Freitag, 23. Oktober 2026

BatteriespeicherZubau steigt um 91 Prozent

[23.10.2026] Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland hat sich in den ersten neun Monaten 2026 deutlich beschleunigt. Vor allem Großspeicher treiben das Wachstum, während der Bundesverband Solarwirtschaft weitere Reformen fordert, um Speicher besser in das Stromnetz zu integrieren.

Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland hat sich in den ersten neun Monaten 2026 deutlich beschleunigt.

(Bildquelle: BSW-Solar)

In Deutschland wurden von Januar bis September 2026 mehr als 500.000 Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von rund 8,2 Gigawattstunden (GWh) neu installiert. Das entspricht einem Anstieg der neu installierten Speicherkapazität um 91 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) mitteilt, geht dies aus einer Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur hervor. Besonders stark wuchs der Markt für Großspeicher, deren Zubau sich mehr als vervierfachte.

Nach Angaben des Verbands wurden in den ersten neun Monaten des Jahres Großspeicher mit einer Kapazität von rund 3,8 GWh neu installiert. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 350 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit entfiel nahezu die Hälfte der neu hinzugekommenen Speicherkapazität auf dieses Segment. Auch kleinere Speicher legten zu: Bei Heimspeichern stieg der Zubau um 20 Prozent auf 3,2 GWh, bei Gewerbespeichern um 67 Prozent auf rund 0,7 GWh. Kleinstspeicher verzeichneten einen Zuwachs von 33 Prozent auf etwa 0,5 GWh.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der BSW-Solar einen Zubau von deutlich mehr als zehn GWh. Die Zahlen beruhen auf dem Datenstand vom 12. Oktober 2026. Durch Nachmeldungen könnten die Werte noch steigen.

Verband fordert 15 Reformmaßnahmen

Um den Ausbau weiter zu beschleunigen, hat der BSW-Solar ein Positionspapier mit 15 Reformvorschlägen veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen der Netzanschluss von Speichern, ihr Einsatz zur Entlastung der Verteilnetze und Änderungen beim Redispatch.

Der Verband fordert unter anderem einen verbindlichen Anspruch auf flexible Netzanschlussvereinbarungen. Damit sollen Batteriespeicher leichter gemeinsam mit Solar- und Windkraftanlagen sowie an Verbrauchsstandorten betrieben werden können. Zudem sollen Verteilnetzbetreiber verpflichtet werden, gezielt netzdienliche Speicher an Umspannwerken auszuschreiben. Diese könnten nach Einschätzung des Verbands Netzengpässe verringern und vorhandene Netzkapazitäten besser auslasten.

Eine weitere Forderung betrifft den Redispatch, mit dem Netzbetreiber die Stromerzeugung bei drohenden Netzengpässen anpassen. Künftig soll die Steuerung nach Vorstellung des BSW-Solar am Netzverknüpfungspunkt statt an einzelnen Erzeugungsanlagen ansetzen. Dadurch könnte überschüssiger Solarstrom bei vorübergehenden Engpässen gespeichert werden, anstatt die Erzeugungsanlagen abzuregeln.

Der Verband appelliert an Bundesregierung und Bundestag, die Vorschläge bei den anstehenden Reformen des Netzpakets und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu berücksichtigen.

Fraunhofer IEE sieht Einsparpotenzial in Milliardenhöhe

Welchen wirtschaftlichen Nutzen zusätzliche Batteriespeicher haben könnten, zeigen Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE). Demnach hätten zusätzliche Speicherkapazitäten von 80 GWh allein im Jahr 2025 Verbraucher und Bundeshaushalt um nahezu vier Milliarden Euro entlasten können.

Nach Einschätzung der Fraunhofer-Forscher müsste bis 2030 jährlich etwa das Vier- bis Fünffache der derzeit neu erschlossenen Flexibilität hinzukommen, um den geplanten Ausbau erneuerbarer Energien möglichst kostengünstig in das Stromsystem zu integrieren.

Eine weitere Studie des Fraunhofer IEE untersucht den Einsatz von Batteriespeichern an Umspannwerken. Demnach könnten solche Speicher bislang ungenutzte Netzreserven erschließen. Unter den untersuchten Bedingungen wäre es laut Studie möglich, deutlich mehr Photovoltaikanlagen an bestehende Verteilnetze anzuschließen. Die installierte Photovoltaikleistung könnte sich dabei unter bestimmten Voraussetzungen sogar verdoppeln.

Der BSW-Solar fordert deshalb eine stärkere politische Koordinierung des Speicherausbaus. Aus Sicht des Verbands fehlen bislang klare Zuständigkeiten, verbindliche Ausbauziele und eine übergreifende Speicherstrategie der Bundesregierung.





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