Sonntag, 1. November 2026

KoblenzKonkretisierung der Wärmepläne

[15.06.2026] Koblenz treibt die kommunale Wärmeplanung voran und konkretisiert Projekte für Wärmenetze in mehreren Stadtteilen. Neue Bundesvorgaben verändern zwar den gesetzlichen Rahmen, doch für Eigentümer werden nun wichtige Weichen für die künftige Wärmeversorgung gestellt.

Während eines Pressegesprächs informierten die Stadt Koblenz, die Stadtwerke Koblenz und die Energieversorgung Mittelrhein über die fortgeschrittene Entwicklung der kommunalen Wärmeplanung für Koblenz.

v.l.: Oberbürgermeister David Langner; Christoph Hesse, evm- Vorstand; Lars Hörnig, Geschäftsführer Stadtwerke Koblenz; Hubertus Hacke-Dietze, Christopher Dold, beide evm

(Bildquelle: Sascha Ditscher)

Die kommunale Wärmeplanung in Koblenz geht in die nächste Phase. In mehreren Stadtteilen arbeiten die Stadt Koblenz, die Stadtwerke Koblenz und die Energieversorgung Mittelrhein (evm) bereits an konkreten Projekten für eine klimafreundlichere Wärmeversorgung.

Wie die drei Partner mitteilen, bleibt das Ziel eine bezahlbare, verlässliche und schrittweise klimafreundlichere Wärmeversorgung. Seit dem Beschluss des Wärmeplans durch den Stadtrat im November 2024 seien zahlreiche Untersuchungen und Planungen vorangekommen.

Die Wärmeplanung soll Eigentümern Orientierung geben, welche Heizlösungen in ihrem Stadtteil sinnvoll sind. Dabei bleibt die Wahl der Technik grundsätzlich offen. Neben Wärmenetzen und Wärmepumpen kommen auch Hybridlösungen infrage. Nach den aktuellen Plänen des Bundes sollen neue Öl- und Gasheizungen weiterhin zulässig bleiben, allerdings mit einem schrittweise steigenden Anteil klimafreundlicher Energieträger. Vorgesehen ist nach Angaben der Beteiligten eine sogenannte Bio-Treppe. Ab 2029 müssten neue Anlagen zunächst zehn Prozent erneuerbare Brennstoffe nutzen, bis 2040 soll dieser Anteil auf 60 Prozent steigen (wir berichteten).

Festhalten am eingeschlagenen Kurs

Gleichzeitig plant die Bundesregierung Änderungen am Gebäudeenergiegesetz. Die bislang vorgesehene Pflicht, neue Heizungen ab Juli 2026 zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben, soll ebenso entfallen wie die dafür vorgesehene Frist. Oberbürgermeister David Langner sieht dadurch keine grundlegenden Auswirkungen auf die Koblenzer Strategie. Die Stadt halte am eingeschlagenen Kurs fest, um den Bürgern langfristige Planungssicherheit zu geben.

Besonders weit fortgeschritten sind die Arbeiten in mehreren Fokusgebieten. Im Rauental sollen die bestehenden Wärmenetze schrittweise dekarbonisiert und zugleich ausgebaut werden. Der Wärmeplan hatte dort günstige Voraussetzungen für ein größeres Netz identifiziert. Auch eine Zusammenarbeit der bisherigen Netzbetreiber wird geprüft.

Aktueller Stand der Vorhaben

Auf der Karthause haben die Untersuchungen ein Kerngebiet für ein neues Wärmenetz ergeben. Als besonders geeignet gilt der Bereich rund um Bundesarchiv, Berliner Ring und Flugfeld. Als mögliche Wärmequellen wurden Großwärmepumpen und Hackschnitzelkessel ermittelt.

In der Altstadt kamen die Untersuchungen dagegen zu einem anderen Ergebnis als zunächst erwartet. Ein flächendeckendes Wärmenetz gilt wegen der komplexen Infrastruktur als nicht umsetzbar. Stattdessen prüfen die Verantwortlichen kleinere, dezentrale Inselnetze, etwa im Bereich des Weindorfs, rund um St. Kastor oder an einzelnen Schulstandorten. Potenzial sehen die Planer vor allem in der Nutzung von Abwasser- und Rheinwasserwärme.

Für das Gebiet rund um den Industriehafen sowie die Stadtteile Kesselheim und Wallersheim läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie. Sie soll klären, welche Formen der Wärmeerzeugung dort künftig wirtschaftlich und technisch sinnvoll sind. An der Studie beteiligen sich neben Stadtwerken und evm auch Unternehmen aus dem Gebiet. Bund und Land fördern das Vorhaben.

Entwicklungen im Blick behalten

Für Eigentümer in potenziellen Wärmenetzgebieten empfehlen die Projektpartner, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. In den übrigen Stadtbereichen gehen die Planer überwiegend von dezentralen Lösungen aus. Nach Einschätzung von evm-Vorstand Christoph Hesse wird dort häufig die Wärmepumpe die bevorzugte Option sein. Neue Öl- und Gasheizungen seien zwar weiterhin möglich, könnten durch steigende Anforderungen und Kosten jedoch an Attraktivität verlieren.

Die Verantwortlichen betonen, dass die Wärmeplanung laufend weiterentwickelt wird. Aktuelle Machbarkeitsstudien sollen die Grundlage für konkrete Investitionsentscheidungen schaffen. Parallel dazu baut Koblenz die erneuerbare Stromerzeugung aus. Die installierte Photovoltaikleistung stieg nach Angaben der Beteiligten von 961 Kilowatt peak (kWp) im Frühjahr 2024 auf 2.171 kWp im März 2026. Bis Ende 2027 sollen insgesamt fünf Megawatt (MW) erreicht werden. Auch das Ende 2024 gegründete Unternehmen KO-Solar soll noch in diesem Jahr die Marke von einem MW installierter Leistung überschreiten.

Über den weiteren Fortgang der Wärmeplanung beraten zunächst heute der Haupt- und Finanzausschuss sowie der Koblenzer Stadtrat am 25. Juni.





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