Freitag, 9. Oktober 2026

Wilken Utility SummitZusammenarbeit als Erfolgsfaktor

[09.10.2026] Die Energiewirtschaft steht unter hohem Veränderungsdruck. Auf dem Wilken Utility Summit in Ulm erläuterte Dominik Schwärzel, CEO der Wilken Software Group, warum Stadtwerke und IT-Dienstleister ihre Zusammenarbeit grundlegend verändern müssen. Entscheidend seien klare Zuständigkeiten, gemeinsame Standards und der Mut, Aufgaben an spezialisierte Partner abzugeben.

Impulsvortrag von Dominik Schwärzel: Kooperationen sind kein strategisches Zukunftsthema.

(Bildquelle: K21 media GmbH)

„Alleine gewinnen ist schwer“ – unter diesem Titel stellte Dominik Schwärzel beim Wilken Utility Summit am 8. Oktober 2026 in Ulm seine Vorstellungen für die künftige Zusammenarbeit in der Energiewirtschaft vor. Der CEO der Wilken Software Group machte deutlich, dass die wachsende Komplexität der Branche neue Formen der Kooperation erfordert. Regulatorische Anforderungen, Fachkräftemangel, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) erhöhten nicht nur den Handlungsdruck, sondern verlangten auch deutlich schnellere Entscheidungen.

Schwärzel nutzte eine Fußballanalogie, um die Voraussetzungen erfolgreicher Zusammenarbeit zu erläutern. Mit dem Modell „RRDZ“ beschrieb er vier wesentliche Faktoren, die auch im Fußball diskutiert werden: Rollen, Räume, Disziplin und Zusammenarbeit. Wie auf dem Spielfeld müsse auch in Unternehmen jeder Beteiligte seine Aufgabe kennen. Klare Prozesse, verbindliche Regeln und ein gemeinsames Ziel seien notwendig, damit Organisationen leistungsfähig bleiben. Gerade bei Transformationsprojekten fehle es häufig an eindeutigen Zuständigkeiten und abgestimmten Abläufen.

Schneller entscheiden, stärker fokussieren

Angesichts der technologischen Entwicklung hält Schwärzel langwierige Strategieprozesse für problematisch. Unternehmen müssten wesentlich schneller zu einem Zielbild gelangen und dieses anschließend kontinuierlich weiterentwickeln. Statt zahlreiche Projekte gleichzeitig anzustoßen, sollten sie wenige Vorhaben priorisieren und deren Ergebnisse regelmäßig überprüfen.

Dabei gehe es vor allem darum, die eigenen Stärken und Schwächen realistisch einzuschätzen. Nicht jede Aufgabe müsse im eigenen Unternehmen erledigt werden. Gerade Stadtwerke sollten sich fragen, welche Kompetenzen für ihr Geschäftsmodell unverzichtbar sind und welche Leistungen spezialisierte Partner besser erbringen können.

Wie konsequent eine solche Fokussierung ausfallen kann, verdeutlichte Schwärzel am Beispiel der Wilken Software Group. Das Unternehmen habe sich in den vergangenen Jahren von mehreren Geschäftsfeldern getrennt und die Zahl seiner Produktlinien von 18 auf fünf reduziert. Gleichzeitig sei eine Strategie zum Ausbau von Kooperationen entwickelt worden.

Kooperation ist vor allem eine kulturelle Aufgabe

Der Aufbau erfolgreicher Partnerschaften sei allerdings wesentlich anspruchsvoller als die technische Verbindung verschiedener Systeme. Nach Schwärzels Einschätzung hängt der Erfolg von Kooperationen zu einem großen Teil davon ab, ob die beteiligten Menschen und Unternehmenskulturen zusammenpassen.

Dazu gehöre insbesondere die Bereitschaft, eigene Schwächen offenzulegen und von Partnern zu lernen. Unternehmen müssten ihre Strategien transparent machen und akzeptieren, dass andere bestimmte Aufgaben besser beherrschen. Voraussetzung seien kompatible Zukunftsvorstellungen, gemeinsame Qualitätsstandards und ein vergleichbares Verständnis von Kundenorientierung.

Schwärzel betonte zugleich, dass Kooperationen einen messbaren wirtschaftlichen Nutzen bringen müssten. Deshalb sollten Unternehmen bereits vor dem Start gemeinsame Ziele und Kennzahlen definieren. Zeige sich nach kurzer Zeit, dass ein Vorhaben die Erwartungen nicht erfüllt, müsse auch eine Beendigung möglich sein.

Lösungsplattform statt einzelner Schnittstellen

Einen Schwerpunkt seines Vortrags bildete die Frage, welche Rolle IT-Plattformen künftig übernehmen sollen. Schwärzel unterschied dabei zwischen Technologieplattformen, die einzelne technische Komponenten bereitstellen, und Lösungsplattformen, die vollständige Geschäftsprozesse abbilden. Bei klassischen Technologieplattformen liege die Verantwortung für die Integration verschiedener Anwendungen häufig weiterhin beim Kunden. Unterschiedliche Systeme müssten über individuelle Schnittstellen verbunden werden. Dadurch entstünden komplexe IT-Landschaften, bei denen Verantwortlichkeiten für Betrieb, Wartung und Fehlerbehebung nicht immer eindeutig geregelt seien.

Mit der Lösungsplattform GY Utility verfolgt Wilken laut Schwärzel einen anderen Ansatz. Partneranwendungen sollen bereits im Vorfeld integriert werden, sodass Energieversorger durchgängige Prozesse nutzen können. Die Integration werde dabei als eigenständiges Produkt verstanden, für das klare Zuständigkeiten bestehen. Der Plattformanbieter müsse nach Schwärzels Vorstellung die Gesamtverantwortung für das Zusammenspiel der Anwendungen übernehmen. Dazu gehörten neben der technischen Integration auch der Betrieb, die Datensicherheit, die Einhaltung gemeinsamer Standards und die Weiterentwicklung der Lösungen.

Für Stadtwerke könne dies eine erhebliche Entlastung bedeuten. Sie müssten sich nicht mehr im Detail mit sämtlichen technischen Komponenten beschäftigen, sondern könnten sich stärker auf ihre eigentlichen Aufgaben und die Bedürfnisse ihrer Kunden konzentrieren.

KI braucht klare Regeln

Auch beim Einsatz Künstlicher Intelligenz plädierte Schwärzel für eine stärkere Zusammenarbeit. Zwar sei es sinnvoll, neue Technologien in eigenen Projekten zu erproben und Erfahrungen zu sammeln. Problematisch werde es jedoch, wenn Stadtwerke zunehmend selbst Softwareprodukte und KI-Anwendungen entwickelten, ohne die damit verbundenen Anforderungen an Sicherheit, Datenqualität und Betrieb ausreichend zu berücksichtigen.

Als Beispiel nannte er KI-Agenten, die eigenständig auf produktive Datenbanken zugreifen und dort Veränderungen vornehmen. Solche Anwendungen könnten erhebliche Risiken verursachen, wenn klare Regeln für Datenzugriffe und Verantwortlichkeiten fehlten. Schwärzel appellierte deshalb an die Energieversorger, ihre Anforderungen stärker mit Softwareherstellern und anderen Partnern abzustimmen, statt parallele Insellösungen aufzubauen. Gemeinsame Standards könnten die Entwicklung beschleunigen und zugleich die Sicherheit erhöhen.

Transformation beginnt bei den Menschen

Technologie allein werde den Wandel jedoch nicht bewältigen. Schwärzel hob hervor, dass Unternehmen ihre Beschäftigten frühzeitig in Veränderungen einbeziehen und neue Kompetenzen aufbauen müssten. Gleichzeitig seien auch die Mitarbeitenden gefordert, sich auf veränderte Aufgaben und Arbeitsweisen einzulassen. Entscheidend sei, bestehende Wissensmonopole abzubauen, Erfahrungen innerhalb der Organisation zugänglich zu machen und die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg zu verbessern. Transformation bedeute dabei nicht nur, neue Systeme einzuführen, sondern auch, gewohnte Zuständigkeiten und Arbeitsweisen infrage zu stellen.

Zum Abschluss forderte Schwärzel die Teilnehmer auf, Kooperationen nicht länger nur als strategisches Zukunftsthema zu betrachten. Stadtwerke müssten jetzt entscheiden, welche Aufgaben sie selbst übernehmen wollen, wo gemeinsame Lösungen sinnvoll sind und welche Kompetenzen sie künftig benötigen. Voraussetzung dafür seien Offenheit, Vertrauen und die Bereitschaft, bestehende Strukturen zu verändern.

Alexander Schaeff




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