Smart MeteringGWA-Wechsel unter Zeitdruck erfolgreich gemeistert

Testaufbau bei Alliander Heinsberg, um über 120 Smart Meter Gateways gleichzeitig unter Spannung zu setzen.
(Bildquelle: Alliander Netz Heinsberg GmbH)
Ein Wechsel der Gateway-Administration (GWA) ist selbst unter normalen Bedingungen eine anspruchsvolle Aufgabe. Kommen jedoch mehrere Wechsel innerhalb kurzer Zeit, ein laufender Roll-out von intelligenten Messsystemen (iMSys) sowie zusätzliche technische und organisatorische Anforderungen zusammen, entsteht eine besondere Herausforderung.
Laufender Roll-out
Genau dieser Herausforderung sahen sich Alliander Netz Heinsberg, Netzbetreiber an der deutsch-niederländischen Grenze, und Kisters im Jahr 2025 gegenüber. Der IT-Anbieter für die Energiewirtschaft sollte seinen langjährigen Kunden Alliander dabei unterstützen, die notwendige GWA-Migration sicher zu planen und technisch umzusetzen. Gleichzeitig sollte der laufende Roll-out weitergeführt und die Integration der RLM-Messungen (registrierende Leistungsmessung) in die Kisters-Systemlandschaft realisiert werden. Alliander betreibt über Kisters eine Redispatch-Plattform, ein Leitsystem, ein Energiedatenmanagement und eine umfangreiche Metering-Suite. Aufgrund einiger ungünstiger Verkettungen war Alliander gezwungen, innerhalb kurzer Zeit gleich drei GWA-Wechsel auf ihren Smart Meter Gateways durchzuführen.
Um den zeitkritischen und komplexen GWA-Wechsel durchführen zu können, errichtete Alliander kurzfristig eine Testumgebung, in der über 120 Smart Meter Gateways gleichzeitig unter Spannung gesetzt werden konnten und somit IT-technisch erreichbar waren. Neben dem Aufbau der Geräte an der Testtafel waren weitere technische Anpassungen erforderlich: der Austausch von SIM-Karten, die Einrichtung des Vodafone-APN (Access Point Name) für Alliander und der Aufbau notwendiger, sicherer VPN-Verbindungen, um die Kommunikation mit den Gateways abzusichern. Das Ergebnis: Von insgesamt 200 Gateways konnten 196 innerhalb der engen zeitlichen Rahmenbedingungen erfolgreich migriert werden; die restlichen vier Geräte waren nicht mehr funktionsfähig – unter den gegebenen Umständen ein voller Erfolg.
Neue Plattform
Unabhängig von den Aktivitäten bei Alliander hat Kisters eine strategische Entscheidung in puncto Gateway-Administration getroffen. Die bisher gemeinsam mit einem anderen Partner betriebene GWA-Lösung wurde durch die markterprobte Plattform des GWA-Spezialisten Tremondi ersetzt. Damit können insbesondere die Anforderungen an Automatisierung, Verarbeitung von Massendaten, Hochverfügbarkeit und Ressourcenbedarf besser erfüllt werden.
Während die bisherige GWA in der KISTERScloud betrieben wurde, läuft die neue GWA im Rechenzentrum des Partners. Für bestehende Kunden wie Alliander bedeutete dies, dass ihre Smart Meter Gateways in die neue Umgebung überführt werden mussten, damit sie weiterhin administriert werden können und die Messdaten weiterhin zuverlässig bereitgestellt werden.
Anfang 2025 sah sich Alliander also gezwungen, einen weiteren Wechsel durchzuführen – und das in einer Phase, in der gleichzeitig die gesetzlichen Roll-out-Vorgaben erfüllt werden mussten. Jan Erdweg, der bei Alliander das Projekt „iMSYs Roll-out“ leitet, sagt rückblickend: „Natürlich hätten wir den zweiten GWA-Wechsel gerne vermieden. Die Gründe für den Wechsel auf die Tremondi-Plattform waren jedoch nachvollziehbar. Aufgrund guter Erfahrungen mit Kisters in der Vergangenheit waren wir uns sicher, dass wir das gemeinsam stemmen können.“
Gemeinsame Lösung
Da die Kisters-Umgebung innerhalb der Tremondi-Plattform zu diesem Zeitpunkt noch im Aufbau war, entwickelten die drei Unternehmen gemeinsam eine pragmatische Übergangslösung: die sogenannte Fast Lane. Diese ermöglichte den Start der Migration, während die langfristige Zielumgebung parallel aufgebaut wurde. So konnten die Gateways frühzeitig in den Verantwortungsbereich der neuen GWA überführt werden und der laufende Roll-out konnte ohne längere Unterbrechungen fortgeführt werden. Innerhalb von rund sechs Monaten wurde der zweite GWA-Wechsel geplant, vorbereitet und umgesetzt. Entscheidend hierfür waren die enge Abstimmung aller Beteiligten sowie die Fähigkeit, kurzfristig pragmatische Lösungen zu entwickeln.
Als letzter Schritt folgte die Migration in die produktive Kisters-Umgebung innerhalb der Tremondi-Plattform. Dadurch kann Alliander weiterhin auf die etablierte Betreuung durch Kisters als Gateway-Administrator und BPO-Partner (Business Process Outsourcing) setzen. So wurde innerhalb kurzer Zeit bereits der dritte GWA-Wechsel umgesetzt und gleichzeitig die Grundlage für den langfristigen Betrieb innerhalb der Kisters-Systemlandschaft geschaffen. Der Roll-out wurde bewusst gesteuert, bis die notwendigen Voraussetzungen in der Fast Lane geschaffen waren, um die weiteren Schritte strukturiert und mit möglichst geringem Risiko umzusetzen.
Zusätzlich zum laufenden GWA-Wechsel wurde beschlossen, auch die Zählerfernauslesung (ZFA) der RLM-Messstellen in die Kisters-Umgebung zu überführen. Dadurch lassen sich nicht nur Lizenzkosten für ein zweites ZFA-System sparen, sondern es wird auch die Arbeit der Mitarbeitenden erleichtert, da diese nur ein einziges System administrieren müssen. Es ging um 250 RLM-Messstellen, davon 50 Gas, die nach einigen technischen Erweiterungen erfolgreich in die KISTERScloud integriert wurden, sodass Alliander nun alle Messstellen in einem einzigen System verwalten kann.
Nächste Schritte
Für den Erfolg des Projekts war neben den technischen Anforderungen insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Alliander, Kisters und Tremondi entscheidend. Trotz des hohen Zeitdrucks wurden Vereinbarungen eingehalten, Herausforderungen offen angesprochen und gemeinsam praktikable Lösungen entwickelt. Rainer Bischoff, Bereichsleiter Netzwirtschaft bei Alliander, fasst zusammen: „Dank Kisters konnten wir unsere IT-Schnittstellen drastisch reduzieren und unsere gesetzlichen Aufgaben erfüllen. Der interne Systemwechsel auf Tremondi war für uns ein absoluter Härtetest, der uns massiv unter Druck gesetzt hat. Dass wir dieses Projekt trotzdem erfolgreich gestemmt haben, beweist, dass wir den richtigen Partner gewählt haben.“
Positives Fazit
Die nächsten Entwicklungsschritte stehen mit den Aufgaben rund um die Umsetzung von § 14a EnWG zur netzdienlichen Steuerung von Flexibilitäten im Niederspannungsnetz bereits bevor. Dazu gehören unter anderem die produktive Anbindung der Smart Control Platform (für CCM – CLS Channel Management), die Integration des FlexManagers als zentrale Komponente zur Koordination von netz- und marktdienlichen Steuerprozessen in den Haushalten sowie die Interoperabilität zwischen CCM und GWA. Darüber hinaus soll die Metering-Plattform weiterentwickelt werden.
Martin Büttgen, Geschäftsführer bei Alliander, zieht ein positives Fazit: „Mit Kisters haben wir einen starken Partner an unserer Seite, ohne den ein Projekt dieser Größenordnung nicht möglich gewesen wäre. Wir freuen uns auf die kommenden Aufgaben und die gemeinsame Weiterentwicklung unserer Systemlandschaft.“
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