Montag, 2. November 2026

Stadtwerke BambergInnovatives Wärmenetz

[16.09.2024] [16.9.2024] Im Bamberger Lagarde-Quartier geht eines der umweltfreundlichsten Wärmenetze Deutschlands in Betrieb. 70 Prozent der Energie stammen aus erneuerbaren Quellen, die vor Ort gewonnen werden. Die Stadtwerke Bamberg investieren 30 Millionen Euro in das Projekt, das Modellcharakter für andere Städte haben soll.

Quartier Lagarde: Flächenkollektoren gewinnen jährlich drei Millionen Kilowattstunden oberflächennahe Erdwärme.

(Bildquelle: Stadtwerke Bamberg)

Am kommenden Freitag (20. September 2024) nehmen die Stadtwerke Bamberg das Nahwärmenetz im Lagarde-Viertel, das als eines der umweltfreundlichsten in Deutschland gilt, offiziell in Betrieb. Insgesamt 1.200 Wohn- und Gewerbeeinheiten werden über das innovative Wärmenetz mit Energie versorgt. Rund 70 Prozent der benötigten Wärme stammen aus regenerativen Quellen, die direkt vor Ort gewonnen werden (wir berichteten). 30 Millionen Euro hat der regionale Energieversorger nach eigenen Angaben in das zukunftsweisende Projekt investiert.
Unter den Gebäuden und Verkehrsflächen des Quartiers befinden sich Flächenkollektoren, die jährlich drei Millionen Kilowattstunden oberflächennahe Erdwärme gewinnen. Zusätzlich liefert das größte innerstädtische Geothermiefeld Deutschlands mit 74 Erdwärmesonden in bis zu 120 Metern Tiefe weitere 900.000 Kilowattstunden Wärme pro Jahr. Eine weitere wichtige Energiequelle ist das Abwasser von mehreren tausend Haushalten. Dieses fließt durch den Abwasserkanal in der Zollnerstraße, wo auf einer Länge von 225 Metern ein Wärmetauscher installiert ist. Jährlich werden so rund 2,7 Millionen Kilowattstunden Wärme gewonnen, das entspricht etwa 270.000 Litern Heizöl. Die Abwasserwärme wird auch zur Regeneration der Erdkollektoren und zur saisonalen Wärmespeicherung genutzt.
Die kombinierte Erd- und Abwasserwärme wird mithilfe von Wärmepumpen auf Temperaturen gebracht, die für Fußbodenheizung und Warmwasserbereitung geeignet sind. Jährlich erzeugen diese Pumpen 8.500 Megawattstunden thermische Energie. Den dafür benötigten Strom erzeugen Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Gebäude und der Energiezentrale. Überschüssiger Strom wird in Wärme umgewandelt und in Pufferspeichern für die spätere Nutzung vorgehalten.
Ein großer Teil der Investitionskosten wurde durch Fördermittel gedeckt. Das Projekt erhielt 11,6 Millionen Euro vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen des Programms „Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0“. Weitere 1,9 Millionen Euro wurden von der Regierung von Oberfranken für den Bau der Energiezentrale zur Verfügung gestellt.
Das „Bamberger Konzept“ soll nach Angaben der Stadtwerke als Vorbild für eine nachhaltige Wärmeversorgung in Stadtquartieren dienen. Auch wenn jede Stadt andere Rahmenbedingungen habe, zeige das Projekt, wie die Energiewende vor Ort umgesetzt werden könne. (al)





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich:

VKU: Einfachere Regeln für Smart Meter gefordert

[02.11.2026] Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert weniger Bürokratie beim Smart Meter Roll-out. Ein neues Positionspapier sieht unter anderem längere Eichfristen, einfachere Abläufe und mehr Spielraum für Messstellenbetreiber vor. mehr...

Stadtwerke Bochum: Fernwärmeausbau und Wärmepumpen geplant

[02.11.2026] Nach dem Beschluss der kommunalen Wärmeplanung konkretisiert Bochum die nächsten Schritte für den Umbau der Wärmeversorgung. Die Stadtwerke wollen das Fernwärmenetz ausbauen und das Stromnetz auf den zunehmenden Einsatz von Wärmepumpen vorbereiten. mehr...

Stadtwerke München: Zwei neue 110-kV-Schaltanlagen bestellt

[02.11.2026] Die Stadtwerke München haben bei Siemens Energy zwei neue 110-Kilovolt-Schaltanlagen mit insgesamt 120 Schaltfeldern bestellt. Die Anlagen sollen das Stromnetz für den steigenden Leistungsbedarf ertüchtigen und kommen ohne klimaschädliche fluorierte Isoliergase aus. mehr...

Melsungen: Digitales Energiemanagement für kommunale Gebäude

[02.11.2026] Die Stadt Melsungen will den Energieverbrauch ihrer kommunalen Gebäude künftig digital erfassen und auswerten. Das Land Hessen fördert das Projekt mit rund 485.000 Euro. Nach einer Pilotphase im Waldschwimmbad soll das System auf weitere Liegenschaften ausgeweitet werden. mehr...

BMI: Sabotageschutz für Energieanlagen ausgeweitet

[02.11.2026] Die Bundesregierung will den Schutz Kritischer Infrastrukturen vor Sabotage verstärken. Künftig sollen auch Beschäftigte in bestimmten Energieanlagen, virtuellen Kraftwerken und Flüssigerdgas-Terminals einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden. mehr...

Fraunhofer IEG: Hochtemperatur-Wärmepumpe erzeugt Prozessdampf

[30.10.2026] Im Papierwerk von Felix Schoeller in Weißenborn wird eine Hochtemperatur-Wärmepumpe erprobt, die industrielle Abwärme zur Dampferzeugung nutzt. Erste Betriebsergebnisse zeigen, wie sich dadurch der Erdgasverbrauch und die CO₂-Emissionen senken lassen. mehr...

Smart-Meter-Initiative: Interesse an dynamischen Stromtarifen wächst

[30.10.2026] Dynamische Stromtarife werden bekannter, doch bislang nutzen sie nur drei Prozent der Deutschen. Weitere 15 Prozent würden gerne einen solchen Tarif abschließen, wie eine YouGov-Umfrage zeigt. Der geringe Smart Meter Roll-out bremst jedoch die Verbreitung. mehr...

Stadtwerke Kiel: Drohnen messen Methanemissionen

[30.10.2026] Die Stadtwerke Kiel untersuchen ihre Gasanlagen künftig mit Spezialdrohnen auf Methanemissionen. Die Messungen dienen der Umsetzung der EU-Methanemissionsverordnung und sollen mögliche Gasaustritte erkennen und quantifizieren. mehr...

bericht

KRITIS: Von der Risikoanalyse zur Resilienz

[29.10.2026] Cyber-Angriffe, Naturgefahren und technische Ausfälle erhöhen die Risiken für Energieversorger. Ein ganzheitlicher Ansatz hilft, Risiken finanziell zu bewerten, Maßnahmen zu priorisieren und die Versorgung schneller wiederherzustellen. mehr...

EEG-Finanzierung: Förderbedarf für 2027 liegt bei 17,5 Milliarden Euro

[29.10.2026] Der Finanzierungsbedarf für die Förderung Erneuerbarer Energien wird 2027 voraussichtlich 17,5 Milliarden Euro betragen. Ausschlaggebend für die Belastung des Bundeshaushalts ist vor allem die Differenz zwischen den garantierten Vergütungen für Ökostrom und den Erlösen am Strommarkt. mehr...

Frankenthal: Kommunale Gebäude für Fernwärme vorgesehen

[29.10.2026] Die Stadt Frankenthal will künftig kommunale Gebäude an das geplante Fernwärmenetz anschließen. Eine entsprechende Absichtserklärung mit den Stadtwerken soll die weitere Planung unterstützen. Die Investitionsentscheidung für das Gesamtprojekt steht noch aus. mehr...

Stadtwerke Schweinfurt: Niedrigere Temperaturen senken Wärmeverluste

[29.10.2026] Im Forschungsprojekt DekaHEAT untersuchen die Stadtwerke Schweinfurt und die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt, wie bestehende Fernwärmenetze klimafreundlicher werden können. Erste Berechnungen zeigen, dass niedrigere Netztemperaturen die Wärmeverluste deutlich verringern können. mehr...

Geothermiekongress 2026: Ausbau in der Fläche voranbringen

[29.10.2026] Wie sich Geothermieprojekte schneller und in größerem Umfang umsetzen lassen, war eine zentrale Frage beim Geothermiekongress 2026 in Potsdam. Diskutiert wurde auch, welchen Beitrag die Erdwärme zu einer sicheren und bezahlbaren Wärmeversorgung leisten kann. mehr...

Advertorial: Netzdigitalisierung für kleinere Netzbetreiber – Wie der Einstieg mit begrenzten Ressourcen gelingt

[28.10.2026] Steigende Anschlussanfragen, lückenhafte Netzdaten und wachsende Anforderungen fordern kleinere Netzbetreiber. Wie sich die Digitalisierung mit begrenzten Ressourcen angehen lässt, zeigt die envelio Roadshow im November 2026. Im Mittelpunkt stehen Praxisberichte, der Austausch mit anderen Netzbetreibern und konkrete Schritte für den eigenen Betrieb. mehr...

interview

Interview: Wirtschaftlichkeit im Blick halten

[28.10.2026] Batteriespeicher erleben einen Boom. Doch eine funktionierende Anlage ist noch kein wirtschaftlich erfolgreiches Projekt. Arne Weinig, Geschäftsfüher von Tauber-Solar, erläutert, warum die Betriebsführung bei Großspeichern entscheidend für die Rendite ist. mehr...