Dienstag, 17. Mai 2022
Sie befinden sich hier: Startseite > Themen > Smart City > Erfolg mit LoRaWAN

Smart City Emden:
Erfolg mit LoRaWAN


[18.11.2021] Der Digitalisierung als neuer Daseinsvorsorge hat sich Emden in Ostfriesland bereits 2016 mit einer umfassenden Road Map verschrieben. Lange bevor die meisten Städte mit einzelnen Projekten an den Start gingen, begann die 50.000-Einwohner-Kommune ihr Smart-City-Konzept umzusetzen.

Laut der Smart-City-Studie der Unternehmensberatung Haselhorst Associates von 2020 weist von 400 Städten mit über 30.000 Einwohnern lediglich ein Viertel einen Digitalisierungsgrad von über zwölf Prozent auf. Emden ist da so etwas wie ein Hidden Champion: Aus den ursprünglich 15 Digitalisierungsprojekten wurden innerhalb von vier Jahren 35. Als strategischen Partner haben die Emder den Konzern Siemens seit 2017 an Bord: Sie versorgen die Stadtwerke mit Know-how und Technologie. So kommt die cloudbasierte IoT-Plattform MindSphere als zentrale Datendrehscheibe zum Einsatz. Zur Zeit ist Siemens in der Gebäudeautomatisierung und Verkehrssteuerung unterstützend tätig. Für die Umsetzung ist die Tochterfirma Emden Digital verantwortlich. Sie hat unter anderem die KEPTN-App als Informations- und Interaktionsplattform auf den Markt gebracht. Nutzer der App erfahren, was gerade los ist in der Seehafenstadt. Aber auch, wo es Parkplätze gibt und wo der Verkehr stockt. Ein Erfolgsmodell sind die Gutscheine, die im Netz gekauft und in Geschäften und Restaurants vor Ort eingelöst werden können.

LoRaWAN-Netz als weiteres Geschäftsmodell

Die Emder wollen nicht nur das Geld in der Stadt halten, sondern auch ihre Daten. Nach dem Motto „Daten sind das neue Gold“ setzen die Stadtwerke darauf, die Daten selber zu nutzen. Hier kommt LoRaWAN zum Einsatz. Zum Beispiel, um zu wissen, wo ein freier Parkplatz ist. Oder welcher Müllcontainer in der Stadt geleert werden muss. Und bei Hochwasser, ob die Deiche halten. Das so genannte LoRaWAN-Netz mit einer Reichweite von bis zu 15 Kilometern hat sich bereits nach zwei Jahren bewährt. „Wir bauen sozusagen das digitale Gehirn der Stadt. Unser Ziel ist eine Datenbank von allen für alle“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Ackermann.
Im LoRaWAN-Netz wird auf niedriger Frequenz und gleichzeitig energieeffizient per Funk gesendet. Das macht diese Technologie besonders attraktiv für Anwendungen, bei denen kein direkter Strom- und Glasfaseranschluss besteht oder keine größeren Baumaßnahmen erfolgen sollen. Sender und Empfänger können mit Batterien mit einer Laufzeit von bis zu 15 Jahren betrieben werden. 600 Sensoren sind zur Zeit angebunden. An acht Stellen in der Stadt empfangen Antennen die Daten in Echtzeit. 1.500 Antennen stehen insgesamt zur Verfügung.
Die Stadtwerke profitieren selber vom barrierefreien Funknetz: „Zum Ablesen des Wasserstands mussten unsere Mitarbeiter früher immer in die unterirdischen Schächte klettern. Heute haben wir dort Zähler installiert, die automatisch den Stand melden“, so Ackermann.
Die Stadtwerke sehen in diesem System ein großes Potenzial für neue Produkte und Dienstleistungen, etwa für die Hafenwirtschaft und beim Gebäude-Management. Oder in der Abfallwirtschaft: Mit vernetzten Containern können Mitarbeiter von Bauhof und Grünflächenamt ihre Arbeit besser planen, fahren eben nicht zu einer halb leeren Mülltonne, sondern warten, bis diese Bescheid gibt.

Digitalisierung zum Anfassen

Die Stadtwerke streben eine enge Zusammenarbeit mit mittelständischen Unternehmen und der Stadt an. „Gemeinsam können wir Abläufe optimieren“, so Ackermann. Nils Andersson, Chef des Bau- und Entsorgungsbetriebs BEE: „Durch moderne IoT-Kommunikationstechnologie ist es möglich, Netzressourcen kosteneffizient zu digitalisieren und interne Prozesse im Unternehmen zu optimieren. Das ist für uns Digitalisierung in der Bau- und Entsorgungsbranche zum Anfassen.“
Und der Datenschutz? Für die Emder hat er oberste Priorität. Der IoT-Projektleiter bei den Stadtwerken, Tobias Müller, sagt: „Es werden keine personenbezogenen Daten verarbeitet. Die Infrastruktur ist selbstverständlich nach aktuellen Datenschutzstandards aufgebaut. Durch ein lokales Netz bleiben die Daten in Emden.“
Das Emder Modell bekommt auch von Fachleuchten und aus der Politik Anerkennung. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff gibt zu Protokoll: „Die Stadtwerke Emden zeigen, welchen Mehrwert die Digitalisierung sowohl für städtische Betriebe als auch für die Bürgerinnen und Bürger generieren kann.“
Genutzt wird das LoRaWAN-Netz zur Zeit bei der Intelligenten Verkehrssteuerung, bei dem Projekt Smarte Deiche, für Straßenlaternen, zur Schmutzwassersteuerung sowie für intelligente Gebäude und Quartiere.
Digitale Angebote sind für Stadtwerke-Geschäftsführer Ackermann ein wesentliches Instrument der Kundenbindung und Grundlage des künftigen Geschäfts: „Unsere wichtigsten Ertragsquellen waren bisher der Strom aus unseren Windanlagen und die Gasversorgung – in beiden Bereichen ändern sich die Rahmenbedingungen, sodass wir uns nach Alternativen umschauen müssen. Das war ein Treiber der Smart City Emden“, sagt er.

Visionäres Denken trifft kaufmännische Bodenständigkeit

Jürgen Germies, der als Partner von Haselhorst Associate die Emder begleitet, berichtet, dass alle Maßnahmen inzwischen exakt so weit fortgeschritten seien, wie es der ursprüngliche Zeitplan vorgesehen hat. „In Emden – und auch das ist vielleicht ein Unterschied zu anderen Kommunen – hat man die anstehenden Themen immer mit einer guten Mischung aus visionärem Denken und kaufmännischer Bodenständigkeit betrachtet.“ Das habe zu einem effektiven Projekt-Management und klugen Investitionsentscheidungen geführt – zum Beispiel bei der Infrastrukturentwicklung.
„Ohne schnelles Internet gibt es keine Smart City“, das war von Anfang an Ackermanns Devise. Auf eigene Rechnung trieb Emden deshalb den Glasfaserausbau voran: 2018 wurden die ersten Gewerbegebiete angeschlossen, im vergangenen Jahr folgten erste Wohngebiete. Über die Tochtergesellschaft Emden Digital vermarkten die Stadtwerke inzwischen erfolgreich eigene Breitbandangebote für Gewerbe- und Privatkunden. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass sich die kostspielige Investition von rund 50 Millionen Euro mittelfristig refinanziert haben wird. „Wir haben von vornherein eng mit der Wohnungswirtschaft zusammengearbeitet, das hat dem Projekt erheblichen Auftrieb gegeben“, berichtet Ackermann.
Ganz oben auf der Liste der Ziele der Stadtwerke steht, möglichst viel Strom aus regenerativen Energiequellen für die Versorgung der Privat- und Gewerbekunden zu gewinnen. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Windpark am Larrelter Polder hat die Seehafenstadt Zugriff auf eine der größten Windfarmen Europas. Solar- und Photovoltaikanlagen auf privaten und öffentlichen Gebäuden sowie ein Biomasseheizkraftwerk ergänzen den grünen Strom-Mix der Stadt. „Schon heute können alle Emder Haushalte zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden“, so Ackermann. Er ist sicher, dass die Möglichkeit einer CO2-neutralen Energieversorgung nicht nur für Privathaushalte, sondern auch für die Industrie in den nächsten Jahren ein entscheidender Standortfaktor wird.

Christina Hövener-Hetz

https://stadtwerke-emden.de

Stichwörter: Smart City, Emden, LoRaWAN



Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Smart City

Lahr: Bäume passgenau bewässern
[4.5.2022] LoRaWAN-Technik soll künftig eine passgenaue Bewässerung von Grünanlagen in Lahr ermöglichen. Erste Sensoren wurden nun für ein Pilotprojekt installiert, die in unterschiedlichen Tiefen die Bodenfeuchtigkeit messen. Ein Dashboard stellt die ermittelten Werte übersichtlich dar. mehr...
bnNETZE setzt bei der Bewässerung von Grünanlagen auf die LoRaWAN-Technik.
Kreis Göppingen: Pilotprojekt zur Beleuchtung gestartet
[3.5.2022] Der Landkreis Göppingen führt jetzt ein Pilotprojekt für insektenfreundliche Beleuchtung durch. Dabei wird die Straßenbeleuchtung an das tatsächliche Verkehrsaufkommen angepasst. Das Projekt wird mit einer Summe von 75.000 Euro durch das Land gefördert. mehr...
Im Kreis Göppingen ist nun ein Projekt zur insektenfreundlichen Beleuchtung gestartet.
Hofbieber: Förderung für Monitoring-Projekt
[20.4.2022] Ein Projekt der hessischen Gemeinde Hofbieber soll belastbare Daten zutage fördern, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2030 zu erreichen. Das Vorhaben, bei dem ein digitaler Zwilling erarbeitet wird und auf KI basierende Methoden zum Einsatz kommen, hat jetzt eine Förderung vom Land Hessen erhalten. mehr...
Köln: Small Cells in Straßenlaternen verbaut
[8.4.2022] In Kölns Innenstadt hat Vodafone jetzt zwei Laternen mit 5G+ Mobilfunk-Kleinzellen, so genannten Small Cells, ausgestattet. mehr...
Inbetriebnahme von Kölns erster Straßenlaternen mit 5G+ Small-Cells.
Mannheim: Sensoren für Klimamessnetz
[31.3.2022] Mannheim will sich gegen die Auswirkungen des Klimawandels wappnen und baut ein digitales Klimamessnetz auf. Die ersten Sensoren wurden jetzt installiert. mehr...
Mannheim: Moderne Sensoren messen Klimadaten.

Suchen...

 Anzeige

 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 5/6 2022
stadt+werk, Ausgabe 3/4 2022
stadt+werk, Ausgabe 1/2 2022
stadt+werk, Ausgabe 11/12 2021

GISA GmbH
06112 Halle (Saale)
GISA GmbH
VIVAVIS AG
76275 Ettlingen
VIVAVIS AG

Aktuelle Meldungen