FinanzierungBBH Finance kritisiert fehlende Finanzierungskonzepte
Das Beratungsunternehmen Becker Büttner Held (BBH) kritisiert das gemeinsame Eckpunktepapier von Bund und Ländern zur Finanzierung der Stromverteil- und Wärmenetze. Wie das Unternehmen mitteilt, enthalte das am 14. Oktober 2026 von der Energieministerkonferenz, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie dem Bundesministerium der Finanzen veröffentlichte Papier zwar Ansätze zur Stärkung der Kapitalbasis von Stadtwerken. Konkrete Angaben zu Umfang, Kosten, Zeitplan und Risikoverteilung der vorgesehenen Maßnahmen fehlten jedoch.
Bereits im Dezember 2025 habe die Bundesregierung den Deutschlandfonds angekündigt und Ergebnisse für die Energieministerkonferenz im Mai 2026 in Aussicht gestellt. Auch das neue Eckpunktepapier enthalte jedoch überwiegend Absichtserklärungen, kritisiert BBH. So beabsichtige der Bund eine Novellierung des Rechtsrahmens, während die Länder weitere Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals prüften. Für Stadtwerke und Investoren fehle damit weiterhin die notwendige Planungssicherheit.
Höhere Finanzierungskosten belasten Verbraucher
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Finanzierung von Wärmenetzen. Nach den Plänen des Bundes sollen sich Investitionen in Fernwärme über die Wärmepreise refinanzieren. Gleichzeitig sollen die Preise für Verbraucher bezahlbar bleiben. BBH sieht darin einen Zielkonflikt: Steigende Kapitalkosten erhöhten den Druck auf die Wärmepreise und könnten damit die Akzeptanz der Fernwärme beeinträchtigen. Wie das geplante Wärmenetzgesetz den Ausgleich zwischen Kostendeckung und bezahlbaren Preisen sicherstellen soll, bleibe offen.
Zur Finanzierung des Netzausbaus sieht das Eckpunktepapier unter anderem Garantieinstrumente vor, die Fremdkapitalkosten senken und private Investitionen erleichtern sollen. Zudem bietet die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der staatlichen Förderbank KfW und den Landesförderinstituten ein durch Garantien abgesichertes Mezzanin-Produkt für Investitionen in Stromverteil- und Wärmenetze an.
Mezzanine-Kapital ist eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Es kann die Eigenkapitalbasis eines Unternehmens stärken und damit die Aufnahme weiterer Kredite erleichtern. Nach Einschätzung von BBH Finance können solche Instrumente allerdings nur einen begrenzten Beitrag zur Finanzierung leisten. Nachrangdarlehen und andere eigenkapitalstärkende Finanzierungsformen seien in der Regel teurer als vorrangig besicherte Kredite. Zudem seien Förderprogramme der Länder teilweise an Ratingvoraussetzungen gebunden, die viele kleine und mittlere Stadtwerke nicht erfüllten.
Kommunen als Kapitalgeber
Kritisch bewertet BBH Finance auch die vorgesehene Rolle der Kommunen. Das Eckpunktepapier setzt darauf, dass kommunale Eigentümer Kredite aufnehmen und ihren Stadtwerken zusätzliches Eigenkapital für wirtschaftlich rentable Investitionen bereitstellen.
Nach Darstellung des Beratungsunternehmens entstehen dadurch jedoch neue finanzielle Belastungen für die Kommunen. Sie müssen die aufgenommenen Kredite bedienen, während die Stadtwerke ihre Gewinne zunehmend für eigene Investitionen einbehalten müssen. Damit könnten Ausschüttungen ausfallen, mit denen Kommunen bislang die Finanzierung ihrer Beteiligungen gedeckt hätten.
Eine Alternative seien nachrangige Gesellschafterdarlehen, bei denen die Stadtwerke Zinsen und Tilgungen an ihre kommunalen Eigentümer zahlen. Allerdings müssten solche Darlehen nach Einschätzung von BBH Finance aus beihilferechtlichen Gründen marktüblich verzinst werden. Die günstigeren Finanzierungskonditionen der Kommunen ließen sich deshalb nur eingeschränkt an die Stadtwerke weitergeben.
Eigene Finanzierungsstrategien entwickeln
BBH empfiehlt Stadtwerken, angesichts der weiterhin offenen politischen Entscheidungen eigene Finanzierungsstrategien zu entwickeln. Grundlage dafür sollten individuelle Investitionsplanungen sein, die verschiedene Formen von Eigen-, Mezzanine- und Fremdkapital berücksichtigen.
Auch bestehende Unternehmens- und Finanzierungsstrukturen sollten überprüft werden, um Förderangebote der Landesbanken nutzen zu können. Solche Programme könnten zwar wirtschaftliche Vorteile bieten, seien aber häufig an enge Vorgaben gebunden. Nach Auffassung des Beratungsunternehmens sollten Stadtwerke deshalb ihre Finanzierung zunächst unabhängig von noch ausstehenden Maßnahmen des Bundes und der Länder planen.
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