Samstag, 23. Mai 2026

KEA-BWAnleitung zur Klimaneutralität

[20.06.2022] Ein neuer Leitfaden unterstützt Kommunen auf dem Weg hin zur Klimaneutralität, die das Land Baden-Württemberg bis zum Jahr 2040 erreichen will. In Auftrag gegeben hat ihn die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW).
Photovoltaikanlagen – eine wichtige Säule klimaneutraler Kommunalverwaltungen.

Photovoltaikanlagen – eine wichtige Säule klimaneutraler Kommunalverwaltungen.

(Bildquelle: KEA-BW)

Ein Ende Mai 2022 erschienener Leitfaden zeigt, wie Kommunen den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen in ihrem Dienstbetrieb systematisch verringern können. Wie der Auftraggeber der Studie, die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW), mitteilt, hat den Wegweiser das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) mit Unterstützung der KEA-BW und dem Verband der regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen Baden-Württemberg (reabw) erarbeitet. Der 34-Seiten umfassende Leitfaden beschreibe, welche Schritte auf dem Weg zur bis 2040 anvisierten Klimaneutralität erforderlich sind, und gebe Handlungsempfehlungen, wie Kommunen am besten vorgehen sollten.

Erster Schritt: Bestandsaufnahme

Laut KEA-BW ist der erste Schritt in diesem Prozess eine Bestandsaufnahme. Dabei sei zu fragen: Welchen Energieverbrauch hat die Kommunalverwaltung an welchen Stellen? Was muss überhaupt in die Betrachtung einbezogen werden, was bleibt außen vor? Wo werden die Grenzen gezogen? Wie viel Treibhausgasreduktion will und soll man pro Jahr erreichen? Und wie strukturiert man das Vorgehen am besten?
Wann eine Kommunalverwaltung klimaneutral ist, beschreibe das deutsche Klimaschutzgesetz. Klimaneutralität sei für einzelne Regionen oder Sektoren dann erreicht, wenn die dort vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen und die durch Senken der Atmosphäre entzogenen Treibhausgase bilanziell bei liegen. Emissionsgutschriften durch Zukäufe aus anderen Regionen der Welt würden dabei nicht berücksichtigt.
Generell gelte: Die Kommunen sollen nur Daten der Kernverwaltung erheben. Dazu gehörten insbesondere die eigenen Liegenschaften – etwa Kindergärten und Schulen sowie Stadt- oder Gemeindehallen – und die Beleuchtung von Straßen. Zentrale Infrastruktureinrichtungen in Form von Eigenbetrieben, etwa öffentliche Hallen- und Freibäder, Kläranlagen, Trinkwasserversorgung und Abwasser, müssten auch berücksichtigt werden. Außen vor blieben Beteiligungen und Töchter, zum Beispiel Wohnungsbaugesellschaften, die eigene Bilanzen und Konzepte vorlegen sollten.

Zweiter Schritt: Verbrauch senken

Im Anschluss an die Bestandsaufnahme müssten die Kommunalverwaltungen ihre direkten Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahren drastisch reduzieren. Bis zum Jahr 2040 dürften nur noch wenige Restemissionen verbleiben, die aus Vorketten erneuerbarer Energieträger stammen. Der Endenergieverbrauch müsse bis dahin halbiert, der Energiebedarf dann vollständig aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden.
Eine Schlüsselfunktion komme den öffentlichen Liegenschaften zu. „Dort können die kommunalen Verantwortlichen zusammen mit den Nutzern und Hausmeistern bereits eine Verbrauchsreduzierung von zehn bis 20 Prozent erzielen“, sagt Nadine Derber von der KEA-BW. „Damit amortisiert sich die Stelle eine Energie-Managers bereits durch die eingesparten Energiekosten.“ Laut KEA-BW ist durch die energetische Sanierung der Liegenschaften und die Umrüstung auf erneuerbare Energien noch mehr möglich. Dabei gelte der Grundsatz, so viel Photovoltaik wie möglich auf die Dächer der kommunalen Liegenschaften zu bauen; mindestens sei jedoch ein Zielwert von einem Kilowatt installierter Photovoltaikleistung pro zehn Quadratmeter überbauter Fläche, bezogen auf alle Liegenschaften der Kommune, zu erreichen.

Nachhaltige kommunale Beschaffung

Ein weiterer wichtiger Punkt sei eine nachhaltige kommunale Beschaffung. Am Ende würden aber Restemissionen verbleiben, die man nicht vollständig vermeiden kann. Langfristig sei daher der Entzug von Treibhausgasen aus der Atmosphäre erforderlich. Diese Emissionsminderungen könnten Kommunen dann in ihrer Bilanz anrechnen.
Um den Prozess erfolgreich managen zu können, sollte sich die Verwaltung gegebenenfalls personell verstärken. Energie-Teams hätten sich bereits in vielen Kommunen bewährt. Ziel sei die Verbesserung der internen Kommunikation und Kooperation. Finanzielle Unterstützung dafür gebe es von Bund und Land. Auch dazu halte der Leitfaden klimaneutrale Kommunalverwaltung Tipps parat.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Klimaschutz

Baden-Württemberg: Zum letzten Mal erhalten Kommunen den European Energy Award

[15.05.2026] Baden-Württemberg hat acht Kommunen mit dem European Energy Award ausgezeichnet, der in Deutschland nun ausläuft. Neue Klimaschutzmanagement-Systeme sollen den Übergang sichern und Kommunen beim Ausbau ihrer Klimaschutzmaßnahmen weiter unterstützen. mehr...

Bad Berleburg: Energie-Kommune mit Wind, PV und Verkehrswende

[13.05.2026] Die Stadt Bad Berleburg wurde von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zur „Energie-Kommune des Monats Mai 2026“ gekürt. Die nordrhein-westfälische Kommune setzt auf Windkraft, Photovoltaik und neue Mobilitätskonzepte. Ihr Ziel ist es, bis 2035 treibhausgasneutral zu sein. mehr...

Klimakommune Deutschland: Neues Programm für kommunalen Klimaschutz vorgestellt

[12.05.2026] Der Verein Klimakommune Deutschland hat ein neues Programm für kommunalen Klimaschutz und die Umsetzung der Energiewende vorgestellt. Nach dem Aus des European Energy Award sollen Städte, Gemeinden und Landkreise damit wieder ein strukturiertes Instrument für Klimastrategien und Emissionsminderung erhalten. mehr...

Bundeswirtschaftsministerium: Wettbewerb für klimafreundliche Quartiere

[06.05.2026] Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat einen neuen Innovationswettbewerb für Energiequartiere gestartet. Ziel ist es, bestehende Stadtteile effizienter, widerstandsfähiger und klimaverträglicher zu machen. Bewerbungen sind bis zum 2. Oktober 2026 möglich. mehr...

Nordrhein-Westfalen: Hochschulen legen CO2-Bilanz vor

[28.04.2026] Nordrhein-Westfalens Hochschulen legen erstmals eine gemeinsame, landesweite CO2-Bilanz nach einheitlichen Standards vor. Die Daten aus 30 öffentlich-rechtlichen Einrichtungen zeigen, wo Emissionen entstehen, welche Maßnahmen bereits greifen und warum daraus nun ein dauerhaftes Klimamonitoring folgt. mehr...

Wuppertaler Stadtwerke: Podcast-Folge zu kommunalen Transformationsprozessen

[28.04.2026] Die Wuppertaler Stadtwerke widmen eine neue Podcast-Folge der Frage, wie Kommunen lokale Transformationsprozesse trotz knapper Mittel steuern können. Im Gespräch mit Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff geht es um Zielkonflikte bei Stadtentwicklung, Mobilität und Klimaschutz – und um politische Strategien, die vor Ort tragfähig bleiben. mehr...

dena Energy Award: Bewerbungsphase eröffnet

[22.04.2026] Der dena Energy Award startet zum 20-jährigen Bestehen mit neuem Namen und erweitertem Fokus auf Dekarbonisierung. Unternehmen können sich bis Juni 2026 mit messbaren Effizienz- und Klimaschutzprojekten bewerben, die als Vorbild dienen. mehr...

Helmstedt: Energie-Kommune auch dank Bürgerförderung

[21.04.2026] Die Stadt Helmstedt treibt den Wandel ihrer Energieversorgung voran. Eine neue Wärmeplanung, große Projekte für Windkraft und Speicher sowie Bürgerförderung stehen im Mittelpunkt. Dafür erhält die Kommune eine bundesweite Auszeichnung. mehr...

Görlitz: Fahrplan für die klimaneutrale Stadt

[20.04.2026] Nach vier Jahren endet das Projekt TRUST in Görlitz mit mehreren Handlungsempfehlungen für den Weg zur Klimaneutralität. Die Ergebnisse stellte das Interdisziplinäre Zentrum für transformativen Stadtumbau Ende März im Rathaus vor. mehr...

Wolfsburg: Klimaneutrale Verwaltung bis 2040

[14.04.2026] Die Stadt Wolfsburg hat ein Konzept zur Klimaneutralität ihrer Verwaltung vorgelegt. Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen bis 2040 deutlich zu senken. Nun soll das Papier in die politischen Gremien eingebracht werden. mehr...

Sachsen-Anhalt: Haldensleben erhält Auszeichnung für Klimaschutz

[09.04.2026] Haldensleben erhält den neuen Titel „Energiegewinner-Kommune Sachsen-Anhalt“ für systematischen kommunalen Klimaschutz. Die Auszeichnung würdigt konkrete Strukturen und Projekte – und kompensiert das Aus des bisherigen eea-Zertifizierungsverfahrens. mehr...

Augsburg: Online-Plattform zeigt Klimaschutzmaßnahmen

[08.04.2026] Die Stadt Augsburg hat jetzt eine Online-Plattform zur transparenten Darstellung ihrer Klimaschutzmaßnahmen gestartet. mehr...

bericht

Tübingen: Klimaschutz, der funktioniert

[07.04.2026] Mit der Fortschreibung ihres Klimaschutzprogramms hat die Stadt Tübingen für die Sektoren Strom, Wärme und öffentlichen Verkehr einen klaren Transformationspfad definiert. Das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden, rückt damit in greifbare Reichweite. mehr...

BDEW/ZSW: 53 Prozent des Stromverbrauchs stammen aus Erneuerbaren

[07.04.2026] Erneuerbare Energien deckten im ersten Quartal 2026 erstmals 53 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland. Vor allem ein kräftiger Zuwachs bei der Windkraft treibt den Anteil nach oben und unterstreicht die wachsende Bedeutung für Versorgungssicherheit und Klimaziele. mehr...

Wolfsburg: Maßnahmenkatalog für Treibhausgasneutralität vorgelegt

[01.04.2026] Wolfsburg legt mit dem „Masterplan 100% Klimaschutz“ einen konkreten Fahrplan zur Treibhausgasneutralität bis 2040 vor. Der Maßnahmenkatalog soll zentrale Bereiche wie Verkehr, Gebäude und Energieversorgung neu ausrichten und steht im Mai zur politischen Entscheidung. mehr...