Donnerstag, 26. Februar 2026

Schleswig-HolsteinStrategiepapier für mehr Netz-Flexibilität

[28.11.2025] Ein neues Strategiepapier soll mehr Flexibilität beim Netzanschluss schaffen und Engpässe bei der Energiewende vermeiden. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums sollen dafür Vergaberegeln, Anschlussverfahren und die Nutzung bestehender Netzpunkte grundlegend überarbeitet werden.

Netze sind laut Energiewendeminister Tobias Goldschmidt das Rückgrat der Volkswirtschaft.

(Bildquelle: adobestock)

Ein Strategiepapier des Ministeriums für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN) des Landes Schleswig-Holstein sieht weitreichende Reformen vor, um Netzanschlüsse künftig flexibler zu vergeben und Engpässe im Stromnetz zu entschärfen. Wie das Ministerium beim Parlamentarischen Netz Abend von HanseWerk, SH Netz und Tennet Germany berichtet, richtet sich der Fokus auf eine effizientere Nutzung der verfügbaren Netzkapazitäten, die in der Energiewende zum knappsten Faktor geworden sind. Das Papier schlägt unter anderem Kriterien vor, nach denen Regionen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien stärker von flexiblen Regeln profitieren können.

Rückgrat der Volkswirtschaft

Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Bündnis 90/Die Grünen) betonte bei der Vorstellung, Energienetze seien das Rückgrat der Volkswirtschaft. Der starke Ausbau verschaffe dem Land einen Standortvorteil, müsse aber beim Fortschreiten der Energiewende klüger genutzt werden. Goldschmidt zufolge braucht es neue Wege bei der Vergabe von Netzverknüpfungspunkten, um Abregelungen zu vermeiden und großen Verbrauchern wie Industrie oder Rechenzentren realistische Anschlusschancen zu geben. Angesichts regional unterschiedlicher Ausbaugrade erneuerbarer Energien sprach er sich für differenzierte Regeln aus, da bestehende Vorgaben dort an Grenzen stießen, wo fossile Energie bereits weitgehend verdrängt sei.

Unterstützung kam auch von Seiten der Netzbetreiber. Christian Fenger, Vorstandsvorsitzender von HanseWerk und Aufsichtsratsvorsitzender von SH Netz, erklärte laut Mitteilung, dass das gemeinsam mit Tennet geplante Klimaneutralitätsnetz möglichst effizient genutzt werden müsse, um unnötige Kosten für Stromkunden zu verhindern. Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens verwies darauf, dass Netzanschlüsse bereits heute zum Flaschenhals für gesicherte Leistung und Schlüsseltechnologien werden. Seinen Angaben zufolge hat Tennet früh Reformvorschläge erarbeitet und begrüßt ausdrücklich die Initiative des Ministeriums.

Zustimmung der Branche

Auch die Branche der erneuerbaren Energien sieht in dem Papier einen wichtigen Schritt. Martin Laß vom Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein zufolge ist die Möglichkeit, bestehende Netzverknüpfungspunkte zu überbauen, eine zentrale Forderung der Branche und ein erster Hebel, um zusätzliche Potenziale zu heben. Schleswig-Holstein wolle beim Ausbau erneuerbarer Energien und beim Hochfahren der Wasserstoffproduktion weiterhin vorangehen.

Fabian Faller, Bereichsleiter Energiewirtschaft bei GP Joule, hob die wachsende Stromnachfrage und die Belastung der Netze hervor. Wie er erläuterte, brauche es Flexibilität bei der Größe und gemeinsamen Nutzung von Netzanschlüssen, bei der Verteilung von Netzkosten sowie beim Verbrauchsverhalten, damit Strom bevorzugt dann genutzt oder gespeichert werde, wenn viel erneuerbare Energie zur Verfügung steht.

Laut MEKUN sollen die Vorschläge des Strategiepapiers nun in Gesetzgebungsverfahren, Fachgremien und weiteren Austauschformaten weiterverfolgt werden.





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