Dienstag, 11. August 2026

Kreis SteinfurtBürgerwind sichert Wertschöpfung vor Ort

[11.08.2026] Im Kreis Steinfurt soll Bürgerwind dafür sorgen, dass ein größerer Teil der Wertschöpfung aus Windenergie in der Region bleibt. Kommunen, Bürger, Banken und Unternehmen sind dabei über ein regionales Netzwerk in die Projekte eingebunden.

Hörstels Bürgermeister David Ostholthoff engagiert sich seit Vereinsgründung in 2017 als Vertreter der Städte und Gemeinden im Vorstand von energieland2050.

(Bildquelle: Stadt Hörstel)

Bürgerwindparks sollen im westfälischen Kreis Steinfurt nicht nur erneuerbaren Strom erzeugen, sondern auch Einnahmen und Beteiligungsmöglichkeiten in der Region sichern. Wie der Kreis Steinfurt berichtet, unterstützt der Verein energieland2050 mit seiner Servicestelle Windenergie deshalb den Ausbau von Windprojekten unter Beteiligung lokaler Akteure.

Für Städte und Gemeinden entstehen dabei verschiedene Einnahmequellen. Dazu zählen Zahlungen nach § 6 EEG, Gewerbesteuern und Pachteinnahmen für kommunale Flächen. Auch eigene Beteiligungen an Windparks sind möglich. Nach Angaben des Kreises kann eine moderne Windenergieanlage über § 6 EEG abhängig vom Ertrag bis zu rund 40.000 Euro jährlich an eine betroffene Kommune zahlen. Über 20 Jahre könnten damit bis zu 800.000 Euro je Anlage zusammenkommen.

Einnahmen aus Gewerbesteuer

Im Kreis Steinfurt summieren sich die Einnahmen aus Gewerbesteuer und Zahlungen nach § 6 EEG nach Angaben des Kreises auf rund zehn Millionen Euro pro Jahr. Das Geld können Kommunen beispielsweise für Kitas und Schulen, Klima- und Umweltschutz oder die Dorfentwicklung einsetzen. „Während die Kosten für die Städte steigen und andere Steuereinnahmen wegbrechen, helfen uns die Einnahmen aus der Windenergie, vor Ort handlungsfähig zu bleiben“, sagt der Bürgermeister von Hörstel, David Ostholthoff (SPD).

Kommunen können zudem Einfluss darauf nehmen, wie neue Windprojekte umgesetzt werden. Bei der Ausweisung neuer Windgebiete können sie verlangen, dass Projekte nach den Leitlinien des Kreises als Bürgerwind zertifiziert werden. Damit soll eine breite Beteiligung erreicht und ein möglichst großer Teil der Wertschöpfung in der Region gehalten werden. Hörstel hat diesen Weg bereits eingeschlagen.

Eine wichtige Rolle übernehmen dabei regionale Sparkassen und Volksbanken. Sie arbeiten im Bürgerwind-Netzwerk und am „Runden Tisch Wind“ mit. Dort treffen sich unter anderem Kommunen, Stadtwerke, Landwirtschaft, Naturschutz, Windparkbetreiber und Banken. Die Institute bringen Erfahrung mit regionalen Beteiligungsmodellen, Bürgerwindgesellschaften und Projektfinanzierungen ein.

Wertschöpfung soll in Region bleiben

Auch die Finanzierung kann dazu beitragen, dass Wertschöpfung in der Region bleibt. Nach Angaben des Kreises haben regionale Banken unter anderem Bürgerwindprojekte durch die Vorfinanzierung von Eigenkapital unterstützt. Bürger konnten sich dadurch teilweise erst beteiligen, nachdem Bau und Inbetriebnahme der Anlagen abgeschlossen waren. Ein Teil der Risiken aus der Bauphase war damit bereits entfallen.

Die Leitlinien und der Kriterienkatalog für zertifizierten Bürgerwind sehen zudem vor, regionale Sparkassen und Volksbanken bei der Finanzierung des Fremdkapitals einzubinden. Dadurch verbleibt neben den Erträgen aus dem Anlagenbetrieb auch ein Teil der Finanzierungsleistung in der Region. Nach Angaben des Kreises haben regionale Institute einen erheblichen Teil der Investitionen in Windenergie begleitet. In den vergangenen 25 Jahren wurden demnach rund 1,5 Milliarden Euro in Windenergieprojekte im Kreis investiert.

Dichtes regionales Netzwerk

Der Kreis Steinfurt verfügt für solche Modelle über ein dichtes regionales Netzwerk. Alle 24 kreisangehörigen Städte und Gemeinden sind Mitglied im energieland2050. Hinzu kommen Unternehmen, Stadtwerke, Banken, wissenschaftliche Einrichtungen sowie Akteure aus Naturschutz und Landwirtschaft. Der Verein bündelt Beratung und Austausch und unterstützt die Entwicklung von Bürgerwindprojekten.

Die Grundlagen dafür entstanden bereits vor rund 15 Jahren. Damals wurden unter anderem eine kreisweite Potenzialanalyse, die Servicestelle Wind und der Runde Tisch Windenergie aufgebaut. Hinzu kamen Leitlinien für Bürgerwindparks. Sie sollen einen transparenten und ausgewogenen Ausbau ermöglichen und die Beteiligung der Bevölkerung stärken.

Windenergie gehört im Kreis Steinfurt neben der Solarenergie zu den wichtigsten Säulen der Energiewende. Die installierte Windleistung liegt nach Angaben des Kreises bei rund 700 Megawatt. Damit decken die Anlagen rund 60 Prozent des gesamten Strombedarfs im Kreisgebiet. Der weitere Ausbau geeigneter Flächen soll dazu beitragen, das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen.

Vorreiterregion beim Bürgerwind

Beim Bürgerwind zählt der Kreis Steinfurt nach eigenen Angaben zu den Vorreiterregionen in Deutschland. Derzeit sind zehn Windparks mit insgesamt 72 Anlagen und rund 300 Megawatt Leistung als Bürgerwindparks zertifiziert. Weitere Projekte befinden sich im Verfahren. Rund 5.000 Menschen aus dem Kreis sind als Kommanditisten oder über die Kreisgenossenschaft EKSBEG an den Windparks beteiligt.

Der Kreis versteht Bürgerwind damit als Modell, bei dem Kommunen, Bevölkerung, Finanzinstitute und Unternehmen gemeinsam am Ausbau der Windenergie mitwirken. Neben der Stromerzeugung stehen dabei regionale Beteiligung und kommunale Einnahmen im Mittelpunkt.





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