Donnerstag, 9. Februar 2023

Magdeburg:
Auf dem Weg zur Klimaneutralität


[31.5.2021] Mit einem Masterplan will Magdeburg klimaneutral werden. Von der Agentur für Erneuerbare Energien wurde die Landeshauptstadt dafür zur Energiekommune des Monats gewählt.

Genossenschaftlicher Solarpark in Magdeburg. Die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg will bis 2050 bis zu 95 Prozent der eigenen Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. Dafür wurde im Jahr 2017 ein Masterplankonzept für die Stadt verabschiedet. Eine wichtige Rolle zur Erreichung der Ziele spielen auch Energiegenossenschaften, die in Magdeburg und im gesamten Bundesland Erneuerbare-Energien-Projekte umsetzen. Jetzt wurde die Stadt von der Agentur für Erneuerbare Energien zur Energiekommune des Monats gewählt. „Die Energiewende kann nur gemeinsam mit den Bürgern und nicht über deren Köpfe hinweg gelingen“, sagt Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE). „Vor allem Energiegenossenschaften schaffen es immer wieder, durch planerischen und finanziellen Einbezug der Anwohnerschaft, die Akzeptanz für lokale Projekte entscheidend zu steigern.“
In den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr wurden im Masterplankonzept Strategien vorgestellt, die – unter Rückgriff auf verschiedene Entwicklungsszenarien – Magdeburg langfristig helfen sollen, Verbräuche zu reduzieren und Energie effizienter zu nutzen. Neben Emissionseinsparungen soll deshalb ebenso der Endenergieverbrauch der Stadt bis zur Mitte des Jahrhunderts halbiert werden. Zwischen 1990 und 2014 konnte der Endenergieverbrauch kommunaler Gebäude sowie der Magdeburger Privathaushalte bereits um respektive 53 Prozent und 64 Prozent gesenkt werden. Die Maßnahmen des Masterplankonzepts sollen zwischen 2015 und 2050 Einsparungen von weiteren 33 Prozent bei Privathaushalten im gesamten Stadtgebiet möglich machen. Außerdem soll der Anteil der in der Landeshauptstadt produzierten erneuerbaren Energien von 5 Prozent auf knapp 25 Prozent verfünffacht werden.

Stromtarif 100 Prozent erneuerbar

Über ein Biomasseheizkraftwerk in Magdeburg-Rothensee versorgt die Stadt lokale Unternehmen mit erneuerbarer Wärme. Am gleichen Standort wurde bis 2010 ein Windpark entwickelt, der heute eine Gesamtleistung von 15 Megawatt für die Stadt bereitstellt. So konnte die Stadtverwaltung im Jahr 2020 bereits mit 60 Prozent Ökostrom beliefert werden. Gemeinsam mit einem Windparkbetreiber bieten die Stadtwerke für Bürger außerdem einen Tarif mit bis zu 100 Prozent Ökostromanteil aus Windenergie an.
Die Energiewende findet in Magdeburg jedoch nicht nur auf kommunaler Ebene statt. Engagierte Bürger haben 2009 eine Energiegenossenschaft mit Sitz in Magdeburg gegründet, die im gesamten Bundesland zahlreiche Photovoltaik-Dachanlagen und eine PV-Freiflächenanlage in Magdeburg installieren konnte. In ganz Sachsen-Anhalt produziert die Genossenschaft jährlich 1,3 Millionen Kilowattstunden erneuerbaren Strom. Im Unterschied zu herkömmlichen Projektierern können sich Anwohner prioritär am Projekt finanziell beteiligen. Darüber hinaus profitiert das Gemeinwesen über kommunale Pachteinnahmen, die Gewerbesteuer und preiswerte Stromtarife. Durch diese umfassende Beteiligung der lokalen Partner erhalten die Projekte vor Ort eine hohe Akzeptanz. In Magdeburg hat die Genossenschaft im Jahr 2016 einen Solarpark umgesetzt, der jährlich bis zu 670 Tonnen CO2 einspart. Diese Anlage soll ein Vorbild für viele weitere in der Zukunft sein. Aktuell plant die Genossenschaft ihr erstes Mieterstromprojekt mit integriertem Stromspeicher und einer Wärmepumpe sowie den ersten genossenschaftlichen Windpark in Sachsen-Anhalt. Letzterer soll noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden.

Energieautarkes Wohnen bereits 2022

Die zweite Säule des Masterplankonzepts ist die Reduzierung des städtischen Endenergieverbrauches. Zentral koordiniert vom „Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement“ werden beispielsweise die Vorgaben des Förderprogramms STARK III, das mithilfe von EU-Fördergeldern energetische Sanierungsmaßnahmen von Schulen und Kindertageseinrichtungen finanziert, anleitet und überwacht. Die Mindestvoraussetzungen für eine Förderung unterschreiten die bundesdeutschen Richtwerte um 25 Prozent. Durch eine strenge Umsetzung durch den Eigenbetrieb konnten diese Werte bei den meisten Gebäuden sogar noch unterschritten werden. So konnte Magdeburg den Wärmeverbrauch kommunaler Gebäude zwischen 2005 und 2019 um 60 Millionen kWh senken.
Der Trend zur Verbrauchsminimierung betrifft aber nicht nur Altbauten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft setzt auch im Neubau auf möglichst energieeffiziente Bauweisen. Bis Ende 2022 soll am Marderweg im Süden der Stadt ein Pilotprojekt umgesetzt werden: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft will mit dem Neubau von acht energieautarken, familienfreundlichen Reihenhäusern neue Maßstäbe im Klimaschutz und Wohnkomfort für Magdeburg setzen. Auf Basis von Ökostrom und solarer Eigenproduktion sollen die Gebäude zu 100 Prozent CO2 frei betrieben werden können. Mittels ihrer PV-Dachanlagen werden die Reihenhäuser Leistungsspitzen zwischen 14 und 17 Kilowatt peak erreichen. Überschüsse können direkt in gebäudeeigenen Speichern mit einer Nutzkapazität von 20 kWh gespeichert werden. So wird auch an sonnenarmen Tagen Strom und Heizwärme lokal bereitgestellt. Damit erfüllen Wohnhäuser bereits die Gebäudestandards der Bundesregierung für das Jahr 2050. (ur)

Das ausführliche Portrait zur Energie-Kommune des Monats findet sich hier. (Deep Link)
https://www.unendlich-viel-energie.de

Stichwörter: Klimaschutz, Magdeburg, AEE, Photovoltaik

Bildquelle: Helionat

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