Donnerstag, 6. Mai 2021

Interview:
KI ist mehr als ein Hype


[9.9.2019] Künstliche Intelligenz kann in der Energiewirtschaft dazu beitragen, die mit der Energiewende einhergehenden Umbrüche zu bewältigen, meint André Wilsdorf, Business Consultant bei Arvato Systems, im stadt+werk-Interview.

André Wilsdorf Herr Wilsdorf, warum ist Künstliche Intelligenz (KI) eigentlich relevant für die Energiewirtschaft und warum gerade jetzt?

Die theoretischen Grundlagen der KI sind bereits ein halbes Jahrhundert alt. Doch erst durch die Entwicklung der technologischen Leistungsfähigkeiten in den vergangenen Jahrzehnten sind die IT-Systeme heute so weit, auch auf Basis der wachsenden Datenmengen Mehrwerte zu schaffen. Diese parallelen Entwicklungen ermöglichen nun erstmals praktikable und reife KI-Anwendungen in Unternehmen und großen Märkten – auch in der Energiewirtschaft. Denn gerade dort kann künstliche Intelligenz effektiv dazu beitragen, die massiven Umbrüche der Energiewende und dem regulatorischen Dauerfeuer zu bewältigen. Der Einsatz von KI macht die Akteure der Energiebranche widerstandsfähiger, flexibler und damit wettbewerbsfähig. Wir glauben, dass momentan tatsächlich die Weichen für eine neue technische Revolution gestellt werden.

Wo steht die Energiebranche beim Thema KI und welche Praxisanwendungen nehmen Sie bereits wahr?

Die Energiebranche ist umringt von Regularien, steigendem Wettbewerbs- sowie Margendruck und muss fortlaufend auf grundlegende Umwälzungen reagieren. Das Interesse an neuen Technologien, welche die Robustheit und Flexibilität im Energiesystem unterstützen, ist groß. Unternehmen wollen wieder in eine agierende Rolle wechseln und stellen auch Investitionen wieder in den Fokus. Schritt für Schritt entstehen in der Branche entsprechende Initiativen. Unternehmen wagen erste Pilotprojekte und Anwendungen, neue Produkte und Services entstehen. Erprobte Anwendungen gibt es beispielsweise schon in der digitalen Kundenkommunikation mit virtuellen Assistenten, im Bereich der vorausschauenden Wartung sowie dem Kraftwerksmanagement. Aber auch bei der Gestaltung von Vertrieb und Marketing ist KI bereits im Einsatz, beispielsweise im Bereich Kundenwert- und Beschwerde-Management.

Was kann KI denn konkret für Stadtwerke, Netzbetreiber und Lieferanten leisten?

Von der Erzeugung zur Verteilung, vom Vertrieb bis zur Abrechnung: Praxisanwendungen sind in fast allen Wertschöpfungsstufen eines Energieunternehmens einsatzfähig. Einige heute bekannte Anwendungsfälle sind für fast jede Marktrolle im Prinzip bereits jetzt vorhanden, gewinnen mit KI-Unterstützung aber noch einmal eine ganz neue Qualität – zum Beispiel bei jeder Art von datenbasierten Prognosen. KI schafft auch ganz neue Handlungsfelder. Denn im Zeitalter von Big Data ist die Auswertung und Verknüpfung von vielen feinsten Datenreihen möglich. Das ermöglicht wesentlich genauere und dynamische Prognosen als früher. Diese führen dann wiederum zu Handlungsempfehlungen, etwa, wie Turbinen optimal gesteuert werden können, wie die Netzauslastung am besten betrieben wird – oder wie sich Kundenbedarf und -verhalten entwickelt.

„Wir raten unseren Kunden: Klein anfangen, aber groß denken.“

In welcher KI-Anwendung sehen Sie persönlich das größte Potenzial und warum?

Einen sehr großen Wirkungsgrad haben die vorausschauende Wartung (Predictive Maintance) und sämtliche weitere Arten von Prognosen – von der Netzauslastung bis zum Energieverbrauch. Unternehmen werden durch den Einsatz künstlicher Intelligenz darüber hinaus in die Lage versetzt, neue Geschäftsmodelle besser zu vermarkten oder auch völlig neue Vertriebskanäle zu etablieren. Ich bin mir sicher, dass KI mehr als ein Hype ist. Sie etabliert sich zunehmend als Motor der Unternehmensentwicklung – weil sie Geschäftsentscheidungen besser und Unternehmen produktiver macht. Deshalb freue ich mich sehr darauf, Unternehmen der Energiewirtschaft bei dieser spannenden Mission zu begleiten.

Was empfehlen Sie Unternehmen, um in das Thema einzusteigen?

Ich bin davon überzeugt, dass alle Unternehmen der Energiewirtschaft bereits heute über geeignete Anwendungsfälle verfügen, die durch KI-Methoden optimiert werden können. Wir raten unseren Kunden: Klein anfangen, aber groß denken. Die Lösung ist das Ziel, Technologie und Definition sind eher zweitrangig. Das Wichtigste ist, erst einmal zu starten und sich auch ein Scheitern zu erlauben. Mit den gesammelten Erfahrungen kann man dann Schritt für Schritt skalierbare Produkte erschaffen. Wichtig für den erfolgreichen Einstieg sind die Datenqualität und die richtigen Methoden. Auch die externe Unterstützung durch einen Dienstleister ist zielführend. Denn ein erfahrener Sparring Partner hilft dabei, den eigenen Status quo zu analysieren und das Potenzial von KI mit den eigenen Ressourcen werthaltig für sein Unternehmen zu nutzen.

Interview: Bettina Schömig

https://www.arvato-systems.de

Stichwörter: Informationstechnik, Arvato Systems, KI

Bildquelle: Arvato Systems

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Informationstechnik

COPA-DATA: Plattform für Fusion von OT und IT
[5.5.2021] Software-Spezialist COPA-DATA veröffentlicht mit zenon 10 eine integrierte Gesamtlösung seiner Software-Plattform für die Energiewirtschaft. mehr...
zenon 10 bietet eine integrierte Gesamtlösung für die Energiewirtschaft.
GISA / Robotron: Plattform für IoT-Anwendungen
[20.4.2021] GISA und Robotron vermarkten gemeinsam einen IoTHub4Utilities. Die Plattform dient der Umsetzung von Internet-of-Things-Anwendungen. mehr...
projektdp: Neues Add-on „personal“ eingeführt
[20.4.2021] Fallen Mitarbeiter aus, müssen Führungskräfte schnell reagieren: Aufgaben sind umzuverteilen und Fristen im Blick zu behalten. Das gelingt umso besser, je genauer die Aufgaben und Arbeitsweisen des Mitarbeiters bekannt sind. Ein Tool der Projekt:Unternehmensberatung (projektdp) liefert diese Informationen per Knopfdruck. mehr...
Das Personalcockpit unterstützt bei der Planung.
Stadtwerke Fellbach: Smarte Sensorik im Einsatz
[19.4.2021] Die Stadtwerke Fellbach rüsten ihr Stromverteilnetz um smarte Sensorik auf. Die Sensoren werden in bestehende Ortsnetzstationen eingebaut und liefern Echtzeitdaten über den Netzzustand. mehr...
SMIGHT-Grid-Einbau in einer Fellbacher Ortsnetzstation.
VNG / GISA: Umfassende Modernisierung
[19.4.2021] Das Leipziger Unternehmen VNG beauftragt den IT-Dienstleister GISA mit der Modernisierung seiner Kommunikationsinfrastruktur. mehr...

Suchen...

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 3/4 2021
stadt+werk, Ausgabe 1/2 2021
stadt+werk, Ausgabe 11/12 2020
stadt+werk, Ausgabe 9/10 2020

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Informationstechnik:
items GmbH
48155 Münster
items GmbH
iS Software GmbH
93059 Regensburg
iS Software GmbH
A/V/E GmbH
06112 Halle (Saale)
A/V/E GmbH
VOLTARIS GmbH
67133 Maxdorf
VOLTARIS GmbH

Aktuelle Meldungen