Mittwoch, 14. Oktober 2026

BorkenKaltes Nahwärmenetz geplant

[27.05.2026] Borken will ein kaltes Nahwärmenetz aufbauen, das Wärme aus gereinigtem Abwasser nutzt. Für das kommunale Modellprojekt stellen Bund und Kommune zusammen mehr als zehn Millionen Euro bereit – mit dem Ziel, öffentliche Gebäude weitgehend ohne fossile Energien zu beheizen.

Projektpartner des in Borken geplanten kalten Nahwärmenetzes.

v.l.: Ron Keßeler, Geschäftsführer der Stadtwerke Borken; Prof. Thomas Giel, Hochschule Mainz; Ramon Wolsink, Fachabteilungsleiter Abwasserbeseitigung der Stadt Borken; Markus Niehaus, Stadtwerke Borken; Benedikt Spieker, Technischer Dezernent des Kreises Borken; Jürgen Kuhlmann, Technischer Beigeordneter der Stadt Borken; Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing; Christian Mildenberger, Geschäftsführer der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz NRW.Energy4Climate

(Bildquelle: Stadt Borken)

Borken plant den Aufbau eines kalten Nahwärmenetzes, das Wärme aus dem Ablauf der städtischen Kläranlage gewinnt und öffentliche Gebäude versorgen soll. Wie der Kreis Borken, die Stadt Borken und die Stadtwerke Borken gemeinsam mitteilen, stellt das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit dafür rund 6,1 Millionen Euro Fördermittel bereit.

Das Projekt gehört zur Nationalen Klimaschutzinitiative und soll nach aktuellen Schätzungen rund 10,5 Millionen Euro kosten. Versorgt werden sollen unter anderem das Kreishaus, die Kläranlage, die Jodocus Nünning Gesamtschule sowie weitere zentrale öffentliche Einrichtungen. Stadt, Kreis und Stadtwerke wollen die Wärmeversorgung damit unabhängiger von fossilen Brennstoffen und externen Energielieferungen machen.

Kern des Vorhabens ist die Nutzung von Abwasserwärme nach dem Reinigungsprozess. Anders als bei vielen bestehenden Projekten soll die Energie nicht direkt aus dem Kanalnetz, sondern erst im Ablauf der Kläranlage entnommen werden. Das gereinigte Abwasser erreicht dort selbst im Winter Temperaturen von mindestens zehn Grad Celsius und liefert damit eine konstant verfügbare Wärmequelle. Laut den Projektpartnern lassen sich bereits durch eine Abkühlung um ein Grad Celsius rund 768 Kilowattstunden Wärme pro Stunde gewinnen.

Im Ablauf der Kläranlage soll dafür ein Wärmetauscher installiert werden. Die gewonnene Umweltwärme speisen die Stadtwerke anschließend in ein kaltes Nahwärmenetz ein. Dieses arbeitet mit niedrigen Systemtemperaturen und transportiert die Energie zu den angeschlossenen Gebäuden. Dort sollen Großwärmepumpen mit Pufferspeichern die Wärme auf das benötigte Temperaturniveau anheben.

Die Verantwortlichen sehen darin nicht nur Vorteile für den Klimaschutz, sondern auch für den Betrieb des Stromnetzes. Großwärmepumpen könnten gezielt dann laufen, wenn viel Strom aus Wind- und Solaranlagen verfügbar sei. Dadurch lasse sich überschüssige erneuerbare Energie nutzen und die Wärmeerzeugung wirtschaftlicher betreiben.

Ron Keßeler, Geschäftsführer der Stadtwerke Borken, bezeichnet das Vorhaben als Projekt mit bundesweitem Modellcharakter. Unterstützung erhält die Kommune unter anderem von der Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate sowie von Professor Thomas Giel von der Hochschule Mainz. Das Vorhaben soll wissenschaftlich begleitet werden.

Langfristig könnte das Netz erweitert werden. Nach Angaben der Projektpartner wäre grundsätzlich auch ein Anschluss weiterer öffentlicher Gebäude sowie von Wohn- und Gewerbegebieten möglich. Die Umsetzung des Projekts ist bis Sommer 2030 geplant.





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