Samstag, 10. Januar 2026

Nordrhein-WestfalenPotenzial der Abwasserwärme

[08.07.2025] Bis Mitte 2026 müssen Großstädte ihre Wärmeplanung vorlegen. Dabei rückt eine bisher kaum genutzte Quelle in den Fokus: die Wärme aus Abwasser. In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits erste Projekte. Eine Landesinitiative will den Ausbau vorantreiben.

Abwasser könnte künftig eine größere Rolle bei der Wärmeversorgung spielen. Darauf macht die Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate aufmerksam. Angesichts der gesetzlich vorgeschriebenen Kommunalen Wärmeplanung seien Städte und Gemeinden jetzt gefragt, alle verfügbaren nachhaltigen Wärmequellen zu prüfen – darunter auch das bislang wenig genutzte Potenzial der Abwasserwärme.

Klimaschonende Wärme für Ballungsräume

Abwasser aus Haushalten, Industrie und Gewerbe sei mit Temperaturen von 10 bis 20 Grad vergleichsweise warm und ganzjährig verfügbar, heißt es in einer Pressemitteilung. Es eigne sich daher gut, um Gebäude in dicht besiedelten Gebieten klimaschonend mit Wärme zu versorgen. Bereits heute gebe es in Nordrhein-Westfalen rund ein Dutzend Anlagen. Ein Beispiel ist Duisburg. Dort wird seit Kurzem Wärme aus dem gereinigten Abwasser einer Kläranlage genutzt, um über 1.000 Haushalte mit Fernwärme zu versorgen (wir berichteten). Weitere Projekte gibt es in Köln-Ehrenfeld oder in Dortmund, wo ein Seniorenheim mit Wärme aus dem Kanalnetz beheizt wird. Besonders geeignet sei diese Form der Energieversorgung für größere Wohnquartiere, Nichtwohngebäude oder kommunale Einrichtungen.

Einfache Technik, stabile Preise

Laut Christian Mildenberger, Geschäftsführer von NRW.Energy4Climate, bietet Abwasserwärme mehrere Vorteile: „Sie ist innerhalb der klimaneutralen Wärmequellen relativ einfach und kostengünstig zu erschließen und kann dazu beitragen, Preisschwankungen wie bei der Fernwärme aus konventionellen Energieträgern auszugleichen.“ Zudem ließen sich die Entwicklungen langfristig verlässlich einschätzen.

Die Landesgesellschaft setzt sich mit der Initiative Abwasserwärme NRW dafür ein, diese Energiequelle stärker zu nutzen. Beteiligt sind Akteurinnen und Akteure aus der Wasserwirtschaft, Energieversorgung, dem Wohnungsbau und dem Betrieb kommunaler Infrastrukturen. Ziel ist es, in Nordrhein-Westfalen mehrere Hundert Projekte auf den Weg zu bringen.

Dabei sollen auch bestehende Hürden abgebaut werden. Die Initiative will unter anderem die Genehmigungsverfahren vereinfachen, technische Lösungen weiterentwickeln und Betreibermodelle prüfen. In der Vergangenheit sei die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu fossilen Energieträgern oft schwer nachzuweisen gewesen – das ändere sich derzeit.

Auch Abwärme und Geothermie im Blick

Neben Abwasserwärme nennt die Landesgesellschaft zwei weitere Wärmequellen mit großem Potenzial: industrielle Abwärme und Geothermie. Kommunen sollten den Kontakt zu ansässigen Unternehmen suchen, um mögliche Abwärmequellen zu erfassen. Auch Geothermie lasse sich vielerorts nutzen – etwa in Krefeld (wir berichteten) oder im Münsterland (wir berichteten). Eine Checkliste von NRW.Energy4Climate soll Kommunen helfen, entsprechende Potenziale systematisch in ihre Wärmeplanung einzubeziehen.





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