Dienstag, 11. August 2026

IT-InfrastrukturVollumfassende Integration

[11.08.2026] Neue digitale Angebote und gesetzliche Anforderungen überfordern die IT-Landschaften der Stadtwerke zunehmend. Insbesondere bei systemübergreifenden Prozessen reichen punktuelle Integrationen nicht mehr aus. Gefragt sind vielmehr durchgängige Prozessketten, die verteilte Anwendungen zuverlässig verbinden.

Der Integration Layer verbindet Anwendungen, Partnerlösungen und energiewirtschaftliche Kernsysteme über eine Integrationsschicht.

(Bildquelle: Wilken GmbH)

Für Stadtwerke hat eine neue Phase der Digitalisierung begonnen. Immer mehr Kundinnen und Kunden erzeugen mit Photovoltaikanlagen selbst Strom, nutzen Batteriespeicher oder interessieren sich für dynamische Stromtarife. Gleichzeitig erwarten sie, dass sie ihre Anliegen einfach digital erledigen können.

Was aus Verbrauchersicht möglichst einfach funktionieren sollte, ist für Stadtwerke oft hochkomplex. Ihre Prozesslandschaft erstreckt sich über viele Bereiche: vom Kundenservice über Abrechnung, Messwesen, Marktkommunikation und Smart Metering bis hin zu neuen datenbasierten Geschäftsmodellen. Dennoch müssen die jeweiligen Abläufe reibungslos ineinandergreifen. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben sowie neue digitale Angebote. Gleichzeitig erschweren Fachkräftemangel und der Verlust von Erfahrungswissen den Betrieb und die Weiterentwicklung der IT.

Fachliche Fähigkeiten

Vor diesem Hintergrund gewinnen Lösungen an Bedeutung, die fachlich durchdachte, technisch integrierte und sicher betriebene Prozessketten bereitstellen. Anstelle der rein technischen Verbindung einzelner Tools durch punktuelle Schnittstellen steht nun die Frage im Vordergrund, wie sich eine schlüsselfertige, durchgängige End-to-End-Integration mit klarer Verantwortung für Funktion und Stabilität über Systemgrenzen hinweg realisieren lässt.

Die Wilken Software Group verfolgt diesen Ansatz mit ihrer Lösungsplattform GY. Das Ziel besteht darin, fachliche Funktionen entlang aller beteiligten Geschäftsprozesse zu gewährleisten, anstatt die internen Systemstrukturen technisch großflächig nach außen zu öffnen. Technische Grundlage dafür ist der sogenannte Integration Layer. Dieser verbindet Anwendungen, Partnerlösungen und energiewirtschaftliche Kernsysteme über eine Integrationsschicht.

Nur benötigte Informationen

Ein Kundenportal oder eine KI-Anwendung erhält beispielsweise nur die Informationen, die für den jeweiligen Anwendungsfall benötigt werden. Die Plattform koordiniert dabei die einzelnen Prozessschritte. Für Stadtwerke bedeutet das weniger Aufwand, da sie das Zusammenspiel zwischen Portal, Partnerlösung, Abrechnung, Messwesen und Marktkommunikation nicht als Integrationsprojekt herstellen, betreiben und bei veränderten Anforderungen aufwendig nachjustieren müssen. Die Prozessverantwortung liegt stattdessen bei der Lösungsplattform.

Für eine Kundin wirkt es wie ein einfacher Vorgang, wenn sie ihre Rechnungsadresse im Online-Portal ändert. Im Hintergrund müssen jedoch mehrere Systeme aktualisiert werden, beispielsweise die Vertragsverwaltung, die Abrechnung oder die Marktkommunikation. GY verbindet dafür fachliche Services mit einer ereignisbasierten Kommunikation. Anwendungen lösen Vorgänge aus und erhalten relevante Statusänderungen, Verarbeitungsergebnisse und fachliche Ereignisse zurück. Dadurch lassen sich Prozesse auch dann fortsetzen, wenn einzelne Systeme vorübergehend nicht erreichbar sind oder Arbeitsschritte zeitversetzt ausgeführt werden.

Domänenorientierter Ansatz

Wenn Portale und Partnerlösungen über die Lösungsplattform Vorgänge anstoßen und Prozessinformationen zurückerhalten, stellt sich unmittelbar die Frage, wie in diesem Zusammenspiel Sicherheit und eine hohe Verfügbarkeit gleichzeitig gewährleistet werden können. GY verfolgt bei der Bereitstellung von Funktionen und Informationen einen domänenorientierten Ansatz. Anwendungen arbeiten nicht mit den internen Datenmodellen der Kernsysteme, sondern über die Lösungsplattform mit fachlich definierten Funktionen innerhalb klar abgegrenzter Nutzungskontexte. Dadurch wird bereits auf architektonischer Ebene festgelegt, welche Informationen und Funktionen für einen bestimmten Anwendungsfall verfügbar sind.

Zugleich erhöht dieser Ansatz die Ausfallsicherheit. Da Anwendungen nicht direkt von einzelnen Kernsystemen abhängig sind, können Verarbeitungsschritte zeitversetzt erfolgen, ohne dass Informationen verloren gehen oder manuelle Nacharbeiten erforderlich werden. Dadurch bleibt die digitale Kundenschnittstelle handlungsfähig, während die Plattform im Hintergrund unterschiedliche Systeme und Prozesszustände stabil zusammenführt.

Grundlage für KI-Einsatz

Die gleiche Architektur erleichtert auch den Einsatz von KI-Anwendungen. KI-Systeme benötigen klar beschriebene Geschäftsfunktionen, nachvollziehbare Prozesszustände und eindeutig definierte fachliche Kontexte. In der Energiewirtschaft ist das von besonderer Bedeutung, da fachliche Zusammenhänge häufig über mehrere Systeme verteilt sind. Eine KI muss beispielsweise nicht wissen, wie ein Abschlag intern im Abrechnungssystem abgebildet ist. Sie muss jedoch in der Lage sein, ihn einer Person, einem Vertrag, einem Verbrauch und einem Tarif zuzuordnen und den Prozesszustand eines Vorgangs zu erkennen.

Diese Zusammenhänge stellt GY über den Integration Layer kon­trolliert auf Plattformebene bereit. Damit wird KI nicht als zusätzliches Werkzeug neben einzelnen Fachsystemen eingesetzt, sondern in das Zusammenspiel der Anwendungen integriert. So kann KI Anfragen einordnen, Prozessschritte vorbereiten und Mitarbeitende entlasten, ohne dass neue Einzellösungen oder zusätzliche Schnittstellenkomplexität geschaffen werden.

Die schlüsselfertige End-to-End-Integration in GY konzentriert sich daher auf die kontrollierte Abbildung vollständiger Geschäftsprozesse über eine verteilte Systemlandschaft hinweg. Der Nutzen für Stadtwerke geht dabei weit über die Integration von Systemen hinaus. Er umfasst auch die Verantwortung des IT-Anbieters für das Zusammenspiel der gesamten Prozess­kette – von der digitalen Kundenschnittstelle über Partnerlösungen bis hin zur Verarbeitung im energiewirtschaftlichen Kernsystem. Denn aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher zählt letztlich, dass ihr Anliegen einfach, zuverlässig und jederzeit bearbeitet wird.


Der Autor, Jochen ZankerJochen Zanker ist Corporate Technology Lead und Enterprise Architect bei der Wilken Software Group. Sein Fokus liegt auf Endkundenportalen sowie der End-to-End-Integration von Partnerlösungen in digitale Plattformen und Geschäftsprozesse. Aktuell ist er mitverantwortlich für die Integrationsthemen rund um die GY-Lösungsplattform.

Stichwörter: Informationstechnik, Wilken, GY


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