Montag, 14. September 2026

Energie-KommuneMühlen Eichsen setzt auf natürliche Wärme

[14.09.2026] Die Gemeinde Mühlen Eichsen baut ihre Energieversorgung schrittweise um. Die Einnahmen aus der Windkraft sollen kommunale Vorhaben ermöglichen. Zudem plant der Ort ein Wärmenetz, das die Energie einer Biogasanlage nutzen soll.

Mühlen Eichsen will seine Wärme- und Stromversorgung in hohem Maße klimaneutral gestalten.

(Bildquelle: Andreas Zerbe)

Trotz knapper Mittel setzt Mühlen Eichsen in Mecklenburg-Vorpommern auf erneuerbare Energien. Die Gemeinde hat knapp 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner und liegt zwischen Schwerin und Grevesmühlen. Sie nutzt bereits Erdwärme und Sonnenenergie. Dafür wurde sie von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) als Energie-Kommune des Monats September 2026 ausgezeichnet.

An Windrad beteiligt

Im Windpark bei Goddin stehen vier Windräder auf dem Gebiet der Gemeinde. Für eine dieser Anlagen haben die Gemeinde und der Projektentwickler eine finanzielle Beteiligung vereinbart. Grundlage hierfür ist Paragraf 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

 Das Windrad hat eine Leistung von 5,6 Megawatt. Es kann rechnerisch rund 6.700 Haushalte mit jeweils drei Personen mit Strom versorgen.

„Wir rechnen mit jährlichen Mehreinnahmen von bis zu 26.800 Euro allein durch dieses Windrad. Über die vertraglich vereinbarten 20 Jahre ergibt das mehr als eine halbe Million Euro“, erklärt Bürgermeister Andreas Zerbe.

Das Geld soll Vorhaben finanzieren, von denen alle Einwohnerinnen und Einwohner profitieren. Zerbe nennt als Beispiel die geplante Sanierung der Regionalen Schule mit Grundschule. Die zusätzlichen Einnahmen ermöglichen Investitionen, die der laufende Haushalt kaum tragen kann.

Nutzen und Konflikte

Laut Zerbe stößt die Windkraft nicht überall auf Zustimmung. Betroffene würden bei der Planung und Kommunikation teilweise nicht ausreichend einbezogen. Einige Anlagen stünden zeitweise still. Der Ausbau der Stromnetze hält mit dem Bau der Windräder nicht Schritt. Zudem könne die Windkraft neue Wohnbebauung verhindern.

Die Gemeinde will deshalb bei weiteren Projekten die Folgen für die Anwohnerinnen und Anwohner stärker berücksichtigen. Sie strebt angemessene finanzielle Beteiligungen und Ausgleichsleistungen an.

Auch beim Neubau des kommunalen Horts setzt Mühlen Eichsen auf erneuerbare Energien. Das Gebäude wurde 2025 eröffnet. Es wird mit Erdwärme beheizt. Eine Photovoltaikanlage soll einen großen Teil des benötigten Stroms erzeugen. Photovoltaik bezeichnet die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom.

Bei dem Bau mussten nach Angaben der Gemeinde zahlreiche fachliche und rechtliche Vorgaben beachtet werden. Dazu gehörten die Anforderungen des Denkmalschutzes. Auch die Finanzierung war anspruchsvoll.

„Beim Hort hatten wir die Möglichkeit, eine nachhaltige Lösung zu verwirklichen“, erklärt Zerbe. Zugleich habe sich gezeigt, wie schwierig es für kleine Kommunen ist, neue technische Lösungen umzusetzen und verschiedene Vorgaben miteinander zu vereinbaren.

Wärmenetz geplant

Als nächstes größeres Vorhaben plant Mühlen Eichsen den Bau eines kleinen gemeinsamen Wärmenetzes. Es soll Teile der Wohnbebauung im Ortskern sowie die Schule und die Sporthalle versorgen. Die Planungen dafür seien bereits weit fortgeschritten, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Gemeinde arbeitet dabei mit der WEMAG Wärme GmbH und dem Agra Hof aus Webelsfelde zusammen. Ab 2028 soll Wärme aus einer nahegelegenen Biogasanlage in das örtliche Netz fließen. So kann Energie aus der Region direkt vor Ort genutzt werden. Zerbe bezeichnet die Zusammenarbeit als „Win-win-Situation“.

Weitere Pläne sehen Infrarotheizungen für das Feuerwehrgebäude und die Trauerhalle vor. Auch Solarleuchten für Straßen sind im Gespräch. Zudem prüft die Gemeinde, ob sich im Umfeld der Windräder Betriebe mit hohem Energiebedarf ansiedeln könnten. Dadurch könnte die vor Ort erzeugte Energie stärker zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beitragen.

Einige Vorhaben kämen jedoch nur langsam voran. Energieversorger und Netzbetreiber reagierten zum Teil verzögert. Auch die begrenzten finanziellen Mittel bremsten die Gemeinde.

Mühlen Eichsen fordert deshalb, bei neuen Energieprojekten frühzeitig beteiligt zu werden. Die Gemeinde müsse die Planung tatsächlich beeinflussen können. Eine rein formale Beteiligung reiche nicht aus, sagt Zerbe. Auch Stromnetze und andere notwendige Infrastrukturen müssten von Beginn an eingeplant werden.



Stichwörter: Allgemein,


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Allgemein
bericht

NIS2: Ausfallsichere Notfallkommunikation

[14.08.2026] Störungen in Pumpstationen oder Kläranlagen können schnell umweltkritisch werden. Eine zuverlässige Alarmierung ist in solchen Fällen essenziell und muss auch dann gewährleistet sein, wenn der Mobilfunk ausfällt. Husum Abwasser alarmiert den Bereitschaftsdienst über unabhängige Netze und ist damit NIS2-konform. mehr...

Rheinland-Pfalz: Weltweit erstes Schwarmkraftwerk genehmigt

[12.03.2026] Rheinland-Pfalz genehmigt bei Sankt Goar das weltweit erste Schwarmkraftwerk aus schwimmenden Energyfish-Strömungsturbinen. Die Anlage nutzt die Fließgeschwindigkeit des Rheins für kontinuierliche Stromerzeugung und soll zeigen, ob sich die neue Technik wirtschaftlich und umweltverträglich im großen Maßstab einsetzen lässt. mehr...

Stadtwerke Spremberg/LEAG: Vertrag über Fernwärmelieferung erneuert

[27.02.2026] Die Stadtwerke Spremberg und die LEAG sichern die Fernwärmelieferung aus dem Kraftwerk Schwarze Pumpe vertraglich bis Ende 2037. Der neue Vertrag regelt die flexible Erzeugung aus Braunkohle und Hilfskesseln und schreibt zugleich den schrittweisen Umstieg auf CO2-arme und CO2-freie Technologien fest. mehr...

In eigener Sache: stadt+werk startet Newsletter

[03.11.2025] In unserem neuen Newsletter news@stadt-und-werk.de stellen wir unseren Leserinnen und Lesern ab sofort eine Auswahl der wichtigsten News und Beiträge unserer Plattform zur Verfügung. Trends und aktuelle Entwicklungen sollen so sichtbar werden. mehr...

Barcamp Renewables 2025: Alle Hände für die Energiewende

[05.09.2025] Am 13. und 14. November 2025 lädt das Barcamp Renewables erneut nach Kassel ein. Seit 2012 hat sich das Format zu einem festen Treffpunkt für Fachleute der Energiewirtschaft, Wissenschaft, Politik und Start-up-Szene entwickelt. mehr...