Mittwoch, 23. Juni 2021

VDE:
Mehr Autonomie für Stromnetzbetrieb


[24.7.2020] Ein neues Impulspapier des VDE zeigt, wie die Netzbetriebsführung bis 2030 stufenweise automatisiert werden kann. Es wird dabei eine sichere Stromversorgung trotz höherer Netzauslastung gewährleistet.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere von Wind- und Solarenergie, führt bei weiterhin verzögertem Netzausbau die Stromnetze zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Hinzu kommt der zu erwartende Zuwachs bei neuen Abnehmern wie der Elektromobilität. Wie bis zum Jahr 2030 mithilfe von Automatisierungstechnik die reibungslose Stromversorgung bei höheren Anforderungen sichergestellt werden kann, zeigt ein neues Impulspapier des Verbands der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE). In einer Analyse definieren darin die Experten der Energietechnischen Gesellschaft im VDE (VDE ETG) in Anlehnung an die Autonomiestufen beim hochautomatisierten Fahren fünf Autonomiestufen für den Netzbetrieb. Gleichzeitig zeigen sie auf, welche Teilautomatisierungsfunktionen bereits Stand der Technik sind und identifizieren Prozesse, deren Automatisierungsgrad schrittweise bis zu einem Umsetzungshorizont 2030 erhöht werden soll, um die zunehmende Komplexität des Netzbetriebs beherrschbar zu machen. „Der Betrieb unserer Stromnetze hat inzwischen einen Komplexitätsgrad erreicht, der umfangreiche Assistenzsysteme und Automatisierungsfunktionen erfordert. Speziell in den Mittel- und Niederspannungsnetzen wird zur Umsetzung der aktiven Netzführung und Koordination flexibler Einspeiser und Lasten ein deutlich höherer Automatisierungsgrad notwendig", erklärt VDE ETG-Experte Martin Braun vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik in Kassel.
Die schnelle Regelbarkeit insbesondere von leistungselektronischen Netzkomponenten bis hin zu Anlagen für die Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) erfordern für den sicheren Netzbetrieb schnelle und automatisierte Mechanismen. Auch neue Anforderungen, wie beispielsweise der mittlerweile sehr umfangreiche Redispatch und die Netz-Markt-Koordination, machen eine automatisierte Vorgehensweise zwingend erforderlich. Eine Gesamtsystemautomatisierung (Autonomiestufen 4 und 5) erwarten die Experten in den nächsten zehn Jahren allerdings nicht. „Es sind aber über entsprechende Teilautomatisierungsstufen bereits zahlreiche Schritte in diese Richtung möglich, um die zunehmende Komplexität zu beherrschen und die Netzführung sicherer und effizienter auszugestalten", erläutert Braun. So ist in den Leitstellen des Übertragungsnetzes bereits jetzt die Autonomiestufe 1 (Decision Support) für zahlreiche Funktionen wie etwa das Engpass-Management als Entscheidungsunterstützung für das Systemführungspersonal möglich. Um die Reaktionsfähigkeit durch Teilautomatisierung (Autonomiestufe 2) zu erhöhen, wird dies bereits unter anderem für Schaltprogramme eingesetzt. Perspektivisch empfehlen die Experten, die Teilstörungsbeseitigung und den Lastabwurf teilautomatisiert (Autonomiestufe 2) auszuführen. Für das Engpass-Management und die Spannungs- und Blindleistungskoordination empfehlen die Experten die Autonomiestufe 3. (ur)

Das Impuls Papier des VDE findet sich hier als PDF. (Deep Link)
https://www.vde.com

Stichwörter: Smart Grid, Netze, VDE, Stromnetz, Redispatch



Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Netze | Smart Grid

Ortsnetztrafo: Digitalisierung schafft Mehrwert Bericht
[21.6.2021] Einen Netzbetrieb im Blindflug gibt es bei den Stadtwerken München nicht mehr. In deren Ortsnetztrafostationen wird der Netzzustand jetzt automatisch erfasst und die Daten per LoRa-Technik übertragen. mehr...
Smart und kostengünstig ist die Lösung, die bei den Stadtwerken München ganz neue Möglichkeiten für den Netzbetrieb schafft.
Netze Duisburg / Sprungwerk: Gemeinsam Dienste für Netzbetreiber
[1.6.2021] Netze Duisburg und das Start-up Sprungwerk wollen künftig Netzbetreibern gemeinsame Dienste im Daten-Management und im Dienstleistungsbetrieb anbieten. mehr...
Andreas Eiting, Geschäftsführer der Netze Duisburg, will mit Sprungwerk kleineren und mittleren Netzbetreibern und Energieversorgern Dienstleistungen anbieten.
WAGO: Netzzustandsbewertung verbessern
[20.5.2021] Das WAGO Application Grid Gateway soll Betreiber von Energieverteilnetzen mittels Kleinfernwirktechnik in die Lage versetzen, Ortsnetzstationen schnell und einfach in Betrieb zu nehmen. mehr...
Der WAGO Fernwirkcontroller der zweiten Generation ist eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) mit diversen Schnittstellen.
GISA / GET: Portal für automatisierte Angebote
[14.5.2021] GISA und GET bieten Versorgungsunternehmen mit hohen Energieverbräuchen ein Portal an, das automatisiert Angebote erstellen kann. mehr...
Voltaris / rde: Kooperation beim Smart Meter Roll-out
[7.5.2021] Die Unternehmen Voltaris und rde kooperieren beim Smart Meter Roll-out in Bayern. Die ersten intelligenten Messsysteme wurden erfolgreich in Betrieb genommen. mehr...
In Kooperation haben Voltaris und rde den Smart Meter Roll-out gestartet. In der unterfränkischen Gemeinde Waldbüttelbrunn sind die ersten Messsysteme verbaut.

Suchen...

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe Sonderheft 2021
stadt+werk, Ausgabe 5/6 2021
stadt+werk, Ausgabe 3/4 2021
stadt+werk, Ausgabe 1/2 2021

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Netze | Smart Grid:
telent GmbH
71522 Backnang
telent GmbH
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH

Aktuelle Meldungen