BerlinKicken und wärmen

Die Erdwärmekollektoren unter dem Spielfeld des Sportplatzes der Reinfelder Schule in Berlin-Charlottenburg und Wärmepumpen heizen künftig drei benachbarte Schulgebäude und eine Turnhalle klimafreundlich mit Umweltwärme.
(Bildquelle: TechnoCare GmbH)
Unter dem Sportplatz der Reinfelder Schule am Maikäferpfad in Berlin installiert ein Projektteam derzeit eine großflächige Erdwärmeanlage mit 8.800 Hochleistungs-Erdkollektoren. Wie das das Unternehmen Consulting Janssen mitteilt, versorgt die Anlage künftig drei Schulgebäude und eine Turnhalle über ein kaltes Nahwärmenetz vollständig mit erneuerbarer Wärme.
Im Auftrag des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf setzt das Consulting Janssen ein oberflächennahes Geothermie-Kollektorfeld um. Die Kollektoren des Herstellers GeoCollect entziehen dem Boden gespeicherte Umweltwärme. Wärmepumpen heben das Temperaturniveau an und speisen die Gebäude. Die Anlage ersetzt die bisherige Gasversorgung vollständig und dekarbonisiert die Wärmeversorgung der Liegenschaften.
Die thermische Leistung liegt bei rund 477 Kilowatt. Pro Jahr ersetzt das System etwa 118.000 Kubikmeter Erdgas, das entspricht rund 1,23 Gigawattstunden Energie. Nach Angaben der Projektbeteiligten sinken die CO₂-Emissionen um etwa 180 Tonnen jährlich. Die Bauzeit beträgt rund 14 Monate, die eigentliche Installation der Kollektoren erfolgt innerhalb weniger Monate im Zuge der ohnehin geplanten Sanierung des Spielfelds.
Konsequente Flächennutzung
Technisch nutzt das Projekt eine bestehende Fläche konsequent aus. Sportplätze eignen sich aufgrund ihrer Größe, der offenen Bauweise und planbarer Sanierungszyklen für großflächige Erdkollektorfelder. Da bei einer Erneuerung des Spielfelds ohnehin umfangreiche Erdarbeiten anfallen, lassen sich die Kollektoren mit vergleichsweise geringem Zusatzaufwand integrieren. Oberirdisch bleibt die Fläche uneingeschränkt nutzbar.
Auch wirtschaftlich soll sich das Modell rechnen. Eine Anlage mit einlagig verlegten Erdkollektoren unter einem Sportplatz kostet einschließlich Leitungen und Wärmepumpen rund 2,7 Millionen Euro. Förderprogramme ermöglichen Zuschüsse von bis zu 50 Prozent. Wirtschaftlichkeitsberechnungen zufolge amortisiert sich die Investition mit Förderung selbst bei konstanten Strom- und Gaspreisen nach 16 Jahren. Steigende Gas- und sinkende Strompreise verkürzen die Amortisationszeit auf zehn bis 13 Jahre. Danach erzeugt die Anlage dauerhaft günstigere Wärme als eine fossile Versorgung.
Übertragbares Konzept
„Dieses Leuchtturmprojekt macht sichtbar, welches Potenzial in großflächiger, intelligent geplanter Erdwärmenutzung für öffentliche Gebäude steckt. Und das in einem dicht besiedelten Innenstadtgebiet wie Berlin“, sagt Michael Roos von TechnoCare, dessen Büro die Anlage geplant hat und die Bauarbeiten betreut. Auch Fachberater Volkmar Frotscher sieht Vorteile für Kommunen, die im Rahmen ihrer Wärmeplanung wirtschaftlich tragfähige Lösungen suchen: Die Wärmeerzeugung erfolge dezentral, flächeneffizient und unabhängig von fossilen Energieträgern mit stark schwankenden Preisen.
Nach Einschätzung der Beteiligten lässt sich das Konzept auf weitere Sportflächen übertragen. In Deutschland gibt es rund 45.000 Fußball- und Bolzplätze sowie zahlreiche weitere Freiluftsportanlagen. Bereits ein einzelner Sportplatz kann je nach Auslegung 50 bis 80 Einfamilienhäuser oder mehrere öffentliche Gebäude wie Schulen, Kitas oder Sporthallen mit Wärme versorgen.
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