Samstag, 17. Oktober 2026

MainovaBilanz und Ausblick in die Zukunft

[05.09.2023] Auf der Hauptversammlung des regionalen Energieversorgers Mainova zog der Vorstandsvorsitzende Constantin H. Alsheimer Bilanz des vergangenen Jahres und warf einen Blick in die Zukunft. Es war seine letzte Rede in diesem Rahmen, da Alsheimer Anfang 2024 zur Thüga Aktiengesellschaft wechselt.
Der Mainova-Vorstandsvorsitzende Dr. Constantin H. Alsheimer (l.) mit dem neu gewählten Aufsichtsratsvorsitzenden Oberbürgermeister Mike Josef (r.) und dessen Vorgängerin Stephanie Wüst

Der Mainova-Vorstandsvorsitzende Dr. Constantin H. Alsheimer (l.) mit dem neu gewählten Aufsichtsratsvorsitzenden Oberbürgermeister Mike Josef (r.) und dessen Vorgängerin Stephanie Wüst, Stadträtin und Dezernentin der Stadt Frankfurt.

(Bildquelle: Mainova AG)

In der vergangenen Woche fand die Hauptversammlung des regionalen Energieversorgers Mainova statt. Dabei habe der Vorstandsvorsitzende Constantin H. Alsheimer festgestellt, dass das Unternehmen trotz der hohen Anforderungen durch die beispiellosen Preissteigerungen auf den Energiemärkten und des insgesamt schwierigen Marktumfelds ein zufriedenstellendes bereinigtes Ergebnis in Höhe von 125,4 Millionen Euro erzielen konnte.
Alsheimer habe auch darauf hingewiesen, dass erhebliche Investitionen notwendig seien, um den Anforderungen des Umbaus der Energieversorgung und der zunehmenden Digitalisierung in der Region gerecht zu werden. Insgesamt wolle Mainova in den nächsten fünf Jahren mehr als zwei Milliarden Euro investieren. Dazu gehöre auch der weitere Netzausbau: Allein bis 2027 werde Mainova gemeinsam mit den vorgelagerten Netzbetreibern die Stromnetzkapazitäten für Frankfurt um rund 50 Prozent erhöhen, ein weiterer Stromnetzausbau darüber hinaus sei geplant.
Alsheimer habe in seiner Rede betont, dass ein wesentlicher Schwerpunkt der Investitionen auf der Dekarbonisierung der Erzeugung liegen werde und verwies auf die im vergangenen Jahr verabschiedete Dekarbonisierungsstrategie des Unternehmens: „Mit passgenauen Produkten und Dienstleistungen unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Und wir selbst wollen bis spätestens 2040 klimaneutral sein“, so der Vorstandsvorsitzende.

Maßnahmen für Klimaneutralität

Wesentliche Bausteine sind laut Mainova der Umbau des Heizkraftwerks West zu einem wasserstofffähigen Vorzeigekraftwerk, der weitere Ausbau der Fernwärme sowie die Einbindung des Biomassekraftwerks Fechenheim und die Nutzung der Abwärme aus Rechenzentren. Auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien, unter anderem durch einen der größten deutschen Photovoltaikparks im Boitzenburger Land (Brandenburg), sei das Unternehmen auf einem guten Weg.
Bereits im vergangenen Geschäftsjahr habe Mainova deshalb im Rahmen ihrer Investitionsstrategie die Investitionen in Klimaschutz und Versorgungssicherheit auf 340 Millionen Euro verdoppelt. Neu und erschwerend für die Strategie seien jedoch die Folgen des russischen Kriegs in der Ukraine. Damit verbunden seien unter anderem allgemeine Preissteigerungen für alle Projekte. „Das belastet uns als Unternehmen generell, insbesondere aber unsere ambitionierten Investitionsprojekte“, erklärte Alsheimer. Zudem habe sich beispielsweise die Risikoeinschätzung der Banken verändert, die nun höhere Anforderungen an die Finanzierung von Energieversorgern stellten.
Um die anstehenden Investitionen realisieren zu können, soll nach Angaben des Energieversorgers ein Teil dieser Investitionen auch durch eine Stärkung des Eigenkapitals der Mainova durch die Ausgabe neuer Aktien finanziert werden. Zu diesem Zweck soll ein genehmigtes Kapital geschaffen werden, das Vorstand und Aufsichtsrat in die Lage versetzt, das Grundkapital je nach Investitionsbedarf flexibel zu erhöhen. Den Aktionären soll dabei ein Bezugsrecht eingeräumt werden.
Dies sei von der Hauptversammlung beschlossen worden.

Energiewende als Chance

Ferner habe Alsheimer in seiner Rede betont, dass Mainova die Umsetzung der Energiewende nicht nur als Herausforderung, sondern auch als große unternehmerische Chance begreife. Sie erfordere aber auch eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung. In diesem Zusammenhang habe er die gesetzgeberische Entscheidung begrüßt, den Umbau des Wärmemarkts über kommunale Wärmepläne zu steuern. Die Energiewende müsse dezentral organisiert werden und sei daher vor allem auch eine Aufgabe der Kommunen, zumal viele stadtplanerische Entscheidungen damit verbunden seien. Alsheimer forderte zudem schnellere Genehmigungsprozesse: „Die immer deutlicher werdenden Forderungen nach Bürokratieabbau und Genehmigungsbeschleunigung auf Bundes- und Landesebene werden ebenso im kommunalen Kontext von Bedeutung sein. Auch hier bedarf es einer deutlichen Beschleunigung und Vereinfachung der Genehmigungsprozesse, wenn der Zeitplan für den Ausbau der städtischen Infrastruktur eingehalten werden soll.“
Für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende spiele Wasserstoff zudem eine zentrale Rolle – nicht zuletzt aufgrund seiner großvolumigen Speicherfähigkeit. Um die ambitionierten Klimaschutzziele auch vor Ort erreichen zu können, sei die rechtzeitige und ausreichende Verfügbarkeit von Wasserstoff entscheidend. „Wir freuen uns, dass wir seit einiger Zeit auf nahezu allen politischen Ebenen Offenheit und Unterstützung für Wasserstoffanwendungen erfahren. Gemeinsam mit anderen regionalen Energieversorgern und Unternehmen arbeiten wir daran, die so wichtige Anbindung Frankfurts und des Rhein-Main-Gebiets an die Hauptachsen der deutschen Wasserstoffinfrastruktur zu realisieren“, so Alsheimer.

Letzte Rede

Eine wesentliche Voraussetzung für die Energiewende sei zudem eine ausreichende Zahl qualifizierter Fachkräfte. Der enorme branchenübergreifende Personalbedarf bedürfe daher der Unterstützung auch auf bundespolitischer Ebene.
Alsheimer, der Anfang 2024 als neuer Vorstandsvorsitzender zur Thüga Aktiengesellschaft wechseln wird, habe sich in seiner letzten Rede vor der Hauptversammlung bei den Mitgliedern des Vorstands und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Mainova für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit bedankt. „Die Zeit bei Mainova war für mich intensiv, ereignisreich und prägend. Gemeinsam haben wir in den vergangenen 18 Jahren viel erreicht. Dazu zählen unter anderem die Verdoppelung des Eigenkapitals und eine Ergebnissteigerung von rund 40 Prozent. Durch den Erwerb von mehr als 30 Unternehmen und den Aufbau neuer Geschäftsfelder haben wir das Unternehmen strategisch diversifiziert und deutlich robuster aufgestellt. Und wir haben einen bundesweiten Vertrieb aufgebaut und uns im Wettbewerb gut behauptet“, erklärte er.

Neu- und Wiederwahlen

Der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) ist nach Angaben der Mainova neu in den Aufsichtsrat gewählt worden. In seiner anschließenden Sitzung habe ihn das Gremium zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt.
Josef trete die Nachfolge von Stephanie Wüst, Stadträtin und Dezernentin der Stadt Frankfurt, an, die seit 2022 den Aufsichtsrat leitet und weiterhin Aufsichtsratsmitglied bleibt.
Ebenfalls neu in den Aufsichtsrat gewählt worden seien die Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Bündnis 90/Die Grünen) sowie die Stadtverordneten Martin Frederick Huber und Tina Zapf-Rodriguez.
Wiedergewählt worden seien neben Stephanie Wüst auch der Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt Bastian Bergerhoff. Ausgeschieden seien Professor Daniela Birkenfeld, Peter Feldmann, Markus Frank und Eugenio Munoz del Rio.



Stichwörter: Unternehmen, Mainova,


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