Pläne der BundesregierungNetzpaket stößt auf Kritik

Kritiker befürchten, dass das Netzpaket der Bundesregierung den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien gefährdet.
(Bildquelle: BWE)
Die Pläne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für ein sogenanntes Netzpaket stoßen auf wachsende Kritik. Der Referentenentwurf sieht unter anderem vor, dass neu errichtete Wind- und Solarenergieanlagen keine Entschädigung mehr erhalten, wenn erzeugter Strom aufgrund begrenzter Netzkapazitäten nicht eingespeist werden kann. Bislang wird in solchen Fällen eine Vergütung gezahlt, wenn Anlagen aufgrund von Netzüberlastung abgeregelt werden.
Negative Auswirkungen auf den Klimaschutz
Laut dem Bundesverband WindEnergie (BWE) drohen die vorgesehenen Regelungen den Ausbau der erneuerbaren Energien zu bremsen. Auch die rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Katrin Eder (Bündnis 90/Die Grünen) warnt vor negativen Auswirkungen auf den Klimaschutz, die Wirtschaft und die Rechtssicherheit. „Wer erneuerbare Energien bremst, erhöht die Abhängigkeit von Energieimporten, gefährdet Arbeitsplätze und die Rechtssicherheit“, erklärte die Ministerin. Die aktuelle geopolitische Lage verlange mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung. Diese lasse sich nur durch Stromproduktion im eigenen Land und somit durch den Ausbau erneuerbarer Energien erreichen. Wer dies verkenne, nehme höhere Strompreise in Kauf und missachte die Verpflichtung zum Klimaschutz.
Auch der Bundesverband WindEnergie erkennt grundlegende Probleme. Die Präsidentin des Verbands, Bärbel Heidebroek, bezeichnete die Windenergie als „preiswerten Leistungsträger der Energiewirtschaft“. Der Ausbau an Land werde über etablierte Verfahren der Landes- und Regionalplanung gesteuert. Projekte seien planungsrechtlich durch Genehmigungsverfahren abgesichert. Eingriffe in den Vorrang beim Netzanschluss würden dieses System jedoch nachträglich außer Kraft setzen und Vertrauen zerstören.
Investitionen in Milliardenhöhe gefährdet
Laut dem Verband gibt es bundesweit rund 15.000 Megawatt genehmigte Windenergieprojekte mit einer Netzanschlusszusage. Weitere 20.000 Megawatt befinden sich im Genehmigungsverfahren. „Wer da am Netzzugang rütteln will, begeht Vertrauensbruch“, warnte Heidebroek. Dies gefährde Investitionen in Milliardenhöhe.
Auch die rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Eder sieht erhebliche Risiken für geplante Projekte. Laut den Plänen des Bundes sollen Betreiber neuer Anlagen in bestimmten Gebieten für zehn Jahre auf Entschädigungen verzichten, wenn dort bereits mehr als drei Prozent des erzeugten Stroms nicht eingespeist werden können. „Ein zehnjähriger Entschädigungsverzicht führt Kalkulationen ad absurdum und kann das Aus für bereits bestehende Pläne bedeuten“, sagte die Ministerin. Kommunen, die mit Einnahmen aus Windenergie rechneten, könnten dadurch finanzielle Nachteile erleiden.
Kritiker sehen in weiteren Punkten des Netzpakets Anlass zur Sorge. So sollen Anlagenbetreiber künftig Baukostenzuschüsse an Netzbetreiber zahlen. Die konkrete Höhe ist bislang offen. Zudem könnte der Anschlussvorrang für erneuerbare Energien infrage gestellt werden. „Was wir in der aktuellen Phase der Energiewende absolut nicht brauchen können, ist das Schüren von Unsicherheiten, gepaart mit dem Ausbremsen des Zubaus erneuerbarer Energien“, erklärte Eder. Unternehmen benötigten Rechts- und Planungssicherheit, die Gesellschaft Schutz vor steigenden Energiekosten und den Folgen des Klimawandels.
Speicher und mehr Flexibilität im Netz
Anstatt den Ausbau zu bremsen, fordern der Verband und die Ministerin einen anderen Ansatz. Eder sprach sich für eine kosteneffiziente Überbauung mit erneuerbaren Energien in Kombination mit Speichern und mehr Flexibilität im Netz aus. „Es ist der falsche Weg, den Zubau der erneuerbaren Energien aufgrund limitierter Netzkapazitäten auszubremsen“, sagte sie. Die Stromerzeugungskosten erneuerbarer Energien seien bereits niedriger und verursachten geringere Folgekosten durch Emissionen. Dieser Vorteil müsse erhalten bleiben.
Auch der Bundesverband WindEnergie fordert, die vorhandene Infrastruktur besser zu nutzen und schneller auszubauen. Dazu zählen laut dem Verband unter anderem flexible Netzanschlussverträge, die Überbauung von Netzanschlusspunkten, weniger Bürokratie bei der Netzerweiterung sowie die konsequente Umsetzung gesetzlicher Vorgaben zur Netztransparenz und Netzdigitalisierung.
Eder verwies zudem auf die Energieministerkonferenz. Dort hätten die Länder die Bundesregierung mehrfach aufgefordert, ein Anreizkonzept für die Integration von erneuerbaren Energien, Speichern und steuerbaren Verbrauchern vorzulegen und die Länder einzubinden. Anstatt des für Herbst 2025 geforderten Konzepts werde nun die Branche verunsichert, kritisierte die Ministerin abschließend.
MiSpeL: Bundesnetzagentur erleichtert Nutzung von Stromspeichern
[09.10.2026] Die Bundesnetzagentur hat die Festlegung zur Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten (MiSpeL) beschlossen. Künftig können Speicher und bidirektionale Ladepunkte sowohl Netzstrom als auch selbst erzeugten Solarstrom aufnehmen und ins Netz zurückspeisen, ohne dass die EEG-Förderung entfällt. mehr...
Netzpaket: Redispatch-Vorbehalt stößt auf deutliche Kritik
[09.10.2026] Der geplante Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket der Bundesregierung stößt bei zahlreichen Sachverständigen auf Widerstand. In einer Anhörung des Bundestags warnten sie vor rechtlichen Risiken und schlechteren Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien. mehr...
Bremen: Fecker kritisiert Umschichtung von KTF-Mitteln
[07.10.2026] Bremens Finanzsenator Björn Fecker kritisiert, dass der Bund Einnahmen aus dem Emissionshandel künftig teilweise dem allgemeinen Haushalt statt dem Klima- und Transformationsfonds zuführen will. Nach Angaben der Bremer Finanzverwaltung geht es 2027 um 2,7 Milliarden Euro, bis 2030 könnten sich die Umschichtungen auf bis zu 13 Milliarden Euro summieren. mehr...
Energy Sharing: Impulspapier fordert klare Standards
[06.10.2026] Seit Juni 2026 ist Energy Sharing in Deutschland formal möglich, in der Praxis stehen Projekten aber noch Hürden bei Netzzugang, Bilanzierung und Abrechnung entgegen. Ein Impulspapier des Projekts Forum EnShare nennt zehn Empfehlungen, die den Einstieg erleichtern sollen. mehr...
Forschungsstelle für Energiewirtschaft: Pachtdeckel könnte EEG-Kosten deutlich senken
[06.10.2026] Eine Begrenzung der Pachten für Windenergieflächen könnte nach Berechnungen der Forschungsstelle für Energiewirtschaft die EEG-Förderkosten bis 2045 um Milliarden Euro senken. Bei der im Entwurf zum EEG 2027 vorgesehenen Obergrenze von 3,5 Prozent des Jahresumsatzes errechnet das Institut je nach Vergleichsszenario Einsparungen zwischen rund drei und 37 Milliarden Euro. mehr...
Hessen: Gesetzentwurf will Drohnenüberflüge ahnden
[02.10.2026] Hessen will das unbefugte Eindringen in Kritische Infrastruktur und nicht genehmigte Drohnenüberflüge mit einem neuen Straftatbestand ahnden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf zum „gemeinschädlichen Hausfriedensbruch“ hat Justizminister Christian Heinz im Bundesrat vorgestellt. mehr...
Bundeswirtschaftsministerium: Eckpunkte für flexible KWK
[28.09.2026] Das Bundeswirtschaftsministerium will das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz bis 2035 verlängern und die Förderung stärker auf flexible, systemdienliche Anlagen ausrichten. Die Energiewirtschaft begrüßt die grundsätzliche Richtung, fordert aber unter anderem eine längere Laufzeit und Nachbesserungen bei Fördersätzen und Modernisierungen. mehr...
Novelle des KWKG: Verbände fordern Nachbesserungen
[23.09.2026] BDEW, VKU und AGFW begrüßen die Eckpunkte des Bundeswirtschaftsministeriums zur Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes. Nachbesserungsbedarf sehen die Verbände unter anderem bei Laufzeit, Fördersätzen und den Bedingungen für bestehende KWK-Anlagen. mehr...
Windenergie: Verbände fordern Südquote
[22.09.2026] Bei der jüngsten Ausschreibung für Windenergie an Land sind nach Angaben von Erneuerbaren-Verbänden nur knapp fünf Prozent der bezuschlagten Leistung auf Bayern und Baden-Württemberg entfallen. Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg und der Landesverband Erneuerbare Energien Bayern fordern deshalb Änderungen am Ausschreibungssystem und eine Südquote im EEG. mehr...
VKU: Stadtwerke zweifeln an Wärmewende-Ziel für 2045
[17.09.2026] Eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) zeigt erhebliche Zweifel kommunaler Wärmeversorger am Zeitplan der Wärmewende. Drei Viertel der Befragten halten klimaneutrales Heizen bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. mehr...
BDEW/VKU: Kritik am BNetzA-Entwurf
[17.09.2026] BDEW und VKU haben Nachbesserungen bei der geplanten Kapitalverzinsung für Gasnetzbetreiber gefordert. Aus Sicht der Verbände reichen die von der Bundesnetzagentur vorgesehenen Zinssätze nicht aus, um die notwendigen Investitionen in die Transformation der Gasnetze zu finanzieren. mehr...
Bitkom: Besserer Schutz von Stromnetzen gefordert
[10.09.2026] Angesichts mutmaßlicher Sabotageversuche auf die Strominfrastruktur fordert der Digitalverband Bitkom einen stärkeren Schutz des Energiesystems. Neben physischen Angriffen müssten dabei auch Cyber-Attacken stärker berücksichtigt werden. mehr...
BDEW: Besserer Schutz für Kritische Infrastrukturen
[08.09.2026] Der BDEW dringt auf bessere Rahmenbedingungen für den Schutz der Energieversorgung. Der Verband fordert unter anderem weniger öffentlich zugängliche Infrastrukturdaten, eine wirksamere Drohnenabwehr und einen staatlich finanzierten Resilienzfonds. mehr...
Energiewende-Digitalisierungs-Allianz: Gesetzentwurf soll Netzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen
[08.09.2026] Eine Allianz aus 17 Energieunternehmen fordert bundesweit einheitliche und digitale Verfahren für Netzanschlüsse und Netzbetrieb. Ein eigener Gesetzentwurf sieht 30 Maßnahmen vor – darunter finanzielle Ansprüche von Netznutzern, wenn Verteilnetzbetreiber gesetzliche Standards nicht einhalten. mehr...
Sachsen-Anhalt: Energiebranche mahnt Kontinuität an
[08.09.2026] Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnen Verbände und Unternehmen vor einem Bruch in der Energiepolitik. BEE, BWE und LichtBlick verweisen auf die wirtschaftliche Bedeutung der erneuerbaren Energien und fordern verlässliche Rahmenbedingungen für weitere Investitionen. mehr...
















