Sonntag, 5. Dezember 2021

Flutschäden:
evm-Gasnetz in Rekordzeit repariert


[26.8.2021] Die Wiederherstellung des Gasnetzes im Gebiet um Ahrweiler erfolgt im Rekordtempo. 57 Prozent der Kunden sind bereits jetzt oder bis Ende Oktober wieder versorgt. In 43 Prozent der Fälle gibt es keine Versorgung bis zum Winter. Hier dient Flüssiggas als Übergangslösung.

Zwischen Heppingen und Lohrsdorf wird eine neue Hochdruck-Leitung verlegt. Die Dimensionen der Flutschäden am Erdgasnetz im Ahrtal sind gewaltig: 133 Kilometer Erdgasleitungen, 8.500 Gaszähler, 3.400 Hausdruckregler, 7.220 Netzanschlüsse und 31 Gasdruckregel- und Messanlagen sind durch das extreme Hochwasser beschädigt oder sogar komplett zerstört worden. Entsprechend aufwendig ist die Wiederherstellung der Gasversorgung im Kreis Ahrweiler. Seit mittlerweile sechs Wochen herrscht daher in der Unternehmensgruppe Energieversorgung Mittelrhein (evm) Ausnahmezustand. Das teilt evm mit. „Es handelt sich hier um das größte Schadensereignis in der Geschichte unseres Unternehmens nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir sind seit der Katastrophennacht mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz, um die Gasversorgung im Ahrtal so schnell wie möglich wiederherzustellen“, betont evm-Vorstandsvorsitzender Josef Rönz. Insgesamt nimmt die evm-Gruppe hierzu mindestens 20 bis 30 Millionen Euro in die Hand.

Nach drei Tagen erste Orte angeschlossen

„Die Reparatur sowie der Neubau zerstörter Leitungen erfolgt hier im Rekordtempo. So entsteht derzeit innerhalb weniger Wochen eine komplett neue Hochdruckleitung, für die sonst zwei Jahre Planungs- und Bauzeit nötig wären“, so Rönz weiter. Der Netzgesellschaft der Energieversorgung Mittelrhein, der Energienetze Mittelrhein (enm), war es schon nach drei Tagen gelungen, verschiedene Orte in der Gemeinde Grafschaft über eine Transportleitung von Unkelbach aus wieder mit Erdgas zu erreichen. In den Wintermonaten kann es dort zu Engpässen kommen, da nur eine begrenzte Menge an Erdgas dort durchgeleitet werden kann. Schnell konnte die enm auch Leitungen in Sinzig und Bad Bodendorf wiederinstandsetzen. Im Remagener Stadtteil Kripp befindet sich die Übernahmestation, an der das Erdgas von der überörtlichen Transportleitung in das Netz der evm-Gruppe eingespeist wird. Insgesamt sind 30 Prozent der Kunden wieder versorgt, bei 27 Prozent erfolgt dies in Kürze.
Von Kripp über Sinzig und Bad Bodendorf erreicht die Hochdruckleitung dann das Gebiet von Bad Neuenahr-Ahrweiler und folgt im Wesentlichen dem Verlauf der Ahr. „Da auch sämtliche Ahrüberquerungen durch die Flut zerstört wurden, ist der Wiederaufbau der zerstörten Gas-Infrastruktur eine besondere Herausforderung“, erläutert Andreas Hoffknecht, Geschäftsführer der Energienetze Mittelrhein (enm). Um etwa die Orte südlich der Ahr wieder mit Gas versorgen zu können, müssen zunächst Ahrquerungen neu geschaffen werden. Das erfolgt derzeit an zwei Stellen: in Höhe Lohrsdorf und bei Heppingen. Wenn an diesen Stellen wieder unterirdische Leitungen geschaffen wurden und mit dem bestehenden Netz auf der anderen Seite der Ahr verbunden werden konnten, kann die Wiederaufnahme der Gasversorgung in den Bereich südlich der Ahr vorbereitet werden. „Wir rechnen damit, dass wir die Haushalte dort im Lauf des Monats Oktober wieder anschließen können. Allerdings erleben wir bei der Beseitigung der Flutschäden jeden Tag neue Überraschungen. Daher bitte ich um Verständnis dafür, dass wir Zeitangaben immer wieder an neue Erkenntnisse anpassen müssen“, so Hoffknecht weiter.

Probleme nördlich der Ahr

Deutlich schwieriger gestaltet sich die Wiederaufnahme der Erdgasversorgung in den Stadtgebieten nördlich der Ahr. Die Hochdruckleitung zwischen Heppingen und Walporzheim, wo das Gasnetz endet, ist in einem solch starkem Maß beschädigt, dass das Netz dort nicht mehr nutzbar ist. „Wir haben uns daher dazu entschlossen, eine neue Hochdruckleitung zu bauen“, erklärt der enm-Geschäftsführer. Die Neuverlegung der Gashochdruckleitung ist von Lohrsdorf bis zum Kreisverkehr Ringener Straße erforderlich. Ein Bauabschnitt führt unterhalb der Weinberge entlang der Bundesstraße 266 bis zum Kreisverkehr an der Ringener Straße. Neben neuen Leitungen müssen aber auch Gasdruckregelanlagen neu errichtet werden. Fünf solcher Anlagen sind komplett zerstört, neun durch das Hochwasser stark beschädigt. Ohne diese Stationen ist der Betrieb des Gasnetzes in Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht möglich.
Ein weiteres Problem ist der Zustand der einzelnen Netzanschlüsse an den Häusern im Gebiet nördlich der Ahr. „Wir rechnen damit, dass sich in vielen Leitungen noch Wasser oder auch Schmutz befindet. Dann müssten wir diese Leitungen zunächst spülen, reinigen und trocknen, bevor wir wieder Gas auf die Leitungen geben können“, informiert Hoffknecht. Das ist bei mehreren Tausend Anschlüssen im Flutgebiet eine zeitaufwendige Herausforderung. Um hier schneller vorgehen zu können, kann die evm-Gruppe auf die Unterstützung anderer Energieversorgungunternehmen zurückgreifen, die bereitwillig ihre Hilfe angeboten haben. Unterstützung kommt beispielsweise von den Stadtwerken Neuwied, von der Bad Honnef AG, der ESWE aus Wiesbaden und weiteren Unternehmen.
Insgesamt rechnet die enm damit, dass die Erdgasversorgung im Gebiet zwischen Bad Neuenahr nördlich der Ahr und Walporzheim nicht vor Jahresende wieder aufgenommen werden kann. Daher empfiehlt die evm, sich jetzt zeitnah um eine Übergangsversorgung in Form von Flüssiggas zu kümmern. Hierzu steht Propan Rheingas als Partnerunternehmen der evm zur Verfügung. (ur)

https://www.evm.de

Stichwörter: Erdgas, Flut, evm, Gasnetz

Bildquelle: evm-Gruppe

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