Mist in Überschussregionen, interessanter, da dies zur Nährstoff- und Treibhausgasreduktion beiträgt.

Welche Rolle spielen Biokraftstoffe für die CO2-Minderung im Verkehrssektor?

Hier liegt der Fokus als Ergänzung zur E-Mobilität im Bereich der schweren Fahrzeuge. Ich denke dabei an Lkw, Traktoren oder Baumaschinen. Auch in der Luftfahrt können Biokraftstoffe eine bedeutende Rolle spielen.

Wie trägt Bioenergie im Wärmesektor zum Gelingen der Energiewende bei?

Neben der bestehenden Wärmeversorgung, insbesondere in ländlichen Regionen, wird ein Schwerpunkt im Bereich der Hochtemperaturwärme liegen aber auch in der Restwärmeversorgung von Gebäuden.

Welche Weichen müsste die Politik jetzt stellen, damit Bioenergie einen noch größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten kann?

Studien haben gezeigt, dass verlässliche Rahmenbedingungen Grundvoraussetzung für Investitionen sind. Hier fordere ich die Bundesregierung auf, mit uns die Rolle der Bioenergie im Energiesystem zu definieren und gemeinsam über die Rahmenbedingungen zu verhandeln. Nur dann können unsere innovativen Betreiber auch zukunftsgerichtet handeln und sich weiter als wichtige Stütze eines sauberen regionalen Energiesystems etablieren

Interview: Alexander Schaeff

Seide, Horst
Horst Seide ist seit fünf Jahren Präsident des Fachverbands Biogas e.V. Der gelernte Landwirt hat 1998 seine erste Biogasanlage gebaut. Seit 2009 bereitet er das erzeugte Biogas zu Biomethan auf. 2011 eröffnete er die erste Biomethantankstelle in seiner Heimatregion Dannenberg.

http://www.biogas.org
Dieser Beitrag ist in der Juli/August-Ausgabe von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.  (Deep Link)

Stichwörter: Bioenergie, Biogas, Fachverband Biogas

Bildquelle: Fachverband Biogas

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