Donnerstag, 9. Februar 2023

Interview:
Klimacheck-Tool prüft Gesetzesvorhaben


[19.10.2022] In Berlin müssen bei allen Beschlussvorlagen des Senats die Klimaauswirkungen überprüft werden. Zum Einsatz kommt dafür das Tool Klimacheck, welches das Unternehmen Ramboll entwickelt hat. Wie dieses in der Praxis funktioniert, erläutert Senior Consultant Marco Baldauf.

Marco Baldauf ist seit 2019 Consultant bei Ramboll. Herr Baldauf, wie unterstützt der Klimacheck die Verwaltung?

Der Klimacheck von Ramboll hilft den Verwaltungsmitarbeitenden bei der Überprüfung der klimarelevanten Auswirkungen von Beschlussvorlagen und zeigt klimafreundliche Alternativen auf. Der Leitfaden ermöglicht es den Anwenderinnen und Anwendern, die Vorlagen einfach und ohne klimapolitische Vorkenntnisse zu überprüfen. Die Auswirkungen der Beschlussvorlagen werden leicht verständlich innerhalb einer Exceldatei abgefragt. Die Antwortmöglichkeiten sind mit Beispielen unterlegt. Anwender schätzen anhand von Ja-/Nein-Fragen die möglichen Klimaauswirkungen ein. Die Auswertung der Antworten erfolgt automatisiert.

Welche Anforderungen waren bei der Entwicklung des Klimachecks zu erfüllen?

Das Tool wird für alle Beschlussvorlagen des Berliner Senats eingesetzt – Personalangelegenheiten ausgenommen. Es muss also für vielfältige Anwendungsbereiche nutzbar sein. Sieben Handlungsfelder zur Erfassung der klimarelevanten Auswirkungen wurden vorab definiert. Diese sind der Energieverbrauch von Gebäuden und Anlagen, Auswirkungen auf Verkehr, Energie­erzeugung und Stadtgrün sowie die Wiederverwertung von Rohstoffen und die Bewusstseinsbildung für nachhaltiges Handeln in der Gesellschaft sowie bei öffentlichen Beschaffungen. Unser Ziel bei der Entwicklung war die leichte Anwendbarkeit für die Senatsmitarbeitenden, weshalb wir die Usability in mehreren Workshops getestet haben. Somit konnten wir das Tool entlang des tatsächlichen Bedarfs entwickeln.

Wie erfolgt die Anwendung und welche Daten liegen dem Klimacheck zugrunde?

Der Klimacheck wird für alle Handlungsfelder durchgeführt. Zeigen sich mögliche Klima­auswirkungen, erfolgt eine Detail­prüfung. Im Handlungsfeld Verkehr wird beispielsweise abgefragt, ob die Beschlussvorlage zu mehr Fahrradverkehr führen wird. Dies kann etwa durch eine Verbesserung der Fahrradinfrastruktur gegeben sein. Grundlage hierfür sind aktuelle Forschungsdaten, welche die Treibhausgasemissionen von Schienen-, Auto- und Fahrradverkehr abbilden. Im Bereich Energie können die Anwenderinnen und Anwender je nach Inhalt der Beschlussvorlage sowohl eine geplante klimafreundliche Energieerzeugung als auch den bestehenden Energiemix in Berlin berücksichtigen. Dafür werden dann die berlinspezifischen Daten zur Energieversorgung und deren klimaschädlichen Emissionen herangezogen. Am Ende des Klimachecks wird eine Gesamteinordnung der Auswirkungen generiert, außerdem werden die Detailergebnisse für jedes Handlungsfeld dargestellt. Zeigt sich, dass durch die Beschluss­vorlage klimaschädliche Emissionen erheblich steigen würden, werden Alternativen geprüft und Verbesserungsvorschläge gemacht. Abschließend erhalten die Anwenderinnen und Anwender Formulierungsvorschläge für die Prüfung der Beschlussvorlage. Diese können die Mitarbeitenden der Senatsverwaltung dann in den Prüf­bericht übertragen.

„Seit der Einführung im April 2021 hat sich der Klimacheck als Instrument etabliert.“

Wie begleitet Ramboll die Senatsverwaltung bei der Implementierung?

Das Feedback der Anwenderinnen und Anwender wurde nicht nur während der Entwicklung in Workshops aufgenommen, sondern auch nach der Veröffentlichung in einer viermonatigen Testphase. Aus diesen Rückmeldungen und weiteren Feedback-Interviews wurde nach einem halben Jahr eine leicht überarbeitete Version veröffentlicht. Aktuell führen wir eine Anwenderbefragung zur Wirksamkeit des Tools durch. Seit der Einführung im April 2021 hat sich der Klimacheck als Instrument innerhalb der ­Senatsverwaltung etabliert. Wir wollen ihn in enger Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung kontinuierlich weiterentwickeln.

Was ist als nächstes geplant?

Länder und Kommunen müssen sich auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten und klimaresiliente Orte schaffen. Aus diesem Grund werden wir die Anwendung für die Berliner Senatsverwaltung um Klimaanpassungsmaßnahmen erweitern. Gemeinsam mit den Klima­schutzbeauftragten in den Berliner Bezirken haben wir den Klimacheck zudem inhaltlich für die Bezirke angepasst. Unsere Fachleute entwickeln eine angepasste Version des Leitfadens, der in den Bezirken Mitte und Spandau bereits eingeführt wurde. Das Tool ist aufgrund seiner Vielseitigkeit und leichten Bedienbarkeit auch für andere Bundesländer und Kommunen interessant. Auch die Ampelparteien haben sich im Koalitionsvertrag ein ähnliches Vorhaben auf Bundesebene vorgenommen.

Interview: Alexander Schaeff

https://de.ramboll.com
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe September/Oktober 2022 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Politik, Ramboll, Klimacheck-Tool

Bildquelle: Ramboll

Druckversion    PDF     Link mailen


 Anzeige



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Politik

Berlin: Windenergie von Dächern
[9.2.2023] Die Windenergie soll die Stadt Berlin bei ihrem Ziel unterstützen, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu werden. Ein wichtiger Baustein sollen dabei Windenergieanlagen auf Dächern sein. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat jetzt die Grundlagen für deren Genehmigung geschaffen. mehr...
Magdeburg: Motiviert für Energieeinsparungen
[8.2.2023] Eine Analyse des kommunalen Gebäude-Managements hat ergeben, dass die Stadtverwaltung Magdeburg erfolgreich Energie einspart. mehr...
BDEW/EY: Mehr Tempo und mehr Geld
[6.2.2023] Ein Fortschrittsmonitor von BDEW und EY zeigt: Die Energiewende kommt nicht so schnell voran wie geplant und das Investitionsvolumen ist geringer als erwartet. Um die Energiewende voranzubringen, sind bis 2030 Investitionen von rund 600 Milliarden Euro notwendig. mehr...
Fortschrittsmonitor von BDEW und EY: Die Energiewende kommt nicht so schnell voran wie geplant und das Investitionsvolumen ist geringer als erwartet.
Saarland: Klimaschutzgesetz vorgestellt
[6.2.2023] Das Saarland verpflichtet sich mit einem Klimaschutzgesetz und Maßnahmenplan dazu, bis zum Jahr 2030 die Gesamtsumme der Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu den Gesamtemissionen im Jahr 1990 zu senken. mehr...
Baden-Württemberg: Initiative zur solaren Stromerzeugung
[3.2.2023] Künftig können in Baden-Württemberg durch eine Initiative der Landesregierung deutlich mehr Flächen an Bundes- und Landesstraßen für die solare Stromerzeugung genutzt werden. mehr...
Potenzielle Photovoltaik-Flächen aus dem Interessenbekundungsverfahren in Baden-Württemberg.

Suchen...

Aboverwaltung


Abbonement kuendigen

Abbonement kuendigen
VOLTARIS GmbH
67133 Maxdorf
VOLTARIS GmbH
GIS Consult GmbH
45721 Haltern am See
GIS Consult GmbH
prego services GmbH
66123 Saarbrücken
prego services GmbH
Savosolar GmbH
22761 Hamburg
Savosolar GmbH

Aktuelle Meldungen