Samstag, 24. Oktober 2020

VDE:
Mehr Autonomie für Stromnetzbetrieb


[24.7.2020] Ein neues Impulspapier des VDE zeigt, wie die Netzbetriebsführung bis 2030 stufenweise automatisiert werden kann. Es wird dabei eine sichere Stromversorgung trotz höherer Netzauslastung gewährleistet.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere von Wind- und Solarenergie, führt bei weiterhin verzögertem Netzausbau die Stromnetze zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Hinzu kommt der zu erwartende Zuwachs bei neuen Abnehmern wie der Elektromobilität. Wie bis zum Jahr 2030 mithilfe von Automatisierungstechnik die reibungslose Stromversorgung bei höheren Anforderungen sichergestellt werden kann, zeigt ein neues Impulspapier des Verbands der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE). In einer Analyse definieren darin die Experten der Energietechnischen Gesellschaft im VDE (VDE ETG) in Anlehnung an die Autonomiestufen beim hochautomatisierten Fahren fünf Autonomiestufen für den Netzbetrieb. Gleichzeitig zeigen sie auf, welche Teilautomatisierungsfunktionen bereits Stand der Technik sind und identifizieren Prozesse, deren Automatisierungsgrad schrittweise bis zu einem Umsetzungshorizont 2030 erhöht werden soll, um die zunehmende Komplexität des Netzbetriebs beherrschbar zu machen. „Der Betrieb unserer Stromnetze hat inzwischen einen Komplexitätsgrad erreicht, der umfangreiche Assistenzsysteme und Automatisierungsfunktionen erfordert. Speziell in den Mittel- und Niederspannungsnetzen wird zur Umsetzung der aktiven Netzführung und Koordination flexibler Einspeiser und Lasten ein deutlich höherer Automatisierungsgrad notwendig", erklärt VDE ETG-Experte Martin Braun vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik in Kassel.
Die schnelle Regelbarkeit insbesondere von leistungselektronischen Netzkomponenten bis hin zu Anlagen für die Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) erfordern für den sicheren Netzbetrieb schnelle und automatisierte Mechanismen. Auch neue Anforderungen, wie beispielsweise der mittlerweile sehr umfangreiche Redispatch und die Netz-Markt-Koordination, machen eine automatisierte Vorgehensweise zwingend erforderlich. Eine Gesamtsystemautomatisierung (Autonomiestufen 4 und 5) erwarten die Experten in den nächsten zehn Jahren allerdings nicht. „Es sind aber über entsprechende Teilautomatisierungsstufen bereits zahlreiche Schritte in diese Richtung möglich, um die zunehmende Komplexität zu beherrschen und die Netzführung sicherer und effizienter auszugestalten", erläutert Braun. So ist in den Leitstellen des Übertragungsnetzes bereits jetzt die Autonomiestufe 1 (Decision Support) für zahlreiche Funktionen wie etwa das Engpass-Management als Entscheidungsunterstützung für das Systemführungspersonal möglich. Um die Reaktionsfähigkeit durch Teilautomatisierung (Autonomiestufe 2) zu erhöhen, wird dies bereits unter anderem für Schaltprogramme eingesetzt. Perspektivisch empfehlen die Experten, die Teilstörungsbeseitigung und den Lastabwurf teilautomatisiert (Autonomiestufe 2) auszuführen. Für das Engpass-Management und die Spannungs- und Blindleistungskoordination empfehlen die Experten die Autonomiestufe 3. (ur)

Das Impuls Papier des VDE findet sich hier als PDF. (Deep Link)
https://www.vde.com

Stichwörter: Smart Grid, Netze, VDE, Stromnetz, Redispatch



Druckversion    PDF     Link mailen


 Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Netze | Smart Grid

50Hertz / Energinet: Erster hybrider Interkonnektor
[21.10.2020] Die Netzbetreiber 50Hertz aus Deutschland und Energinet aus Dänemark haben den weltweit ersten hybriden Interkonnektor eingeweiht. Die Investitionskosten beliefen sich auf 300 Millionen Euro. mehr...
Stadtwerke Ostmünsterland: GridEye optimiert Netze
[2.10.2020] Das GridEye von depsys hilft den Stadtwerken Ostmünsterland mit echten Messwerten bei der Netzplanung. Die Lösung misst Strom und Spannung und lässt erkennen, ob das Verteilnetz zusätzlichen Lasten oder Einspeisern gewachsen ist. mehr...
Eingebaute GridEye-Feldgeräte im Netz der Stadtwerke Ostmünsterland.
CIVITAS CONNECT: 450 MHz für Versorgungswirtschaft
[29.9.2020] Ende 2020 läuft die Befristung der Frequenznutzungsrechte im Bereich 450 MHz aus. Vor diesem Hintergrund befürwortet CIVITAS CONNECT die Forderung der BNetzA, den Netzzugang zugunsten kritischer Infrastrukturen an die Energie- und Wasserwirtschaft zu vergeben. mehr...
Energy-Charts: Stromplattform in neuem Design
[25.9.2020] Eine neue Version der Datenplattform Energy-Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE ist online. Die Plattform bereitet seit 2014 Daten zur Stromerzeugung aus verschiedenen Quellen auf. mehr...
Zeigt die Stromerzeugungsdaten seit 2014: energy-charts.de.
Philippsburg: Grundstein für Umspannwerk
[17.9.2020] Auf dem Kraftwerksgelände in Philippsburg entsteht ein Gleichstrom-Umspannwerk. Es bildet den südlichen Endpunkt der Gleichstromleitung ULTRANET, die in Zukunft erneuerbaren Strom verlustarm aus dem Norden Deutschlands in den Süden bringen soll. mehr...
Grundsteinlegung für das Gleichstrom-Umspannwerk in Philippsburg, das den südlichen Endpunkt der Gleichstromleitung ULTRANET bildet.

Suchen...

 Anzeige

 Anzeige

 Anzeige

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 9/10 2020
stadt+werk, Ausgabe 7/8 2020
stadt+werk, Sonderheft Juni 2020
stadt+werk, Ausgabe 5/6 2020

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Netze | Smart Grid:
telent GmbH
71522 Backnang
telent GmbH
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH

Aktuelle Meldungen