Dienstag, 17. Februar 2026

B.KWKAnalyse der Rolle der KWK

[17.02.2026] Der Branchenverband B.KWK wertet in einer Kurzanalyse Messdaten aus dem Jahr 2025 aus. Demnach ergänzen KWK-Anlagen die erneuerbaren Energien gezielt und orientieren sich am Strommarkt. Der Verband fordert eine Verlängerung des Förderrahmens.
Detailansicht einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage mit grünem Gasmotor, Zylindern, Zündmodulen und Verkabelung in einem Technikraum.

Analyse: KWK-Anlagen sind definitiv keine Dauerläufer mehr.

(Bildquelle: Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V. (B.KWK))

Der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) hat eine Kurzanalyse zur Rolle der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) vorgelegt. Wie der Verband mitteilt, wurden dafür repräsentative Messdaten aus dem Jahr 2025 ausgewertet. Laut B.KWK zeigt die Analyse, dass KWK-Anlagen „definitiv keine ‚Dauerläufer‘“ sind. Sie ergänzen vielmehr das schwankende Angebot der erneuerbaren Energien im Erzeugungsprofil „ideal“. Zudem orientieren sich die Anlagen flexibel am Strommarkt. Sie werden „nahezu ausschließlich in den Stunden positiver Preise eingesetzt – also systemdienlich betrieben“.

Es wurden reale Einspeiselastgänge von rund 0,7 Gigawatt elektrischer Leistung ausgewertet. Die Anlagen stammen demnach vorwiegend aus der kommunalen Fernwärme und der Arealversorgung. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip aus einem größeren Bestand ausgewählt. Bis auf vernachlässigbare Ausnahmen gibt es demnach keine Dauerläufer mehr. Weniger als 0,5 Prozent des KWK-Stroms werden in Stunden mit negativen Preisen erzeugt. Die häufig zu hörende Aussage, dass sich KWK-Anlagen zu wenig am Strommarkt orientieren, sei damit „eindeutig widerlegt“, so der Verband.

Restlastdaten abgeglichen

Zur Analyse wurden die Erzeugungsdaten mit den Restlastdaten aus dem SMARD-System der Bundesnetzagentur abgeglichen. SMARD ist eine Online-Plattform der Bundesnetzagentur, die Strommarktdaten darstellt. Die Restlast bezeichnet den Strombedarf, der nicht durch erneuerbare Energien gedeckt ist. Laut B.KWK erzeugen KWK-Anlagen überwiegend dann Strom, wenn im Gesamtsystem nicht erneuerbare Kraftwerke zur Deckung der Restlast benötigt werden. Ein Ausbau der KWK würde demnach nicht die erneuerbaren Energien verdrängen, sondern die konventionelle, nicht gekoppelte Stromerzeugung ersetzen.

Auch für das Jahr 2030 sieht der Verband Bedarf für KWK-Leistung. Selbst wenn die Ausbauziele des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) erreicht würden, wäre zur Restlastdeckung eine nahezu unveränderte Leistung wie im Jahr 2025 erforderlich. Lediglich die Ausnutzungsdauer würde leicht zurückgehen. Zudem verweist der Verband auf die Entwicklung im Wärmesektor. Dort, wo keine Fernwärme verfügbar ist, wird Wärme zunehmend dezentral mit elektrisch betriebenen Wärmepumpen erzeugt. 

Die zusätzliche Stromlast fällt vor allem in Monaten mit geringem Angebot an erneuerbaren Energien an. Flexible und hocheffiziente KWK-Anlagen könnten hier ohne Verdrängung erneuerbarer Wärme einen volkswirtschaftlich sinnvollen Beitrag leisten. Dezentral verteilte KWK-Systeme in Lastschwerpunkten würden laut dem Verband die Resilienz und Stabilität des Energiesystems erhöhen. Zugleich könnten Doppelinvestitionen in nicht gekoppelte Spitzenlastkraftwerke vermieden werden. 

KWKG verlängern

Aus der Analyse leitet der B.KWK mehrere Forderungen ab. So soll das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) mindestens bis zum endgültigen Vollzug des Kohleausstiegs verlängert werden. Dieser ist voraussichtlich für das Jahr 2038 vorgesehen. Zudem schlägt der Verband vor, die Zuschlagszahlungen neu zu strukturieren. 70 Prozent davon sollen als feste Leistungsprämie gewährt werden. 30 Prozent sollen als variable Arbeitsprämie ausgestaltet sein, um die Rolle der KWK als Restlasterzeuger abzubilden. Außerdem wird ein Bonus auf den KWK-Zuschlag für die nachweisliche Verwendung von „Grüngasen“ gefordert. Damit sind neben Wasserstoff auch biogene Gase gemeint. Ebenso soll die Verlegung von Leitungen für diese Gase gefördert werden, analog zur Förderung von Wärmenetzen.

Zusätzliche Vergütung gefordert

Der Verband plädiert darüber hinaus für eine zusätzliche Komponente zur Vergütung von Systemdienstleistungen. Dazu zählt beispielsweise die Bereitstellung von Blindstrom, also elektrischer Leistung zur Stabilisierung der Netzspannung. Schließlich fordert der B.KWK, dass eine mögliche parallele Förderung im geplanten Kraftwerkssicherheitsgesetz (KWSG) nicht länger laufen darf als die Förderung im KWKG. Andernfalls könnten volkswirtschaftlich nachteilige Anreize entstehen, so die Ansicht des Verbands.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Kraft-Wärme-Kopplung

Herrenchiemsee: Kulturerbe hat Nahwärmesystem erhalten

[19.01.2026] Auf der Herreninsel im Chiemsee ist ein neues Nahwärmesystem mit Holzvergaser-Blockheizkraftwerk in Betrieb gegangen, das mehrere denkmalgeschützte Gebäude nahezu autark mit Wärme und Strom versorgt. Das Projekt zeigt, wie sich erneuerbare Energietechnik auch in sensiblen Kulturerbe-Strukturen technisch anspruchsvoll integrieren lässt. mehr...

Thüringen: Lösung optimiert iKWK-Anlage

[15.01.2026] Mit Optimierungstechnologie des Fraunhofer IOSB-AST steuert das Unternehmen TWS Thüringer Wärme Service seine neuen iKWK-Anlagen in Gera-Langenberg und Ohrdruf kostenoptimal und förderkonform. Die Lösung verbindet Marktchancen am Strommarkt mit hoher Versorgungssicherheit im Wärmenetz. mehr...

interview

Interview: Lösungen für die Balance im Netz

[06.01.2026] Aus dem BHKW-Pionier 2G Energy ist ein internationaler Anbieter dezentraler Energielösungen geworden. stadt+werk sprach mit dem neuen Vorstandschef Pablo Hofelich über Wachstum, Strategie und die Rolle des Unternehmens im Energiesystem der Zukunft. mehr...

Cogen Europe: Christian Grotholt erhält Lifetime Award

[05.12.2025] Cogen Europe hat Christian Grotholt in Brüssel für sein Lebenswerk in der europäischen Kraft-Wärme-Kopplung geehrt. Der Mitgründer von 2G Energy erhielt den Lifetime Award für jahrzehntelanges Engagement in der dezentralen Energieversorgung. mehr...

Stadtwerke Heidelberg: iKWK-Anlage nutzt Frequenzumrichter

[30.10.2025] Die Stadtwerke Heidelberg setzen bei ihrer innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage im Energiepark Pfaffengrund auf Ultra-Low Harmonic Drives von ABB. Die Frequenzumrichter sollen Oberwellen vermeiden und so einen stabilen und effizienten Betrieb der leistungsstarken Luft-Wasser-Wärmepumpen gewährleisten. mehr...

bericht

Kraft-Wärme-Kopplung: Klimaschutz wirtschaftlich erreichen

[06.10.2025] Die Elektrifizierung des Wärmesektors gewinnt an Bedeutung. Werden hier unterschiedliche Technologien klug kombiniert, gehen Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz Hand in Hand. Zudem sollten die Potenziale eines dezentralen Back-up-Systems besser gehoben werden. mehr...

Gotha: iKWK-Anlage in Betrieb

[18.08.2025] Die Gothaer Stadtwerke Energie haben in Gotha-Siebleben eine innovative Kraft-Wärme-Kopplungsanlage in Betrieb genommen. Das Zusammenspiel von Blockheizkraftwerk, Luft-Wärmepumpe und Power-to-Heat soll jährlich rund 230 Tonnen CO₂ einsparen und 400 Haushalte mit klimafreundlicher Wärme versorgen. mehr...

bericht

Quartierskonzepte: Krisensichere Energieversorgung

[04.08.2025] Die Kombination aus BHKW, Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher mit Notstromfunktion gewährleistet in der Gemeinde Wackersdorf die Versorgungssicherheit sowohl im Alltag als auch im Krisenfall. mehr...

interview

Interview: Mehr Mut zur Dezentralität

[24.07.2025] Nach drei Jahrzehnten an der Spitze von 2G Energy verabschiedet sich Christian Grotholt aus dem operativen Geschäft. Im Gespräch mit stadt+werk zieht der Mitgründer und langjährige CEO eine persönliche Bilanz. mehr...

Erkner: Zweite Großwärmepumpe angeliefert

[18.07.2025] Mit der Anlieferung der zweiten Großwärmepumpe ist das neue Heizsystem in Erkner Mitte vollständig. Ab Herbst liefert es erstmals grüne Fernwärme – mehr als die Hälfte davon aus erneuerbaren Quellen. mehr...

Bundesnetzagentur: Mehr Wettbewerb bei KWK

[14.07.2025] Die Bundesnetzagentur hat die Zuschläge für die Ausschreibungen von konventionellen und innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen vergeben. Die Nachfrage war in beiden Verfahren deutlich höher als das ausgeschriebene Volumen. mehr...

Stadtwerke Duisburg: Wärme aus der Kläranlage

[07.07.2025] Die Stadtwerke Duisburg haben an der Kläranlage Huckingen die größte innovative Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (iKWK) ihrer Art in Deutschland in Betrieb genommen. Sie entzieht gereinigtem Abwasser Wärme und speist diese in das Fernwärmenetz ein. mehr...

bericht

Serie Best Practice KWK: Konzept für resiliente Energieversorgung

[16.06.2025] Zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit bieten sich modular aufgebaute Gasmotorenkraftwerke an. Sie können bei Bedarf hochflexibel sowohl Strom für den Kapazitätsmarkt als auch Wärme für Fernwärmenetze bereitstellen. mehr...

KWK-Symposium: Schlüsseltechnologie für Energiewende

[13.06.2025] Am 11. Juni lud der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) gemeinsam mit der Universität Duisburg-Essen zum 23. KWK-Symposium nach Duisburg. mehr...