Dienstag, 13. Oktober 2026

Fraunhofer ISE/Öko-InstitutAuswertung der abgeschlossenen Wärmepläne

[27.08.2026] Wärmepumpen und Wärmenetze sollen bis 2045 den größten Teil der Wärmeversorgung in den ausgewerteten Kommunen übernehmen. Eine neue Auswertung von Fraunhofer ISE und Öko-Institut zeigt zugleich, wo Wärmepläne noch auf unsicheren Annahmen beruhen.

Endenergiebedarf Wärme nach Energieträgern der ausgewerteten kommunalen Wärmeplanungen für Wärme bis 2045.

(Bildquelle: Öko-Institut & Fraunhofer ISE)

Wärmepumpen und Wärmenetze sollen bis 2045 das Rückgrat der Wärmeversorgung in deutschen Kommunen bilden. Das zeigt die zweite Ausgabe der Studie Kommunale Wärmeplanung in Deutschland, die das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE gemeinsam mit dem Öko-Institut erstellt hat. Grundlage sind 377 ausgewertete Wärmepläne für 938 Kommunen. Damit hat sich die Datenbasis gegenüber der ersten Auswertung von 2025 deutlich vergrößert.

Nach den Zielbildern der untersuchten Wärmepläne sollen Wärmepumpen 2045 rund 41 Prozent der Wärme bereitstellen. Auf die leitungsgebundene Wärmeversorgung, also Nah- und Fernwärmenetze, entfallen rund 36 Prozent. Zusammen würden beide Versorgungsformen damit mehr als drei Viertel des Wärmebedarfs decken. Erdgas und Heizöl spielen in den Zielbildern dagegen kaum noch eine Rolle.

Wichtige Hinweise für Stadtwerke

Für Stadtwerke und andere Wärmeversorger liefert die Studie damit wichtige Hinweise für die künftige Infrastrukturplanung. Der Ausbau von Wärmepumpen erhöht den Bedarf an leistungsfähigen Stromnetzen. Gleichzeitig erfordert der geplante Ausbau der Wärmenetze neue Erzeugungsanlagen und eine langfristige Entscheidung über die Zukunft bestehender Gasverteilnetze.

Die Auswertung zeigt aber auch deutliche Unterschiede zwischen den Kommunen. Kleine Kommunen setzen stärker auf dezentrale Wärmepumpen. In Kommunen mit weniger als 10.000 Einwohnern sollen sie 2045 rund 46 Prozent der Wärmeversorgung übernehmen, während Wärmenetze auf 23 Prozent kommen. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern liegt die Reihenfolge umgekehrt: Dort soll die leitungsgebundene Wärmeversorgung rund 43 Prozent und Wärmepumpen rund 38 Prozent beitragen.

Erzeugungsmix der Wärmenetze

Ein besonders interessanter Befund aus dem Projektbericht betrifft den Erzeugungsmix der Wärmenetze. Für das Zieljahr 2045 konnten die Forschenden nur bei 440 Kommunen Angaben zur künftigen Wärmeerzeugung auswerten. In den übrigen Fällen fehlten entsprechende Informationen oder sie waren für eine quantitative Auswertung nicht ausreichend. Damit liegt nur für etwa die Hälfte der untersuchten Kommunen ein konkreter Erzeugungsmix für die leitungsgebundene Wärmeversorgung vor.

Wo solche Angaben vorliegen, zeichnen die Wärmepläne jedoch ein deutliches Bild. Laut Projektbericht sollen Wärmepumpen 2045 rund 38 Prozent des Erzeugungsmixes der Wärmenetze ausmachen. Abwärme folgt mit rund 20 Prozent, biogene Energieträger mit knapp 18 Prozent. Geothermie ist mit sieben Prozent und Wasserstoff mit rund sechs Prozent vorgesehen. Gerade die Rolle der Abwärme hat gegenüber der ersten Auswertung deutlich zugenommen.

Rückgang des Wärmebedarfs

Der Wärmebedarf selbst soll nach den aggregierten Wärmeplänen bis 2045 deutlich sinken. Der Bericht weist gegenüber dem heutigen Zustand einen Rückgang des aggregierten Endenergiebedarfs für Wärme um rund 29 Prozent aus. Die Studie führt dies vor allem auf Effizienzsteigerungen und energetische Sanierungen zurück.

Gerade diese Annahmen sehen die Forschenden jedoch kritisch. Für 786 der 938 untersuchten Kommunen enthält der Projektbericht Angaben zu künftigen Sanierungsraten. Sie liegen zwischen 0,6 und 4,8 Prozent pro Jahr. Der Mittelwert beträgt 1,64 Prozent, der einwohnergewichtete Mittelwert 1,56 Prozent. Auffällig sind zudem größere Gruppen von Kommunen, die identische Werte von rund einem, 1,5 oder zwei Prozent ansetzen. Dies könne darauf hindeuten, dass ein Teil der Raten aus übergeordneten Zielwerten übernommen und nicht jeweils kommunenspezifisch hergeleitet wurde, heißt es im Bericht.

Forderung nach Transparenz

Die Frage ist für Stadtwerke besonders relevant, weil der angenommene Wärmebedarf unmittelbar bestimmt, wie groß künftige Netze und Erzeugungsanlagen dimensioniert werden. Die Forschenden empfehlen daher, die zugrunde liegenden Annahmen transparent zu machen und bei der Infrastrukturplanung auch weniger ambitionierte Sanierungsverläufe zu berücksichtigen. Der Bericht zeigt zudem, dass hohe Sanierungsraten häufig selbst in den Wärmeplänen als ambitioniert gelten und ihre Umsetzung von Förderbedingungen, Finanzierungsmöglichkeiten und verfügbaren Handwerkskapazitäten abhängt.

Ein weiteres Problem sehen Fraunhofer ISE und Öko-Institut bei der Biomasse. Laut Projektbericht überschreiten 63 Prozent der untersuchten Kommunen im Zielbild für 2045 die jeweils lokal ausgewiesenen Potenziale für biogene Energieträger. Dies deutet darauf hin, dass viele Planungen Biomasse-Importe aus anderen Regionen oder aus dem Ausland voraussetzen. Wenn zahlreiche Kommunen gleichzeitig so planen, könnten daraus Nutzungskonkurrenzen entstehen. Erschwert wird die Bewertung zusätzlich durch unterschiedliche Definitionen der Biomassepotenziale.

Schwachstelle Prozesswärme

Auch die industrielle Prozesswärme bleibt eine Schwachstelle der kommunalen Wärmeplanung. Der Projektbericht verweist darauf, dass Prozesswärme sich bei Temperaturniveau, Versorgungsstruktur und Dekarbonisierungsoptionen deutlich von Raumwärme und Warmwasser unterscheidet. Dennoch fehlt in vielen Wärmeplänen eine ausreichende Differenzierung. Das erschwert nicht nur die Planung der künftigen Wärmeversorgung, sondern auch die Abschätzung des Wasserstoffbedarfs.

Insgesamt bestätigen die Ergebnisse den zentralen Trend der ersten Auswertung: Die kommunale Wärmewende wird vor allem auf Wärmepumpen und Wärmenetze setzen. Der deutlich größere Datensatz macht diese Aussage belastbarer. Zugleich zeigt der Projektbericht, dass Wärmepläne für die konkrete Investitionsplanung noch an mehreren Stellen nachschärfen müssen – besonders bei der Erzeugung in Wärmenetzen, bei Sanierungsannahmen, Biomassepotenzialen und dem Wärmebedarf von Industrie und Gewerbe.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung

Sachsen: Millionen für Wärmewende bewilligt

[12.10.2026] Sachsen hat erste Millionenförderungen für den Umbau der kommunalen Wärmeversorgung bewilligt. Sechs größere Projekte sollen den Einsatz erneuerbarer Energien voranbringen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. mehr...

Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm: Vorarbeiten für zwei Flusswasserwärmepumpen

[12.10.2026] Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm beginnen Mitte Oktober mit Vorarbeiten für zwei Flusswasserwärmepumpen an der Donau. Die Anlagen sollen ab 2027 regenerative Wärme für die Fernwärmeversorgung liefern. mehr...

Meersburg: Wärme aus dem Bodensee

[12.10.2026] Baden-Württemberg will landeseigene Gebäude in Meersburg künftig mit Wärme aus dem Bodensee versorgen. Insgesamt 13 Liegenschaften sollen schrittweise an das geplante Seewärme-Netz angeschlossen werden. mehr...

Stuttgart: Stadtwerke prüfen neues Wärmenetz in Feuerbach

[12.10.2026] Die Stadtwerke Stuttgart prüfen den Aufbau eines Wärmenetzes in Feuerbach, das zwischen 2030 und 2035 entstehen könnte. Eigentümer und Unternehmen können bereits jetzt unverbindlich ihr Interesse an einem Anschluss bekunden. mehr...

Dresden: Wärmeplan beschlossen

[07.10.2026] Der Dresdner Stadtrat hat den kommunalen Wärmeplan beschlossen und dabei Prüfgebiete ausgeweitet sowie den Maßnahmenplan angepasst. Mit dem Digitalen Energielotsen setzt die Stadt bereits eine Maßnahme um, die Gebäudeeigentümer bei Fragen zu Wärmeversorgung, Sanierung und Heizungstausch unterstützen soll. mehr...

N-Ergie: Genehmigung für Altholz-Heizkraftwerk

[05.10.2026] N-Ergie hat die Genehmigung für ein neues Altholz-Heizkraftwerk am Standort Nürnberg-Sandreuth erhalten. Die Anlage soll ab Ende 2029 Strom und Fernwärme erzeugen und bis zu 40 Megawatt thermische Leistung bereitstellen. mehr...

Naturstrom: Kölner Quartier wird mit Solarstrom und Wärmepumpe versorgt

[02.10.2026] Ein neues Wohnquartier in Köln-Ehrenfeld wird mit Photovoltaik und Wärmepumpen mit Strom und Wärme versorgt. Naturstrom hat das Energiekonzept für die 91 Wohneinheiten umgesetzt und bereitet zudem alle Tiefgaragenstellplätze für Wallboxen vor. mehr...

Stadtwerke Energie Jena-Pößneck: Großwärmepumpe für Abwasserwärme

[02.10.2026] Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck konkretisieren ihre Pläne, Abwasserwärme aus der Kläranlage Jena-Zwätzen für das Wärmenetz zu nutzen. Eine Investitionsentscheidung für das Projekt ANIKA soll 2027 fallen. mehr...

Kommunale Wärmeplanung: Umsetzung bleibt unverbindlich

[01.10.2026] Fast alle deutschen Großstädte haben fristgerecht eine kommunale Wärmeplanung vorgelegt. Eine Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln von 57 Wärmeplänen zeigt jedoch Grenzen des Instruments bei der Umsetzung auf. mehr...

evm/Iqony: Wärmegeschäft in Koblenz gebündelt

[30.09.2026] Energieversorgung Mittelrhein und Iqony bündeln zum 1. Oktober 2026 ihr Wärmegeschäft im Koblenzer Stadtteil Rauental. Die gemeinsame Gesellschaft Wärme Moselbogen soll die bestehenden Netze verbinden und bis 2034 rund 500 weitere Gebäude anschließen. mehr...

dena: Kommunenumfrage zur Wärmeplanung zeigt geteiltes Bild

[29.09.2026] Die kommunale Wärmeplanung kommt voran, doch die Umsetzbarkeit der Pläne wird unterschiedlich beurteilt. Eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur unter 778 Kommunen zeigt zudem Lücken bei eingeplanten Ressourcen und der angenommenen Sanierungsrate. mehr...

Fraunhofer IEG: KI-Plattform soll Wärmeplanung verständlicher machen

[29.09.2026] Das Forschungsprojekt HEATogether will eine KI-gestützte Plattform entwickeln, die Ergebnisse der Wärmeplanung für Kommunen, Energieversorger und Bürger verständlicher aufbereitet. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben für drei Jahre mit rund 1,2 Millionen Euro. mehr...

Advertorial: Wärmewende für Stadtwerke finanzierbar machen – Was erfolgreiche Wärmeprojekte ausmacht

[24.09.2026] Die Wärmewende erfordert von Stadtwerken enorme Investitionen – und häufig wird ausgerechnet das knappe Eigenkapital zum Engpass. Wie sich Wärmeprojekte dennoch finanzieren und bis zur Investitionsreife entwickeln lassen und welche Rolle starke Partner dabei spielen, zeigt die Steag Iqony Group. mehr...

Stuttgart: Rechenzentrum versorgt Wärmenetz

[24.09.2026] Im Stuttgarter Synergiepark ist eine neue Wärmeversorgung mit Abwärme aus einem Rechenzentrum in Betrieb gegangen. Das Gebäudenetz soll jährlich rund fünf Gigawattstunden Wärme liefern und bildet den Ausgangspunkt für den weiteren Ausbau der Wärmeversorgung im Quartier. mehr...

Tettnang: Nahwärmenetz geht in Betrieb

[24.09.2026] In Tettnang ist nach 14 Monaten Bauzeit das neue Nahwärmenetz schrittweise in Betrieb gegangen. Die ersten öffentlichen und privaten Gebäude werden seit Mitte September mit Wärme aus regionalen Holzhackschnitzeln versorgt. mehr...