InterviewAusdauer ist gefragt

Bernhard Bögelein
(Bildquelle: juwi)
Herr Bögelein, im thüringischen Mohlis baut die juwi-Gruppe derzeit ihr tausendstes Windrad. Was waren die größten Herausforderungen in der Planungsphase?
Bei diesem Projekt war es nicht zuletzt der sieben Kilometer entfernte Bundeswehrstandort in Gleina, der uns gefordert hat. Die dortige Radaranlage hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet. Als Träger öffentlicher Belange hatte die Bundeswehr Vetorecht bei den Planungen.
Wie konnten Sie das Projekt dennoch retten?
Wir konnten in Zusammenarbeit mit dem Flug- und Rüstungskonzern EADS als Gutachter nachweisen, dass die Radaranlage durch unsere vier Anlagen nicht gestört wird. Das war extrem aufwendig. Der Anlagentyp wurde deshalb so gewählt, dass Turm und Gondel besonders schlank sind und wenig Störpotenzial bieten. Vor allem aber wurden die Anlagenstandorte in einem monatelangen Trial-and-Error-Prozess auf den Planungskarten immer wieder verschoben – solange bis Gutachter und Bundeswehr grünes Licht gaben.
„Der Berg an Themen wird immer höher.”
Welche weiteren Aspekte sind heute für eine Genehmigung zu berücksichtigen?
Eine zentrale Rolle bei fast jedem Projekt spielt der Artenschutz. In gut einem Kilometer Entfernung zu den Anlagenstandorten wurden im Laufe der Voruntersuchungen Horste von Rot- und Schwarzmilan gesichtet. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens haben wir deshalb Maßnahmen zum Schutz der Greifvögel entwickelt – darunter ein Mahdkonzept, das dafür sorgt, dass die Anlagen abgeschaltet werden, wenn erhöhte Kollisionsgefahr besteht.
Ist der Aufwand für eine Genehmigung größer geworden?
In den Anfangsjahren der Windenergie war noch ein einfacher Bauantrag ausreichend, heute füllen die Antragsunterlagen Dutzende von Aktenordnern. Unser Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung für Mohlis war ein Großauftrag für die Druckerei: 72 Aktenordner haben wir beim zuständigen Landratsamt eingereicht. 16 Einzelgutachten zu allen möglichen Themen waren notwendig: vom üblichen Turbulenzgutachten bis zu eher außergewöhnlichen Dokumenten wie dem bereits erwähnten Mahdgutachten – und das alles, obwohl der Standort im Entwurf des Regionalplans enthalten war.
Können die Genehmigungsbehörden diesen Umfang zeitlich und fachlich angemessen bearbeiten?
Das ist tatsächlich auch für die Genehmigungsbehörden eine Herausforderung. Deshalb empfehlen wir den zuständigen Behörden eine externe Begleitung, welche bei den formellen Anforderungen eines Verfahrens unterstützt. Das hat sich auch wirklich bewährt. Der Berg an Themen, die für die Genehmigung einer Windenergieanlage abgearbeitet werden müssen, ist immer höher geworden. Ohne Ausdauer und tiefes Fachwissen ist die Entwicklung eines Windenergieprojekts heute nicht mehr möglich – das gilt sowohl für den Projektentwickler als auch für die Genehmigungsbehörde und ihre Fachleute.
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Juli/August 2019 von stadt+werk im Schwerpunkt Windenergie erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren.
RWE: Windkraftausbau im Rheinischen Revier schreitet voran
[21.10.2026] RWE hat im Rheinischen Revier einen weiteren Windpark mit einer Gesamtleistung von rund 14 Megawatt in Betrieb genommen. Die beiden Anlagen bei Düren sollen rechnerisch Strom für rund 9.000 Haushalte erzeugen und den umliegenden Kommunen zusätzliche Einnahmen bringen. mehr...
Stadtwerke München: Baustart für Windpark Holzheim
[20.10.2026] Die Stadtwerke München haben mit dem Bau eines Windparks im Dillinger Land begonnen. Vier Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 28 Megawatt sollen künftig Strom für rund 22.000 Haushalte erzeugen. An dem Projekt sollen auch die Standortgemeinde und eine Bürgerenergiegenossenschaft beteiligt werden. mehr...
JUWI: Verkauf von Windpark Gyhum
[13.10.2026] Der Projektentwickler JUWI hat den im Bau befindlichen Windpark Gyhum in Niedersachsen an einen von Union Investment verwalteten Fonds verkauft. Die vier Windenergie-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 24 Megawatt sollen Anfang 2027 in Betrieb gehen. mehr...
Lausitz: Höhenwindrad erreicht 365 Meter
[08.10.2026] In Schipkau in der Lausitz hat eine neuartige Windenergieanlage mit 300 Metern Nabenhöhe ihre endgültige Höhe von 365 Metern erreicht. Die Pilotanlage soll zeigen, ob sich Höhenwinde für höhere und gleichmäßigere Stromerträge nutzen lassen. mehr...
Offshore-Windpark: Ocean Breeze Energy übernimmt alpha ventus
[05.10.2026] EWE, RWE und Vattenfall verkaufen den Offshore-Windpark alpha ventus an Ocean Breeze Energy. Der neue Eigentümer plant, Deutschlands ersten Offshore-Windpark über die ursprünglich vorgesehene Laufzeit von 20 Jahren hinaus zu betreiben. mehr...
RWE: Zuschläge für 119 Megawatt Windenergie erhalten
[25.09.2026] RWE hat bei der jüngsten Ausschreibung der Bundesnetzagentur Zuschläge für zwei Onshore-Windprojekte mit zusammen 119 Megawatt erhalten. Die Anlagen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sollen vorbehaltlich der finalen Investitionsentscheidung 2028 in Betrieb gehen. mehr...
50Hertz: LanWin3-Konverter wird in Rostock gebaut
[24.09.2026] 50Hertz hat den Auftrag für den Bau des Offshore-Konverters für das Nordsee-Netzanbindungsprojekt LanWin3 vergeben. Wesentliche Komponenten der Zwei-Gigawatt-Anlage sollen in Rostock-Warnemünde entstehen. mehr...
ABO Energy: Zuschläge für drei Windenergieprojekte erhalten
[23.09.2026] ABO Energy hat in der August-Ausschreibung der Bundesnetzagentur Zuschläge für drei Windenergieprojekte mit insgesamt 102,2 Megawatt erhalten. Die Windparks in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und im Saarland sollen zwischen Mitte 2028 und Anfang 2029 in Betrieb gehen. mehr...
Windenergie: Verbände fordern Südquote
[22.09.2026] Bei der jüngsten Ausschreibung für Windenergie an Land sind nach Angaben von Erneuerbaren-Verbänden nur knapp fünf Prozent der bezuschlagten Leistung auf Bayern und Baden-Württemberg entfallen. Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg und der Landesverband Erneuerbare Energien Bayern fordern deshalb Änderungen am Ausschreibungssystem und eine Südquote im EEG. mehr...
EnBW: Offshore-Windpark He Dreiht eingeweiht
[18.09.2026] Der Offshore-Windpark He Dreiht in der Nordsee ist offiziell eingeweiht worden. Mit 64 Windenergieanlagen und 960 Megawatt Gesamtleistung handelt es sich um den bislang größten Offshore-Windpark Deutschlands. mehr...
Offshore-Windpark Gennaker: Finanzierung steht
[15.09.2026] Der Offshore-Windpark Gennaker in der Ostsee geht in die Realisierungsphase. Die Stadtwerke München sind mit 25 Prozent an dem Projekt beteiligt. Mit einer Leistung von bis zu 976,5 Megawatt soll Gennaker Ende 2028 in Betrieb gehen. mehr...
Berliner Stadtwerke: Windprojekt von JUWI übernommen
[14.09.2026] Die Berliner Stadtwerke erweitern ihre Windenergie-Erzeugung in Brandenburg. Zwei neue Anlagen bei Eisenhüttenstadt sollen ab 2027 jährlich rund 40 Gigawattstunden Strom erzeugen. mehr...
Österreich: Windkraft erreicht im August Rekordwert
[10.09.2026] Die Windkraft hat in Österreich im August 2026 so viel Strom erzeugt wie noch nie in diesem Monat. Auch im Juli lag die Produktion deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. In den beiden Sommermonaten deckten Windenergieanlagen knapp 14 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs. mehr...
Artenschutz: Erprobung von Anti-Kollisionssystem
[03.09.2026] Das ZSW erprobt ein mobiles, KI-gestütztes Anti-Kollisionssystem für Vögel und Fledermäuse an Windenergieanlagen. Gemeinsam mit ABO Energy soll der Bird- und BatRecorder 2.0 unter realen Bedingungen Daten für einen artenschutzgerechteren Windparkbetrieb liefern. mehr...
Bundesregierung: Windenergie-auf-See-Gesetz beschlossen
[03.09.2026] Das Bundeskabinett hat die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes beschlossen. VKU und BDEW begrüßen wichtige Änderungen, fordern aber Nachbesserungen bei Ausschreibungen, Netzanbindung und bereits vergebenen Projekten. mehr...
















