ContractingZögerung bei der Umsetzung
Die Hochschule Ruhr West in Bottrop hat gemeinsam mit der EnergieAgentur.NRW und dem Ingenieurbüro Baedeker im Sommer 2016 159 Städte und Gemeinden mit Einwohnerzahlen zwischen 25.000 und 150.000 zum Energiespar-Contracting befragt, 101 der befragten Kommunen haben teilgenommen. Das Ergebnis: Fast alle Kommunen kennen die Möglichkeit des Energiespar-Contractings. Obwohl aber rund 86 Prozent der befragten Kommunen große Potenziale zur Energieeinsparung sehen und zudem angaben, selbst Einsparmaßnahmen durchzuführen, sagen etwa 70 Prozent, dass sie dennoch kein Interesse am Contracting haben. Harald Baedeker, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Baedeker, stellt fest: „Viele Kommunen geben an, sie würden lieber selber Energiesparmaßnahmen durchführen – die Umsetzung ist aber unzureichend.“ Die Eigenrealisierung kann aus Sicht von Baedeker häufig nicht mit dem Realisierungsniveau von Energiespar-Contracting mithalten. Es reiche nicht aus, so Baedeker, Excel-Tabellen über den Energieverbrauch zu führen und das dann als Energie-Management der Verwaltung zu bezeichnen. Ein positives Resultat: Die Kommunen signalisierten generell die Bereitschaft, sich mit dem Thema des Energiespar-Contractings auseinanderzusetzen und ein Drittel der Kommunen gab an, bereits positive Erfahrungen mit Contracting-Unternehmen gemacht zu haben. An diese positiven Erfahrungen möchte die EnergieAgentur.NRW anknüpfen und diese mit anderen Städten und Kreisen teilen. Wie die Energieagentur mitteilt, konnten in Nordrhein-Westfalen seit 1997 viele hundert Contracting-Projekte umgesetzt werden, darunter jedoch nur wenige Energiespar-Contractings. Gute Beispiele sollen Skeptiker künftig überzeugen: In Dormagen konnten beispielsweise 44 Prozent der Energiekosten durch einen im Contracting-Verfahren finanzierten Austausch der Straßenbeleuchtung eingespart werden. Auch in Rommerskirchen wurden umfangreiche technische Maßnahmen in 20 Liegenschaften durchgeführt, wodurch die Energiekosten um 26 Prozent reduziert werden konnten. Wolfgang Irrek, Leiter des Instituts Energiesysteme und Energiewirtschaft der Hochschule Ruhr West, unterstreicht, dass an diese Best-Practises angeknüpft werden soll: „Wichtig ist, dass den Kommunen jetzt bei der Entscheidungsfindung für die Erschließung von Sparmaßnahmen geholfen wird, um mehr Energieeffizienz zu erreichen. Eine neutrale, anbieterunabhängige Seite wie die EnergieAgentur.NRW sollte den Kommunen ihre Möglichkeiten detailliert näher bringen.“ Die positiven Beispiele an die Kommunen heranzutragen und das entsprechende Fachwissen und die Kenntnisse zu Fördermöglichkeiten weiterzugeben, ist aus Sicht der Contracting-Berater der EnergieAgentur.NRW auch wichtig, um die Klimaschutzziele 2020 der Bundesregierung in Zukunft zu erreichen.
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