InterviewAus der Praxis für die Praxis

Marcus Brian, geschäftsführender Gesellschafter der Agentur für Erneuerbare Energien (Enerchange).
(Bildquelle: Enerchange)
Herr Brian, bereits zum vierten Mal findet der Kongress Energieautonome Kommunen in Freiburg statt. Mit welchem Konzept sind Sie gestartet?
Ende des vergangenen Jahrzehnts kam in vielen Gemeinden die Idee auf, die Energieerzeugung und -verteilung wieder verstärkt in die eigene Hand zu nehmen und damit ein Stück Autonomie und Gestaltungsfreiheit zurück zu gewinnen. Auslöser hierfür war sicher unter anderem, dass eine ganze Reihe von Konzessionsverträgen mit den großen Energieversorgern ausliefen und viele Gemeinden sich überlegt haben, eigene Stadtwerke zu gründen oder zumindest an Unternehmen zu vergeben, die mehr als nur Leitungen legen und Strom liefern. Mit unserem Kongress wollen wir diesen Gemeinden eine Plattform bieten, sich innerhalb weniger Tage einen Überblick zu verschaffen, welche Themen im Bereich der kommunalen Energiewende aktuell wichtig sind, welche Wege andere Gemeinden bei ihrer Umsetzung gehen und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Immer mit Bezug zu aktuellen Fragestellungen in den Gemeinden und immer mit klarem praktischem Bezug, also: aus der Praxis für die Praxis.
Wie hat sich die Veranstaltung entwickelt?
Wir haben bereits für den ersten Kongress über 200 Teilnehmer gewinnen können und haben uns jetzt auf etwa 250 Teilnehmer eingependelt. Um den Praxisbezug weiter zu stärken, haben wir dem eigentlichen Kongresstag noch einen Workshop-Tag vorangestellt, wo in kleineren Gruppen Themen vertiefter behandelt werden können als im Rahmen einer reinen Vortragsveranstaltung. Dieses Konzept und die Entwicklung der Veranstaltung überzeugt offenbar auch viele Verbände und Netzwerke, die sich inzwischen als Kooperationspartner dem Kongress angeschlossen haben.
Was unterscheidet den Kongress von den vielen anderen Veranstaltungen zur Energiewende?
Mit den verschiendenen Formaten, also Workshops, Intensivseminaren, Diskussionsforen und Exkursionen und den verschienden Themen, die an den drei Tagen bespielt werden, sind wir sehr breit aufgestellt, sodass sich ganz viele kommunale Vertreter mit ihren Themen bei uns wiederfinden und sich eben in verschiedener Art und Weise damit beschäftigen können. Dazu gehört natürlich auch, dass man sich sein Programm ganz individuell zusammenstellen und nur das buchen kann, was einen wirklich interessiert. Ein anderer wichtiger Unterschied ist sicherlich das Ambiente des Kongresses. Das Konzerthaus Freiburg bietet mit seinem großzügigen und hellen Foyer eine sehr angenehme Atmosphäre, die zum Austausch mit anderen Teilnehmern oder Ausstellern einlädt und zudem ausreichend Möglichkeiten bietet, sich mal mit Gesprächspartnern etwas zurückzuziehen.
„Die Energiewende kann heuzutage nicht mehr von oben übergestülpt werden.“
Während die Politik diskutiert, findet die Energiewende in den Kommunen und Regionen längst statt. Welche Beispiele für die Energiewende von unten werden auf dem Kongress vorgestellt?
Unter anderem werden Beispiele aus den Orten Endingen, Großbardorf und Efringen-Kirchen vorgestellt und diskutiert. In Großbardorf beispielsweise ist eine sehr rege Bürgerenergiegenossenschaft aktiv. Sie finanziert und betreibt Gemeinschaftsanlagen, Photovoltaikanlagen auf öffentlichen und privaten Dächern und ein Nahwärmenetz, an das rund 150 Haushalte angeschlossen sind. 2012 ist Großbardorf vom Bundeslandwirtschaftsministerium als eines von drei vorbildlichsten Bioenergiedörfern Deutschlands ausgezeichnet worden. Aus Endingen wird Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz berichten, wie man als Kommunalverwaltung Impulse aus der Bürgerschaft zur kommunalen Energiewende aufnehmen, verstärken und damit zum Erfolg führen kann.
Welche weiteren Programm-Highlights würden Sie hervorheben?
Wir haben dieses Mal auch verstärkt internationale Gäste im Programm, die auf Einladung des Städte-Netzwerks ICLEI als Redner zu unserem Kongress kommen. So haben zum Beispiel Pierre Schmitt aus Luxemburg sowie Dagmar Gormsen aus Lund in Schweden ihr Kommen zugesagt. Dagmar Gomsen wird zur Bürgerbeteiligung in Energieaktionsplänen schwedischer Kommunen sprechen und damit den Teilnehmern einen interessanten Blick über den deutschen Tellerrand hinaus bieten. Aus politischer Sicht und vor dem Hintergrund der aktuellen EEG-Novelle sicherlich spannend wird die Begrüßungsrede des baden-württembergischen Umweltministers Franz Untersteller. Nicht zuletzt bietet der Kongress am dritten und letzten Tag ja auch Exkursionen. Eine führt zum Beispiel nach Fischerbach. Hier baut die örtliche Bürgerenergiegenossenschaft ein in dieser Form einzigartiges bidirektionales Kalt-Wärme-Netz. Ein Projekt, das man sicher nicht alle Tage zu sehen bekommt.
Was müssen Kommunen auf dem Weg in die Energieautonomie aus Ihrer Sicht beachten?
Sie sollten, wo immer möglich, früh die Bürger einbinden. Nicht nur um Akzeptanz für die Maßmnahmen vor Ort zu bekommen, sondern auch, um das Ideenpotenzial und die Bereitschaft zur Mitarbeit zu nutzen. Viele Projekte, gerade im Bereich Nahwärmenetze, wären ohne starkes bürgerschaftliches Engagement oftmals wirtschaftlich gar nicht darstellbar. Die Energiewende kann heutzutage nicht mehr von oben übergestülpt werden. Es ist ein gemeinschaftlicher Prozess nötig, der von einer Mehrheit mitgetragen werden muss – denn mit der Energiewende kommt die Energieerzeugung zurück in die Dörfer, Gemeinden und Städte: sichtbar, hörbar, fühlbar, riechbar. Und natürlich nicht zuletzt wichtig: Ohne intensives Engagement für mehr Energieeinsparung ist die Energiewende nicht zu schaffen, insbesondere im Bereich der Wärmeversorgung.
Dieses Interview ist in der März-Ausgabe von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
Ostdeutsches Energieforum: Versorgungssicherheit im Fokus
[24.09.2026] Wie lassen sich Energiewende, Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbinden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das 15. Ostdeutsche Energieforum in Leipzig. mehr...
VKU-Stadtwerkekongress: Transformationsaufgaben bewältigen
[23.09.2026] Mehr als 750 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben den VKU-Stadtwerkekongress 2026 in Berlin besucht. Im Mittelpunkt standen die Energie- und Wärmewende, der Netzausbau sowie die Finanzierung und Resilienz der Energieversorgung. mehr...
Hamburger Energienetze: Housewarming nahm Speicher und Netze in den Blick
[16.09.2026] Rund 100 Fachleute aus Politik, Energiewirtschaft, Handwerk und Planung haben bei der Fachtagung Housewarming in Hamburg über die Transformation der Energieversorgung diskutiert. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr Netze, Speicher und die stärkere Verknüpfung der verschiedenen Energieträger. mehr...
GeoTHERM 2027: Messe mit drei Gastländern
[15.09.2026] Island, Schottland und Frankreich sind die Gastländer der GeoTHERM 2027. Zum 20. Jubiläum der Fachmesse und des Kongresses sollen die drei Länder ihre Erfahrungen und Projekte zur Nutzung der Geothermie vorstellen. mehr...
Handelsblatt-Tagung: Zum Einsatz von KI in der Energiewirtschaft
[07.09.2026] Die Handelsblatt-Tagung AI in Energy hat den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Energiewirtschaft anhand konkreter Anwendungen beleuchtet. Mehr als 40 Expertinnen und Experten diskutierten, wie Unternehmen KI skalieren, absichern und wirtschaftlich nutzen können. mehr...
EW Forum Netzsicherheit und Netzwiederaufbau: Vorbereitung für den Ernstfall
[02.09.2026] Cyber-Angriffe, Sabotage und neue KRITIS-Anforderungen stellen den Netzwiederaufbau vor neue Herausforderungen. Ein EW-Forum am 19. November 2026 beleuchtet, wie Netzbetreiber, Anlagenbetreiber und weitere Akteure die Stromversorgung nach schweren Störungen wiederherstellen können. mehr...
metering days: Den Smart Meter Roll-out vorantreiben
[31.08.2026] Die metering days 2026 befassen sich mit dem beschleunigten Smart Meter Roll-out und der Digitalisierung der Stromverteilnetze. Im Mittelpunkt stehen auch mögliche neue Vorgaben der Bundesregierung, europäische Pläne und Kooperationen von Stadtwerken. mehr...
VKU-Stadtwerkekongress: Von der Planung in die Umsetzung
[19.08.2026] Der VKU-Stadtwerkekongress 2026 stellt die Umsetzung der Wärmewende und den Schutz Kritischer Infrastrukturen in den Mittelpunkt. Am 16. und 17. September treffen sich in Berlin rund 800 Teilnehmende aus Kommunalwirtschaft, Politik und Gesellschaft, um über konkrete Lösungen und die Stabilität des Energiesystems zu beraten. mehr...
Wilken Utility Summit: Vorbereitung auf das Jahr 2036
[13.08.2026] Der Wilken Utility Summit am 8. Oktober 2026 in Ulm richtet den Blick auf die Zukunft von Energieversorgern im Jahr 2036. Im Mittelpunkt stehen strategische und technologische Fragen von Digitalisierung und KI bis zu Fachkräften, Führung und Unternehmenskultur. mehr...
GISA: Fachveranstaltung zu Smart Energy und Geo-Informationssystemen
[07.08.2026] GISA veranstaltet im September einen Solution Day zu Smart Energy und Geo-Informationssystemen in Halle (Saale). Die Fachveranstaltung zeigt, wie Energie-, Netz- und Geodaten für den Netzbetrieb und die Digitalisierung der Energiewirtschaft zusammengeführt werden können. mehr...
Stuttgart: KEA-BW-Fachtagung zu Wärmenetzen
[06.08.2026] Die KEA-BW lädt am 18. November 2026 zur Fachtagung „Energiewende kompakt“ nach Stuttgart ein. Im Mittelpunkt stehen Wärmenetze und erneuerbare Energien sowie der Erfahrungsaustausch zwischen Kommunen, Stadtwerken und weiteren Fachleuten. mehr...
Advertorial: WindEnergy Hamburg 2026 – Lösungen für die Energieversorgung von morgen
[05.08.2026] Der Ausbau erneuerbarer Energien stellt Stadtwerke, Netzbetreiber und Energieversorger vor neue Herausforderungen. Themen wie Netzausbau, Energiespeicherung, Wasserstoff und Digitalisierung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Vom 22. bis 25. September 2026 bringt die WindEnergy Hamburg die internationale Windenergiebranche zusammen und bietet eine Plattform für den Austausch über Lösungen für eine sichere, nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung. mehr...
WindEnergy Hamburg: Eigener Ausstellungsbereich zu KI
[31.07.2026] Künstliche Intelligenz prägt zunehmend den Betrieb und die Wartung von Windenergieanlagen. Auf der WindEnergy Hamburg 2026 zeigen Unternehmen, wie digitale Werkzeuge Erträge steigern, Ausfälle vermeiden und den Anlagenbetrieb effizienter machen. mehr...
beyondgas: Wasserstoffprojekte im Fokus
[28.07.2026] Der Wasserstoffkongress beyondgas stellt praxisnahe Projekte und konkrete Entscheidungen für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in den Mittelpunkt. Die Veranstaltung findet vom 8. bis 10. September in Oldenburg statt und erweitert ihr Programm unter anderem um Workshops und eine Exkursion zu einem Wasserstoffspeicherprojekt. mehr...
Advertorial: Digitale Souveränität und Resilienz für die kommunale Daseinsvorsorge
[23.07.2026] Wie können Kommunen und kommunale Unternehmen die Resilienz ihrer kritischen Infrastrukturen stärken, ohne an Innovationsfähigkeit einzubüßen? Diese Frage steht im Zentrum des bundesweiten Kongresses CIVI/CON, der im September in Wuppertal stattfindet. mehr...













