Donnerstag, 1. Oktober 2020

Agora Energiewende:
Alte Solaranlagen weiter nutzen


[4.9.2020] Wie alte Solaranlagen weiterhin der Energiewende und den Anlagenbetreibern nützen können, hat der ThinkTank Agora Energiewende in einer Studie untersucht. Vorgestellt wird ein Prosumer-Standardlastprofil für den Eigenverbrauch, das ohne teure Smart Meter auskommt.

Alte Solaranlagen könnten mit einem Prosumer-Standardlastprofil weiter betrieben werden, so eine Studie von Agora Energiewende. Betreiber von Solaranlagen, die ab dem Jahr 2021 aus der Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fallen, sollten ihren Solarstrom sowohl selbst verbrauchen als auch rechtssicher einspeisen können. Hierfür sollte allerdings bei kleinen Anlagen kein teurer intelligenter Stromzähler verlangt werden, wie es die aktuellen Regularien und der Entwurf für das EEG 2021 vorschreiben. Die Anlagen würden so schnell unwirtschaftlich. Das berichtet der ThinkTank Agora Energiewende. Stattdessen könne eine Ergänzung des bestehenden Systems von Standardlastprofilen um ein Solarstrom-Prosumer-Standardlastprofil eine günstige Alternative zur Zählerumrüstung sein. Nötig wäre dafür nur eine Neuverdrahtung des Hausanschlusskastens in der gleichen Weise, wie sie bei den meisten neuen Kleinanlagen praktiziert wird. Diese Variante für den Weiterbetrieb von Solarstromanlagen hat Agora Energiewende jetzt gemeinsam mit der auf Strommarktregulierung spezialisierten Beratungsorganisation Regulatory Assistance Project in einer Studie umrissen.
Der geplante EEG-Entwurf 2021 stellt Betreiber kleiner Anlagen nach Ende der 20-jährigen EEG-Förderung vor ein Dilemma. Entweder sie akzeptieren sehr niedrige Vermarktungserlöse des Netzbetreibers für ihren Strom, die im Zweifel gerade so die Versicherungs- und Wartungskosten decken. Oder sie rüsten den Hausanschlusskasten um, um den Solarstrom direkt im Hausnetz zu verbrauchen, – so wie es bei den meisten Neuanlagen der Fall ist – müssen dann aber einen teuren Smart Meter anschaffen und ihren Überschussstrom am Strommarkt vermarkten. Aktuell stehen jedoch kaum Dienstleister am Markt bereit, die Solarstrom von Anlagen mit weniger als 60 Kilowatt Spitzenleistung direktvermarkten. Die typischen Anlagen aus den Anfangsjahren der Photovoltaik in Deutschland leisten häufig nur bis zu fünf Kilowatt.

Lastprofil vermeidet Doppelbeschaffung

„Dass Häuslebesitzer mit 20 Jahre alten Solar-Dachanlagen künftig teure intelligente Stromzähler einbauen müssen, um den Strom vom eigenen Dach zu verbrauchen, ist den Leuten nicht zu vermitteln. Schon gar nicht, wenn die Nachbarn sich gleichzeitig eine neue, auf den Eigenverbrauch optimierte Solaranlage bauen, und zwar ohne teuren Smart Meter. Wir sind uns sicher, dass das besser geht“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Als Ausweg schlägt Agora Energiewende eine Erweiterung des Systems der so genannten Standardlastprofile um ein Prosumer-Standardlastprofil vor. Standardlastprofile bestimmen bereits heute für unterschiedliche Gruppen von Stromverbrauchern – etwa Haushalte und Gewerbe – welche Strommengen in jeder Stunde des Jahres im Mittel in der jeweiligen Gruppe benötigt werden. Auf Basis dieser synthetischen Angaben beschaffen Stromvertriebe Strom für ihre Kunden.
Das System ist seit Jahrzehnten bewährt, allerdings berücksichtigt es den Verbrauch von selbst erzeugtem Solarstrom bisher nicht – mit unerwünschten Konsequenzen: „Weil mein Stromvertrieb gar nicht weiß, dass ich eine Solaranlage betreibe, beschafft er auch dann Strom für mich, wenn ich diesen gar nicht verbrauchen kann, weil gerade die Sonne scheint“, erklärt Andreas Jahn vom Regulatory Assistance Project. „Diese unnötig beschafften Mengen müssen ausgeglichen werden – im schlimmsten Fall werden sie vernichtet. Das ist wirtschaftlich und ökologisch komplett unsinnig.“ Im Gegensatz dazu würde das Prosumer-Standardlastprofil den Eigenverbrauch von Solarstrom beinhalten. Damit könnten Betreiber kleiner Solaranlagen sowohl Solarstrom vom eigenen Dach beziehen und dadurch den um ein Mehrfaches teureren Netzstrom sparen als auch bei Bedarf Netzstrom zukaufen. Unsinnige Doppelbeschaffungen würden weitgehend vermieden.

Abweichungen erfassen

Unvermeidbare Abweichungen zwischen dem Prosumer-Standardlastprofil und dem tatsächlichen Stromverbrauch der Prosumer, die bei den Netzbetreibern erfasst werden, können durch zwei weitere Maßnahmen klein gehalten werden. Anders als heute sollten die Netzbetreiber zum einen Anreize erhalten, die Standardlastprofile jährlich zu aktualisieren, um ein sich veränderndes Verbrauchsverhalten besser zu berücksichtigen. Zum anderen sollten die Netzbetreiber verpflichtet werden, die Differenzbilanzkreise transparent und aktiv zu bewirtschaften.
Die Studie schränkt die Prosumer-Lastprofile allerdings auf einfache Anwendungsfälle ein. „Das Prinzip kommt an seine Grenzen, wenn jemand ein Elektroauto, einen Stromspeicher oder eine Wärmepumpe mit seinem eigenen Solarstrom betreibt. Diese Anwendungsfälle sind kaum in einer generellen, statistischen Betrachtung zu fassen, deshalb kommt man hier nicht um den Einsatz eines Smart Meters herum. Dann lohnt er sich aber auch“, sagt Andreas Jahn. (ur)

Wie weiter nach der EEG-Förderung? Solaranlagen zwischen Eigenverbrauch und Volleinspeisung (PDF, 565 KB) (Deep Link)
https://www.agora-energiewende.de

Stichwörter: Solarthermie, Photovoltaik, Agora Energiewende, Prosumer, Eigenverbrauch, Lastprofil, EEG

Bildquelle: Frank Urbansky

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Photovoltaik | Solarthermie

STEAG / Trianel: Gemeinsame Photovoltaik-Projekte
[1.10.2020] Die STEAG-Tochter STEAG Solar Energy Solutions und Trianel Energieprojekte realisieren zwei Photovoltaik-Parks in Deutschland. Für die Zukunft sind weitere gemeinsame Projekte geplant. mehr...
STEAG Solar Energy Solutions und Trianel Energieprojekte bauen zwei Photovoltaik-Parks in Brandenburg und Rheinland-Pfalz.
N-ERGIE: Neue PV-Anlage mit 9,2 MW
[22.9.2020] In Unterfranken baut das Unternehmen N-ERGIE sein erstes Photovoltaikkraftwerk ohne EEG-Förderung. Zum Einsatz kommen über 20.000 Module, die rechnerisch für etwa 2.750 Haushalte Strom liefern könnten. mehr...
Das neue PV-Kraftwerk von N-ERGIE wird sich über zehn Hektar erstrecken. Zum Einsatz kommen 20.754 Module, die 9.587.000‬ kWh pro Jahr produzieren.
enercity: Photovoltaik für Pfaffenhofen
[10.9.2020] enercity hat in Pfaffenhofen eine Photovoltaikanlage mit 390 kWp in einem Biomasse-Heizkraftwerk errichtet. Sie kann jährlich fast 360.000 kWh Strom produzieren und 150 Tonnen CO2 einsparen. mehr...
Diese PV-Anlage von enercity in Pfaffenhofen kann 390 kWp leisten.
Städtische Werke Kassel: PV ohne EEG-Förderung betreiben
[3.9.2020] Die Städtischen Werke Kassel haben zwei Lösungen für Photovoltaikanlagen gefunden, die aus der EEG-Förderung fallen. Zum einen sind ein Weiterbetrieb und der Verkauf des Stroms an das Unternehmen denkbar, zum anderen könnte durch Umrüstung der Eigenverbrauch erhöht werden. mehr...
BayWa r.e.: Solar-Wind-Projekt bei Bayreuth
[27.8.2020] 50 Kilometer nördlich von Bayreuth hat BayWa r.e. einen Solarpark installiert, der den Netzanschlusspunkt eines bereits vorhandenen Windparks nutzt. Das hat Vorteile für die Netzstabilität. mehr...
Entstand 50 Kilometer nördlich von Bayreuth: Ein Solarpark, der den Netzanschlusspunkt eines seit 2013 bestehenden Windparks nutzt.

Suchen...

 Anzeige

 Anzeige

 Anzeige

 Anzeige

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 9/10 2020
stadt+werk, Ausgabe 7/8 2020
stadt+werk, Sonderheft Juni 2020
stadt+werk, Ausgabe 5/6 2020

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Photovoltaik | Solarthermie:
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH

Aktuelle Meldungen