Sonntag, 12. Juli 2020

Braunschweig:
Agentur für Digitalisierung


[7.11.2019] Mit einer eigens gegründeten Digitalisierungsagentur unterstützt der Braunschweiger Energieversorger BS Energy die Stadt auf ihrem Weg zur Smart City. An dem Start-up beteiligt ist auch der Stadtwerke-Verbund Thüga.

Die Digitalisierung verändert Städte nachhaltig und tiefgreifend. Für regionale Versorgungsunternehmen bietet dieser Wandel viele Chancen. Denn die Digitalisierung ermöglicht es ihnen nicht nur, in ihrem Kerngeschäft noch besser zu werden, sondern eröffnet vor allem neue Geschäftsmöglichkeiten. Um diese Entwicklung bestmöglich zu nutzen, hat der Braunschweiger Energieversorger BS Energy im Frühjahr die Digitalisierungsagentur KOM|DIA gegründet. Sie bündelt die Smart-City-Kompetenzen der BS-Energy-Gruppe in einer dezidierten Einheit.
KOM|DIA fokussiert sich auf vier Geschäftsfelder: öffentliches WLAN, Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), Glasfaser und Elektromobilität. Ziel ist es, Braunschweigs Infrastruktur in diesen Kernbereichen zu stärken.
Konkret heißt das: KOM|DIA treibt gemeinsam mit BS Energy den Ausbau des Glasfasernetzes und des öffentlichen WLANs voran, erweitert das Ladenetz für Elektromobilität im öffentlichen und teilöffentlichen Bereich und errichtet ein flächendeckendes LoRaWAN-Funknetz für das Internet der Dinge.
Das Start-up beschränkt sich aber nicht darauf, Braunschweigs Datennetze auszubauen, sondern ist auch Ideenschmiede für neue Geschäftsmodelle auf Basis dieser Infrastrukturen. Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die Kunden aus Kommunal- und Privatwirtschaft einen konkreten Mehrwert bieten.

Support durch Thüga

Maßgeblich unterstützt wird KOM|DIA von der Thüga, die seit dem vergangenen Jahr neben Veolia und der Stadt Braunschweig dritter Gesellschafter von BS Energy ist. Die Unterstützung beim Aufbau einer Digitalisierungsagentur war Teil des Angebots, mit dem sich das Stadtwerke-Netzwerk um 24,8 Prozent der Anteile am Energieversorger beworben hatte. KOM|DIA profitiert dabei von der Expertise von Thüga sowie den zahlreichen digitalen Lösungen der Thüga-Plattformen.
Aktuell errichtet KOM|DIA gemeinsam mit Thüga SmartService ein LoRaWAN-Funknetz für das Internet der Dinge. Die IoT-Tochter von Thüga stellt hierfür Know-how, Hard- und Software bereit. Bis Ende dieses Jahres soll das Netz das gesamte Stadtgebiet umfassen. Zu den ersten LoRaWAN-basierten Dienstleistungen, die KOM|DIA in Braunschweig anbieten wird, zählt die Fernauslesung von Energie- und Wasserzählern. Das erübrigt künftig nicht nur einen Ablesetermin vor Ort, sondern ermöglicht auch eine vollständig digitalisierte Abrechnung zum Stichtag. Ab Oktober werden diese und weitere Anwendungen gemeinsam mit drei Wohnungsbaugesellschaften in einem Pilotgebiet getestet. Ziel ist es, die Dienstleistungen im direkten Austausch mit einer der wichtigsten Kundengruppen weiterzuentwickeln und somit gemeinsame Mehrwerte bei Datenqualität und Prozessexzellenz zu schaffen.

Bedarfsgerechtes Angebot

Der Stadtwerke-Verbund Thüga hat sich frühzeitig mit den Ideen einer intelligenten Stadt beschäftigt und damit, wie Stadtwerke sowie Kommunen von Smart Cities profitieren und gleichzeitig ihren Bürgern mehr Lebensqualität bieten können. Schon im Jahr 2017 wurde die Studie „Kommune 2030“ gestartet. Wesentliches Ergebnis: Für Stadtwerke und andere kommunale Energieunternehmen lohnt sich ein Engagement vor allem in den vier Handlungsfeldern Wohnen, Mobilität, Versorgung und Kommunikationsinfrastruktur. Um konkrete Chancen und Potenziale auszuloten, hat Thüga ein Smart-City-Kern-Team gegründet. Dessen Mitglieder erarbeiten modulare Angebote, die einzelnen Bausteine können bedarfsgerecht gebucht und auf lokale Bedürfnisse zugeschnitten werden.
Um herauszufinden, welche Smart-City-Angebote für eine Stadt die richtigen sind, setzt Thüga an den Anfang des Prozesses ein Strategietreffen mit der Kommune, den so genannten Smart-City-Basisworkshop. Hier wird gemeinsam geklärt, welche Vorteile sich hinter den Angeboten einer intelligenten Stadt verbergen und welche Anwendungsfälle oder Kommunikationsnetze konkret für die jeweilige Kommune geeignet sind. Anschließend folgt eine Pilotphase mit regelmäßiger Evaluierung, danach das Ausrollen als eigenes Angebot des Stadtwerks für seine Kommune.

Gewinnbringendes Spielfeld

Voraussetzung ist die Einrichtung einer Kommunikationsinfrastruktur, seien es Breitband-Netze oder der Funkstandard LoRaWAN, welcher derzeit ja auch in Braunschweig gemeinsam mit Thüga SmartService aufgebaut wird. Er ist für die Übertragung der Sensordaten verschiedenster Smart-City-Anwendungen geeignet. Ist das Thema Smart City also ein künftiges Spielfeld für Stadtwerke? Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, etabliert sich derzeit in Deutschland immer mehr als gewinnbringende Verbindung. Denn Stadtwerke können als natürliche Partner der Kommunen bei der Umsetzung der Smart City eine entscheidende Rolle übernehmen. In einer Umfrage unter Geschäftsführern der Thüga-Gruppe antworteten drei Viertel, dass Smart-City-Anwendungen für sie in fünf Jahren zum Kerngeschäft gehören werden. Da wird es Zeit, sich über eigene Kommunikationsnetze wie LoRaWAN Gedanken zu machen – beispielsweise im Rahmen eines IoT-Pilotprojekts mit Thüga SmartService.

Dr. Matthias Cord ist seit November 2015 stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Thüga AG in München. Dr. Volker Lang ist seit Januar Vorstand von BS Energy für die Themen Innovation, Vertrieb und KOM|DIA.

https://www.bs-energy.de
https://www.thuega.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe September/Oktober 2019 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren (Deep Link)

Stichwörter: Smart City, Thüga, Unternehmen, BS Energy



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