Montag, 26. Oktober 2026

EnergiespeicherungGroßspeicher für Kohlerevier

[11.06.2026] Wie Speicher zum Strukturwandel beitragen können, zeigt ein Projekt, welches das Unternehmen Voltfang innerhalb von nur zwölf Monaten im ehemaligen Kohlerevier Alsdorf realisiert hat. Der Speicher ist wirtschaftlich rentabel und entlastet gleichzeitig das Netz.

Batteriegroßspeicher in Alsdorf soll als Blaupause für weitere Standorte dienen.

(Bildquelle: Voltfang GmbH)

Alsdorf, eine Stadt im Herzen der Aachener Städteregion, war lange geprägt von Kohlebergbau und industrieller Energieversorgung. Heute steht das ehemalige Kohlerevier für etwas anderes: für den konkreten Aufbau der Energie-Infrastruktur von morgen. In der Nähe eines Umspannwerks des Netzbetreibers Regionetz entsteht ein Batteriegroßspeicher mit einer Kapazität von 20 Megawattstunden (MWh) beziehungsweise 9,5 Megawatt (MW), welcher einer der ersten seiner Art in der Region ist. Das Projekt, das von Voltfang als gesamtverantwortlichem Unternehmen umgesetzt wird, steht stellvertretend für eine neue Generation kommunalnaher Energie-Infrastruktur: kein Kraftwerk, das Brennstoff verbrennt, sondern ein intelligentes System, das Energie dorthin verschiebt, wo sie gebraucht wird.

Weg führt durch Neuland

Der Weg vom ersten Konzept bis zur Baureife von Batteriespeichern ist für viele Akteure der Energiewende Neuland. Das Projekt durchlief alle wesentlichen Phasen der Standortentwicklung, angefangen bei der Flächenverfügbarkeit bis hin zur Netzanschlussprüfung und regulatorischen Machbarkeit. Dann folgten Genehmigungsverfahren, Umweltgutachten und die Verhandlung des Netzanschlusses mit dem zuständigen Netzbetreiber.

In Alsdorf hat Voltfang diesen Prozess von der Standortsicherung über alle Behördengänge bis hin zur technischen Auslegung des Systems vollständig übernommen. Im Ergebnis konnte das Projekt innerhalb einer Rekordzeit von zwölf Monaten fertiggestellt werden und kann nun als Blaupause für weitere Standorte dienen.

Aktiver Netzteilnehmer

Ein Batteriegroßspeicher ist kein passives Lager für überschüssigen Strom. Er ist ein aktiver Teilnehmer im Stromsystem, und genau deshalb für Stadtwerke relevant. Der Speicher in Alsdorf wird systemdienlich betrieben. Technisch verfügt er über einen festen Netzanschluss, über den er direkt am Energie­großhandelsmarkt teilnimmt. Dieses Prinzip des Arbitragehandels macht den Speicher wirtschaftlich rentabel und gleichzeitig netzentlastend. Für Stadtwerke entsteht so ein doppelter Mehrwert: weniger Netzstress auf der einen Seite, neue Erlösmöglichkeiten auf der anderen.

Pacht oder Beteiligung

Möchten Stadtwerke Großspeicherprojekte in ihrer Region begleiten, ohne selbst die Rolle des Projektentwicklers zu übernehmen, gibt es grundsätzlich zwei Ansätze: Flächenpacht und Projektbeteiligung.

Beim Pachtmodell stellt das Stadtwerk gegen einen langfristigen Pachtzins eine geeignete Fläche zur Verfügung, beispielsweise ein Umspannwerk-Gelände oder eine brachliegende Industriefläche. Marktübliche Pachterträge für Batteriegroßspeicher liegen laut aktuellen Branchenangaben bei zehn bis zwanzig Euro pro Quadratmeter jährlich – und somit deutlich über vergleichbaren Werten für Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Das Modell erfordert keine eigene Investition und bindet kein Kapital, bietet dafür aber geringere Renditepotenziale als eine direkte Beteiligung.

Durch Beteiligung tiefer einsteigen

Wer tiefer einsteigen möchte, kann sich als Mitinvestor an einem Speicherprojekt beteiligen. Die Erträge speisen sich dann aus dem Arbitragehandel am Energiegroßhandelsmarkt. Wie viel dabei verdient wird, hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab: der tatsächlichen Preisspanne am Spotmarkt und der Qualität der Betriebssoftware. Letztere entscheidet, wann genau der Speicher lädt und entlädt. Idealerweise reagiert sie in Echtzeit auf Börsensignale und optimiert den Einsatz des Speichers automatisch. Je präziser diese Steuerung, desto mehr lässt sich aus denselben Preisschwankungen herausholen. Stabile Renditeprognosen setzen daher eine ausgereifte, flexible Vermarktungsstrategie voraus und sind eng an die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Software geknüpft.

Ein wichtiger fiskalischer Aspekt: Durch das Jahressteuergesetz 2024 sollen 90 Prozent der Gewerbesteuer­einnahmen aus Energiespeicheranlagen bei der Standortkommune verbleiben – ein direkter Mehrwert für kommunale Haushalte, der unabhängig vom gewählten Beteiligungsmodell anfällt.

In Alsdorf zeigt sich der Bürgermeister Tim Krämer erfreut über den Strukturwandel in der Region: „Voltfang zeigt, wie die Energiewende vor Ort gelingen kann und wie Kommunen dazu beitragen können. Mit Großspeichern aus europäischer Fertigung wird hier eine tragende Säule für eine dezentrale und resiliente Energieversorgung geschaffen. Es zeigt auch, wie Innovation, Nachhaltigkeit und kommunale Interessen erfolgreich zusammengeführt werden.“


Roman Alberti, Der AutorRoman Alberti ist Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Energietechnik. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer der Voltfang GmbH und verantwortet dort die strategische Unternehmensentwicklung sowie den Ausbau zentraler Industrie- und Technologiepartnerschaften.



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