Sonntag, 15. März 2026

NorderstedtStadtwerke nutzen Abwärme von Rechenzentrum

[03.06.2025] Die Stadtwerke Norderstedt nutzen die Abwärme ihres eigenen Rechenzentrums zur Einspeisung ins kommunale Fernwärmenetz. Zwei Hochtemperatur-Wärmepumpen ermöglichen damit jährlich Einsparungen von rund 3.800 Tonnen CO₂.

Die Wärmepumpen des Typs AquaForce 61XWH-ZE10 liefern bei voller Serverauslastung bis zu 1.800 Kilowatt Heizleistung.

(Bildquelle: Carrier Klimatechnik GmbH)

Die Stadtwerke Norderstedt haben jetzt ein Rechenzentrum auf ihrem Betriebsgelände in die kommunale Fernwärmeversorgung eingebunden. Wie das Unternehmen Carrier mitteilt, wird dies durch zwei Hochtemperatur-Wärmepumpen möglich, die die beim Betrieb der Server entstehende Abwärme nutzbar machen. Seit der Inbetriebnahme im April 2024 wurden bereits 6,8 Millionen Kilowattstunden Wärme ins Fernwärmenetz eingespeist – das entspricht dem Jahresbedarf von etwa 350 Vier-Personen-Haushalten. Laut Stadtwerke ergibt sich daraus eine jährliche CO₂-Einsparung von mindestens 3.800 Tonnen.

Das Projekt ist Teil einer langfristigen Dekarbonisierungsstrategie, mit der die viertgrößte Stadt Schleswig-Holsteins ihre Wärmeversorgung bis spätestens 2040 klimaneutral gestalten will. Schon seit den 1980er-Jahren betreibt Norderstedt ein Fernwärmenetz, das nun sukzessive auf emissionsfreie Wärmequellen umgestellt wird. Die Nutzung industrieller Abwärme gilt dabei als zentrale Maßnahme der kommunalen Wärmeplanung, die angesichts bundesweiter Klimaziele zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Überbrückung der Temperaturdifferenz

Das Rechenzentrum der Stadtwerke ist direkt über dem Fernwärmenetz angesiedelt – eine Voraussetzung, die die Umnutzung der bisher ungenutzten Abwärme technisch erleichtert hat. Die Herausforderung bestand darin, die große Temperaturdifferenz zwischen der Kühlung des Rechenzentrums (13 Grad Celsius) und dem Temperaturniveau des Fernwärmenetzes (81 Grad Celsius) zu überbrücken. Zum Einsatz kommen zwei Wärmepumpen des Typs AquaForce 61XWH-ZE10 von Carrier Klimatechnik. Diese arbeiten mit dem Kältemittel R-1234ze, das ein sehr geringes Treibhauspotenzial (GWP 1,37) aufweist, und liefern bei voller Serverauslastung bis zu 1.800 Kilowatt Heizleistung.

Die doppelte Funktion der Wärmepumpen – Kältebereitstellung und Wärmeerzeugung – führt zu einer verbesserten Energieeffizienz. Ein zusätzlich installierter Umluftkühler stabilisiert die Raumtemperatur und erhöht die nutzbare Abwärmemenge. Perspektivisch kann durch die neue Technik eine maximale Wärmeleistung von 1,8 Megawatt aus dem Rechenzentrumsbetrieb gewonnen werden.

Wärmepumpen ersetzen Erdgas

Das Projekt wurde von dem Unternehmen FC-Planung aus Hamburg geplant und gemeinsam mit Kraftanlagen Energies & Services umgesetzt. Die Wärmepumpen ersetzen dabei teilweise die bisherige Erdgasnutzung im Fernwärmenetz. Neben dem positiven Klimaeffekt ermöglicht das System auch wirtschaftliche Vorteile: Die Stadtwerke rechnen mit einer schnellen Amortisation der Investitionskosten – abhängig von Energiepreisen, Auslastung und Effizienz der Anlage.

Die Stadt Norderstedt plant bereits weitere Vorhaben zur intelligenten Sektorenkopplung. Neben einem weiteren Rechenzentrum sollen auch bestehende BHKW-Standorte um zusätzliche Wärmepumpentechnologie ergänzt werden. Dabei werden unterschiedliche Wärmequellen erschlossen, darunter Außenluft, Abgase und Niedertemperaturpotenziale innerhalb der bestehenden Technik.

Carrier-Vertreter Reiner Nattefort sieht in der Abwärmenutzung ein großes Potenzial für die kommunale Wärmewende: „Norderstedt kann vielen Kommunen als Vorbild dienen, bereits vorhandene Wärmequellen in die Wärmeplanung einzubeziehen.“ Auch Robert Roß von den Stadtwerken betont den Modellcharakter: „Das Projekt spart Kosten, vermeidet Ressourcenverschwendung und reduziert Emissionen deutlich.“





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung

BEE: Positionspapier empfiehlt Holzenergie für die Wärmeversorgung

[09.03.2026] Ein neues Positionspapier des Bundesverbands Erneuerbare Energie stellt Holzenergie als zentralen Baustein der Wärmewende dar. Angesichts geopolitischer Risiken und steigender Preise für Öl und Gas fordert der Verband, heimische Holzwärme stärker in der Wärmeversorgung zu berücksichtigen. mehr...

Jade Hochschule: Vereinheitlichung der kommunalen Wärmeplanung

[04.03.2026] Die Jade Hochschule will die kommunale Wärmeplanung in Niedersachsen mit einem landesweit einheitlichen Daten- und Methodenstandard harmonisieren. Ein neues, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördertes Forschungsprojekt soll Kommunen schneller zu belastbaren Entscheidungen über Wärmenetze oder dezentrale Lösungen führen. mehr...

Saarland: Studie analysiert Wärmeversorgung

[04.03.2026] Eine neue Studie analysiert die Wärmeversorgung im Saarland und zeigt Wege zur klimaneutralen Wärmewende auf. Die Untersuchung soll Kommunen eine belastbare Grundlage für ihre Wärmeplanung bis 2045 liefern. mehr...

Region Mitte Niedersachsen: Förderung dreier Klimaschutz-Projekte

[02.03.2026] Die Zukunftsregion Mitte Niedersachsen fördert drei Projekte zu Mikrowärmenetzen, energetischer Sanierung und Abfallpädagogik mit rund 540.000 Euro. Die Bescheide übergab Landesbeauftragter Ottmar von Holtz in Rehburg-Loccum und setzte damit ein Signal für die interkommunale Zusammenarbeit in Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. mehr...

Braunschweig: Holzheizkessel in Betrieb genommen

[27.02.2026] BS Energy und SH Kraft & Wärme haben im Braunschweiger Energie Effizienz Quartier Gliesmarode/Querum einen zweiten Holzheizkessel in Betrieb genommen. Mit der Leistungssteigerung um 50 Prozent wächst der Anteil erneuerbarer Wärme im Quartiersnetz weiter und das Ziel einer vollständig regenerativen Versorgung bis 2040 rückt näher. mehr...

Gebäudemodernisierungsgesetz: Kritik und Lob von Branchenverbänden

[26.02.2026] Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) setzt auf eine Grüngasquote, eine entfristete Bio-Treppe und stärkere Förderung für Fernwärmenetze. Verbände aus der Energie- und Wärmewirtschaft begrüßen den Kurswechsel, warnen aber vor Preisrisiken, fehlender Planungssicherheit und offenen Detailfragen. mehr...

Böhl-Iggelheim: Entstehung von kaltem Nahwärmenetz

[26.02.2026] In Böhl-Iggelheim entsteht an der Jakob-Heinrich-Lützel-Grundschule ein kaltes Nahwärmenetz auf Basis von Erdsonden und Sole-Wasser-Wärmepumpen. Das Projekt soll die kommunale Wärmeversorgung ab 2026 klimafreundlich sichern und perspektivisch ein ganzes Quartier einbinden. mehr...

Sechsstufige Wärmepumpenanlage „Energy Unit 2.0“ in der XL-Variante: Außen aufgestellte Luft/Wasser-Wärmepumpenmodule in schallgedämmter Einhausung vor einem Mehrfamilienhaus, teilweise mit geöffneten Schutzgittern.

Vaillant: XL-Wärmepumpe für Mehrfamilienhäuser

[23.02.2026] In Dortmund wurde erstmals eine sechsstufige Wärmepumpenanlage der XL-Variante in Betrieb genommen. Das System versorgt zwei Mehrfamilienhäuser aus den 1960er-Jahren. Laut den Beteiligten spart es jährlich 20,5 Tonnen CO₂ ein. mehr...

Stadtwerke Lemgo: Beteiligungsvolumen für Großwärmespeicher ausgeschöpft

[20.02.2026] Das Beteiligungsvolumen für den Großwärmespeicher der Stadtwerke Lemgo ist binnen weniger Tage vollständig ausgeschöpft. Zwei Millionen Euro flossen in das Projekt zur klimaneutralen Wärmeversorgung und zeigen die breite Unterstützung für die Wärmewende vor Ort. mehr...

Enpal: Wärmepumpe kompensiert Fernwärmenetz

[20.02.2026] Enpal steigt in die kommunale Wärmeplanung ein und übernimmt für Städte und Gemeinden die Versorgung von Haushalten außerhalb bestehender Fernwärmenetze mit Wärmepumpen. Damit reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Handlungsdruck der Kommunen und will mit hoher Installationskapazität eine Lücke in der lokalen Wärmewende schließen. mehr...

BBSR: Studie zur Wärmeplanung mit Digitalen Zwillingen

[18.02.2026] Eine neue Studie untersucht, wie Digitale Zwillinge die kommunale Wärmeplanung strategisch unterstützen. Der Bericht des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigt anhand von 189 Kommunen, wann sich der Einsatz digitaler Modelle lohnt und wo ihre Grenzen liegen. mehr...

Cuxhaven: Alter Fischereihafen erhält Energiespundwand

[13.02.2026] Niedersachsen fördert im Alten Fischereihafen Cuxhaven eine bundesweit einzigartige Energiespundwand, die Wärme direkt aus dem Meerwasser gewinnt. Das 3,1-Millionen-Euro-Projekt soll ein 61.000 Quadratmeter großes Quartier klimaneutral mit Heiz- und Kühlenergie versorgen und gilt als Modell für die Wärmewende in Häfen. mehr...

SAENA: Kostenfreies Webinar zur Wärmeplanung

[12.02.2026] Die Sächsische Energieagentur SAENA bietet am 27. Februar 2026 ein kostenfreies Webinar zu Ausschreibung und Vergabe in der kommunalen Wärmeplanung an. mehr...

Stiftung Umweltenergierecht: Webinar zur Wärmeplanung

[09.02.2026] Neue Leitfäden sollen Kommunen den Schritt von der Wärmeplanung in die praktische Umsetzung erleichtern. Die Stiftung Umweltenergierecht stellt zentrale Inhalte und Empfehlungen in einem kostenfreien Online-Seminar vor. mehr...

Stuttgart: Abwärme von Rechenzentrum macht Schule

[06.02.2026] Ein Rechenzentrum in Stuttgart speist seine Abwärme erstmals systematisch in ein lokales Wärmenetz ein. Das Projekt von nLighten und Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart zeigt, wie digitale Infrastruktur konkret zur Dekarbonisierung städtischer Wärmeversorgung beitragen kann. mehr...