BundesnetzagenturNetzengpässe verursachen höhere Kosten

Die Kosten für das Netzengpassmanagement sind im zweiten Quartal 2026 leicht gestiegen.
(Bildquelle: adobestock)
Die Kosten für das Netzengpassmanagement in Deutschland sind im zweiten Quartal 2026 trotz eines geringeren Maßnahmenvolumens leicht gestiegen. Wie die Bundesnetzagentur auf ihrer Informationsplattform SMARD mitteilt, beliefen sich die vorläufigen Gesamtkosten auf 673 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal waren es 659 Millionen Euro. Gleichzeitig sank das Maßnahmenvolumen von 5.878 auf 5.263 Gigawattstunden (GWh). Das entspricht einem Rückgang um rund zehn Prozent.
Hauptgrund für den Kostenanstieg waren nach Angaben der Bundesnetzagentur die höheren Vorhaltekosten für Reservekraftwerke. Diese stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 17 Prozent von 219 auf 256 Millionen Euro. Die Einsatzkosten blieben mit 81 Millionen Euro nahezu unverändert. Insgesamt verursachte die Netzreserve damit Kosten von 337 Millionen Euro. Als Ursachen für die gestiegenen Vorhaltekosten nennt die Behörde unter anderem die Aufnahme neuer Anlagen in die Netzreserve sowie höhere Personal- und Instandhaltungskosten.
Höhere Brennstoff- und Großhandelspreise
Auch die Kosten für Redispatchmaßnahmen mit konventionellen Marktkraftwerken erhöhten sich. Sie stiegen um elf Prozent von 179 auf 199 Millionen Euro. Ausschlaggebend waren laut Bundesnetzagentur vor allem höhere Brennstoff- und Großhandelspreise. Dagegen sank der finanzielle Ausgleich für die Abregelung erneuerbarer Energien um 21 Prozent auf 126 Millionen Euro. Neben dem geringeren Abregelungsvolumen trugen dazu die gestiegenen Strompreise bei. Der durchschnittliche Großhandelspreis lag im zweiten Quartal 2026 bei 95 Euro je Megawattstunde und damit 36 Prozent über dem Vorjahreswert.
Weniger erneuerbarer Strom abgeregelt
Das Volumen der Redispatchmaßnahmen mit erneuerbaren Energien ging im zweiten Quartal 2026 um rund zehn Prozent auf 2.102 GWh zurück. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Offshore-Windenergieanlagen aus. Hier sank das Volumen um 28 Prozent von 575 auf 415 GWh. Bei Windenergieanlagen an Land verringerte es sich von 550 auf 527 GWh.
Die Bundesnetzagentur führt diese Entwicklung unter anderem auf das geringere Windaufkommen zurück. Bei Offshore-Windenergieanlagen wirkten sich zudem veränderte Netzflüsse infolge der hohen Photovoltaikeinspeisung und der fortschreitende Netzausbau aus.
Bei Photovoltaikanlagen fiel der Rückgang mit vier Prozent geringer aus. Das Redispatchvolumen sank von 1.171 auf 1.124 GWh. Gegenüber dem zweiten Quartal 2024 mit 607 GWh hat es sich damit allerdings nahezu verdoppelt. Insgesamt mussten nach Angaben der Bundesnetzagentur drei Prozent der erneuerbaren Stromerzeugung abgeregelt werden. Die übrigen 97 Prozent konnten ins Netz eingespeist und von den Letztverbrauchern genutzt werden.
Netzengpässe verlagern sich
Mehr Engpässe im Verteilernetz
Eine weitere Entwicklung zeigt sich bei der Verteilung der Netzengpässe. Erstmals wurde in einem Quartal mehr erneuerbarer Strom aufgrund von Engpässen im Verteilernetz abgeregelt als wegen Engpässen im Übertragungsnetz. Auf das Verteilernetz entfielen 52 Prozent der entsprechenden Redispatchmenge, auf das Übertragungsnetz 48 Prozent.
Im Vorjahresquartal hatte das Verhältnis noch bei 49 zu 51 Prozent gelegen. Im zweiten Quartal 2024 waren lediglich 29 Prozent der Redispatchmenge auf Engpässe im Verteilernetz zurückzuführen. Damit setzt sich nach Angaben der Bundesnetzagentur eine bereits in den vergangenen Quartalen erkennbare Verschiebung fort.
Zum Ausgleich der Abregelungen erhöhten konventionelle Marktkraftwerke ihre Einspeisung um 1.093 GWh. Hinzu kamen 283 GWh aus dem Einsatz von Reservekraftwerken. Ohne Probestarts und Testfahrten lag die gesamte Erhöhung damit rund zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert.
Auch das Volumen der Countertrading-Maßnahmen ging zurück. Es sank um 36 Prozent auf 595 GWh. Die entsprechenden Kosten verringerten sich um 47 Prozent auf zehn Millionen Euro. Als Gründe nennt die Bundesnetzagentur das geringere Windaufkommen, veränderte Netzflüsse und den fortschreitenden Netzausbau.
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