Praxisforum Geothermie BayernGroßes Interesse an Tiefengeothermie

Ein Höhepunkt des Praxisforums war laut Veranstalter die Verleihung der Geothermischen Energiepreise.
(Bildquelle: enerchange)
Die Wärmeproduktion aus Tiefengeothermie hat in Bayern im Jahr 2024 einen neuen Höchstwert erreicht. Nach Angaben des Praxisforums Geothermie Bayern lieferten die 24 bayerischen Geothermieanlagen insgesamt rund 3,4 Terawattstunden Wärme. Das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 300.000 Haushalten und bedeutet einen Zuwachs von mehr als 20 Prozent gegenüber 2023.
Das Praxisforum Geothermie Bayern, das vergangene Woche (22. bis 24. Oktober) in Pullach im Isartal stattgefunden hat, gilt als wichtigstes Branchentreffen Süddeutschlands. Ein Höhepunkt war laut Veranstalter die Verleihung der Geothermischen Energiepreise. Den Titel „Goldenes Heizwerk 2024“ erhielt der Zweckverband Geothermie Erding, „Goldenes Kraftwerk 2024“ ging an die Stadtwerke München für ihre Anlage im oberbayerischen Sauerlach. Überreicht wurden die Auszeichnungen von Veranstalter Jochen Schneider gemeinsam mit den energiepolitischen Sprechern von Freien Wählern und Bündnis 90/Die Grünen, Josef Lausch und Martin Stümpfig.
Ausgezeichnete Projekte
Die Erdinger Anlage überzeugte durch eine außergewöhnlich hohe Leistungszahl (Coefficient of Performance). Mit einem COP-Wert von 40,5 erzeugt sie aus einer Kilowattstunde Strom über 40 Kilowattstunden Wärme. „Das macht diese Anlage zu einem Paradebeispiel für das herausragende Leistungsvermögen der Tiefengeothermie“, sagte Laudator Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer der Geothermie Unterhaching. Zum Vergleich: Selbst moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen nur Werte zwischen 5 und 6.
Auch die von den Stadtwerken München betriebene Anlage in Sauerlach wurde hervorgehoben. Dort wird das geförderte Wasser mit einer Temperatur von 140 Grad Celsius genutzt und mit 40 Grad wieder in die Tiefe zurückgeführt – ein Spitzenwert unter allen bayerischen Anlagen. Die Energie aus einer Temperaturdifferenz von 100 Grad dient sowohl der Wärme- als auch der Stromerzeugung.
Vergabe von Ehrenpreis
Erstmals vergab das Praxisforum Geothermie Bayern in diesem Jahr einen Ehrenpreis. Der langjährige Leiter des Bergamts Südbayern, Peter Freiherr von Pastor, wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Laudator Hubertus Prinz zu Hohenlohe-Langenburg würdigte ihn als beharrlichen Förderer der Tiefengeothermie auf Behördenseite. Nirgendwo sonst in Deutschland seien die Genehmigungsverfahren für Geothermieprojekte so effizient wie beim Bergamt Südbayern.
Für seine wissenschaftliche Arbeit zu Hochtemperatur-Wärmepumpen erhielt Jaromir Jeßberger von der Universität Bayreuth den Christian-Hecht-Preis. Laut Laudator Christian Pletl von den Stadtwerken München zeigt die prämierte Studie, wie sich geothermische Energiesysteme auch außerhalb traditioneller Hotspots effizient integrieren lassen. Das Preisgeld von 1.500 Euro stifteten die Stadtwerke München.
Wachsendes Interesse an Tiefengeothermie
Das Praxisforum verzeichnete in diesem Jahr eine Rekordteilnehmerzahl – Ausdruck des wachsenden Interesses an der Tiefengeothermie, nicht zuletzt durch das im August verabschiedete Geothermie-Beschleunigungsgesetz. Zum Auftakt stand der Branchennachwuchs im Mittelpunkt: Studierende und Auszubildende konnten sich über Berufsbilder informieren und Kontakte zu Unternehmen knüpfen.
Zum Abschluss der Veranstaltung führt die „GeoTHOUR“ zu zwei Leuchtturmprojekten: zur neuen Geothermieanlage der MTU Aero Engines im Münchner Norden – dem ersten Tiefengeothermieprojekt eines DAX-40-Unternehmens – sowie zum Bohrplatz Laufzorn II der Erdwärme Grünwald. Die Gemeinde Grünwald will damit als erste Kommune Deutschlands ihren gesamten Wärmebedarf CO2-frei aus Erdwärme decken.
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