Montag, 13. April 2026

JenaDampf betriebenes Teilnetz stillgelegt

[11.11.2025] In Jena-Süd fließt künftig Heißwasser statt Dampf: Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck haben ihr Projekt zur Ablösung des alten Dampfnetzes abgeschlossen. Damit ist ein wichtiger Schritt hin zu einer klimaneutralen Fernwärmeversorgung geschafft.

Der Abschluss des Projekts symbolisch mit dem Setzen eines Schlusssteins gefeiert – begossen mit einem Glas heißen Wassers.

v.l.: André Sack, Stadtwerke Energie Geschäftsführer; Kristin Weiß, Stadtwerke Jena Netze-Geschäftsführerin; Christoph Krauße, Stadtwerke-Projektleiter

(Bildquelle: Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH)

Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck haben ihr Projekt Dampfablösung offiziell beendet. Wie das Unternehmen mitteilt, wurde damit ein mit Dampf betriebenes Teilnetz in Jena-Süd stillgelegt und an das zentrale Heißwassernetz angeschlossen. Das gilt als Grundvoraussetzung, um die Fernwärme künftig aus erneuerbaren Energien statt aus fossilem Erdgas zu gewinnen (wir berichteten).

Seit 2019 hatten die Stadtwerke an der Umstellung gearbeitet und 24 Einzelmaßnahmen umgesetzt. Der Abschluss des Projekts wurde am 7. November 2025 symbolisch mit dem Setzen eines Schlusssteins gefeiert – begossen mit einem Glas heißen Wassers. Geschäftsführer André Sack und Netz-Geschäftsführerin Kristin Weiß dankten den beteiligten Firmen und Beschäftigten für die zuverlässige Arbeit.

Große Veränderung

Technisch bedeutete das Vorhaben eine der größten Veränderungen am Jenaer Fernwärmenetz seit den 1990er Jahren. Das ehemalige Dampfnetz verlief über sieben Kilometer zwischen Winzerla und dem Industriegebiet Jena-Süd. Es transportierte bis zu 320 Grad heißen Wasserdampf, während das Hauptnetz mit maximal 130 Grad heißem Wasser arbeitet. Zuletzt waren über das Dampfnetz noch neun vorwiegend industrielle Großkunden versorgt worden. Deren Bedarf an Prozessdampf ging jedoch zurück, zugleich erwies sich das Hochtemperaturnetz als ungeeignet für den künftigen Betrieb mit erneuerbaren Energien.

Laut Stadtwerken wurden für die Umstellung unter anderem neue Heißwasserleitungen im Sandweg, im Lichtenhainer Oberweg, in der Lichtenhainer Straße und in der Moritz-von-Rohr-Straße verlegt. Zwei Wärmeübertragerstationen auf dem Gelände von Schott und der Ernst-Abbe-Hochschule wurden vollständig erneuert. Besonders anspruchsvoll waren die Arbeiten im Kreuzungsbereich Lichtenhainer Straße / Moritz-von-Rohr-Straße, wo ein unterirdisches Bauwerk entfernt und durch einen mehrarmigen Leitungsknoten ersetzt wurde. Eine zweitägige Unterbrechung der Fernwärmeversorgung für rund 12.000 Haushalte im Mai 2025 war die Folge – ein bisher einmaliger Vorgang.

Investitionen von rund 6,8 Millionen Euro

Insgesamt investierten die Stadtwerke rund 6,8 Millionen Euro in das Projekt, davon etwa die Hälfte im Jahr 2025. Weitere Maßnahmen sollen folgen: Nach Abschluss des Zeiss-Neubaus sind noch Restarbeiten in Jena-Süd geplant, zudem ist für 2027/28 ein Ersatzneubau der Rohrbrücke über die Kahlaische Straße vorgesehen.

Die Dampfablösung gilt als Auftakt für die umfassende Dekarbonisierung der Jenaer Fernwärme. Grundlage dafür ist die 2022 vorgelegte Wärmenetzstrategie, die eine klimaneutrale Versorgung bis 2040 vorsieht. Aktuell wird eine vom Bund geförderte Transformationsplanung erstellt, die bis Mitte 2026 konkrete Schritte und Zeitpläne für die künftige Wärmeversorgung Jenas festlegen soll.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Wärmeversorgung

Schwerin: Zwischenstand zur Wärmeplanung

[13.04.2026] Schwerin setzt in seiner Wärmeplanung auf einen massiven Ausbau der Fernwärme und eine klare Gebietseinteilung bis 2045. Die jetzt vorgestellten Szenarien zeigen, wo zentrale Netze dominieren – und wo Gebäudeeigentümer selbst Lösungen finden müssen. mehr...

Kronshagen: Altlastenfläche wird zum Bürgerpark

[10.04.2026] Kronshagen erschließt Erdwärme unter einem ehemaligen Altlastenstandort und koppelt das Projekt mit einer Parkentwicklung. Die frühzeitige Wärmeplanung ermöglicht klimaneutrales Heizen und zeigt, wie Kommunen mehrere Ziele gleichzeitig erreichen können. mehr...

Dresden: Kommunale Wärmeplanung überarbeitet

[09.04.2026] Dresden bringt eine überarbeitete Fassung seines kommunalen Wärmeplans in den Stadtrat ein, mit klarem Fokus auf den Ausbau von Wärmenetzen und lokale Lösungen. Die Maßnahmen bis 2028 sollen den hohen Erdgasanteil senken und die künftige Rolle des Gasnetzes klären. mehr...

Alt-Text: Bürgerversammlung der Stadt Leverkusen zur kommunalen Wärmeplanung: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sitzen in einem Veranstaltungsraum und verfolgen einen Vortrag auf einer großen Leinwand, auf der „Heizen mit Zukunft“ präsentiert wird.

Leverkusen: Plan für klimaneutrale Wärme liegt vor

[08.04.2026] Nach der Auswertung von Bürgerhinweisen liegt nun der finale Bericht zur Wärmeplanung der Stadt Leverkusen vor. Dieser benennt Einsparpotenziale sowie mögliche Ausbaugebiete für Wärmenetze. Bei Zustimmung des Rates kann die schrittweise Umsetzung beginnen. mehr...

Deutschlandkarte mit kommunaler Wärmeplanung auf Kreisebene: In verschiedenen Blautönen sind alle Kommunen dargestellt, wobei dunkle Flächen jene Kommunen kennzeichnen, die bereits einen fertigen Wärmeplan vorliegen haben. Diese konzentrieren sich vor allem in Süddeutschland sowie in einzelnen Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet, während in vielen anderen Regionen – insbesondere in Teilen Ostdeutschlands und ländlichen Gebieten – noch überwiegend hellere Flächen ohne abgeschlossene Planung dominieren.

BBSR: Wärmeplanung kommt voran

[07.04.2026] In Deutschland leben immer mehr Menschen in Kommunen mit einem fertigen Wärmeplan. Laut dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung waren es Ende 2025 knapp ein Drittel der Bevölkerung. Besonders weit sind einzelne Bundesländer im Süden und Norden. mehr...

Mehrere Männer stehen und sitzen an einem großen Holztisch in einem repräsentativen Raum und unterzeichnen gemeinsam Dokumente. Zwei Männer sitzen in der Mitte und unterschreiben die Absichtserklärung, während andere Beteiligte daneben stehen und zuschauen. Im Hintergrund sind die Flaggen Deutschlands, der Europäischen Union und Polens zu sehen.

Stadtwerke Görlitz: Deutsch-polnisches Projekt United Heat

[01.04.2026] In Görlitz hat der Bau eines deutsch-polnischen Fernwärmeprojekts begonnen. Das Vorhaben sieht vor, die Wärmenetze von Görlitz und Zgorzelec zu verbinden und bis 2030 klimaneutral zu machen. Die Bundesregierung unterstützt das Projekt mit rund 80 Millionen Euro. mehr...

Deutscher Städte- und Gemeindebund: Umsetzung der Wärmewende in Gefahr

[30.03.2026] Deutschlands Kommunen warnen vor einem finanziellen Kollaps, der Investitionen in die Wärmewende ausbremst. Ohne grundlegende Reformen und verlässliche Förderstrukturen drohen Planung und Umsetzung vor Ort ins Stocken zu geraten. mehr...

Studie: Wärmenetze trotz knapper Kassen finanzieren

[25.03.2026] Eine neue Studie zeigt, wie Kommunen Wärmenetze trotz knapper Kassen finanzieren und wirtschaftlich betreiben können. Sie liefert konkrete Modelle, Planungswege und ein Berechnungstool – entscheidend angesichts milliardenschwerer Investitionen bis 2030. mehr...

Dresden: Intelligentes Fernwärmenetz in Betrieb gegangen

[23.03.2026] In Dresden-Friedrichstadt ist ein digital gesteuertes Fernwärmenetz mit modularer Großwärmepumpe in Betrieb gegangen. Das Projekt zeigt, wie sich erneuerbare Wärme und intelligente Datensteuerung für eine effizientere und klimafreundliche Versorgung kombinieren lassen. mehr...

Stadtwerke Tübingen: Förderung für Großwärmepumpe erhalten

[20.03.2026] Die Stadtwerke Tübingen erhalten 23 Millionen Euro Förderung für eine Großwärmepumpe am Klärwerk. Damit gewinnt die Transformation der Fernwärme an Tempo und ein zentraler Baustein für die Dekarbonisierung rückt näher. mehr...

Von links: Wolf-Thomas Hendrich (Versorgungsbetriebe Hoyerswerda), Katrin Bartsch (Stadtwerke Weißwasser) und Michael Schiemenz (Städtische Werke Spremberg) unterzeichnen eine Vereinbarung.

Kooperation: Klimaneutrale Wärme in der Lausitz

[16.03.2026] Drei Stadtwerke aus der Lausitz treiben ihre Wärmewende voran. Die Unternehmen aus Weißwasser, Hoyerswerda und Spremberg haben einen Planervertrag für ein gemeinsames Projekt zur Transformation der Wärmeversorgung unterzeichnet. Das Ziel ist eine weitgehend dekarbonisierte Wärmeversorgung bis Mitte der 2030er Jahre. mehr...

BEE: Positionspapier empfiehlt Holzenergie für die Wärmeversorgung

[09.03.2026] Ein neues Positionspapier des Bundesverbands Erneuerbare Energie stellt Holzenergie als zentralen Baustein der Wärmewende dar. Angesichts geopolitischer Risiken und steigender Preise für Öl und Gas fordert der Verband, heimische Holzwärme stärker in der Wärmeversorgung zu berücksichtigen. mehr...

Jade Hochschule: Vereinheitlichung der kommunalen Wärmeplanung

[04.03.2026] Die Jade Hochschule will die kommunale Wärmeplanung in Niedersachsen mit einem landesweit einheitlichen Daten- und Methodenstandard harmonisieren. Ein neues, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördertes Forschungsprojekt soll Kommunen schneller zu belastbaren Entscheidungen über Wärmenetze oder dezentrale Lösungen führen. mehr...

Saarland: Studie analysiert Wärmeversorgung

[04.03.2026] Eine neue Studie analysiert die Wärmeversorgung im Saarland und zeigt Wege zur klimaneutralen Wärmewende auf. Die Untersuchung soll Kommunen eine belastbare Grundlage für ihre Wärmeplanung bis 2045 liefern. mehr...

Region Mitte Niedersachsen: Förderung dreier Klimaschutz-Projekte

[02.03.2026] Die Zukunftsregion Mitte Niedersachsen fördert drei Projekte zu Mikrowärmenetzen, energetischer Sanierung und Abfallpädagogik mit rund 540.000 Euro. Die Bescheide übergab Landesbeauftragter Ottmar von Holtz in Rehburg-Loccum und setzte damit ein Signal für die interkommunale Zusammenarbeit in Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. mehr...