Donnerstag, 23. April 2026

FürstenfeldbruckStadt und Stadtwerke ziehen an einem Strang

[15.03.2012] In Fürstenfeldbruck leisten Stadt und Stadtwerke einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Nicht erst seit der Energiewende sind der Ausbau erneuerbarer Energien, Energiesparen und höhere Energieeffizienz Ziele, die gemeinsam umgesetzt werden.
Energiezentrale West: Mit dem Deutschen Energiekonzeptpreis ausgezeichnetes Kraftwerk.

Energiezentrale West: Mit dem Deutschen Energiekonzeptpreis ausgezeichnetes Kraftwerk.

(Bildquelle: Stadt Fürstenfeldbruck)

„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“ – das wusste schon Willy Brandt und diesen Ausspruch haben sich Stadt und Stadtwerke Fürstenfeldbruck zum Leitsatz gemacht. Schon sehr früh wurden die Strategie und die Energiepolitik der Kommune und ihrer Stadtwerke vom Gedanken der nachhaltigen Energiegewinnung geprägt. Die Verwendung erneuerbarer Energieträger ist den Stadtwerken Fürstenfeldbruck bereits bei der Gründung in die Wiege gelegt worden. Inzwischen ist aus dem 1892 gegründeten Wasserkraftwerk Schöngeising, das die Wasserversorgung des Marktes Fürstenfeldbruck sicherstellen sollte, ein modernes Versorgungsunternehmen geworden.
Auch die Stadt Fürstenfeldbruck hat die Herausforderungen des Klimawandels erkannt und sieht sich in der Pflicht, den Bewohnern der Stadt und des Landkreises eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Lebensweise zu ermöglichen. Seit vielen Jahren arbeiten Stadt und Stadtwerke deshalb erfolgreich daran, den selbstgesetzten Dreiklang aus dem Ausbau der erneuerbaren Energien im Versorgungsgebiet, Energiesparen und der Steigerung der Energieeffizienz umzusetzen.
Die Stadt Fürstenfeldbruck und die Stadtwerke Fürstenfeldbruck haben sich zum Ziel gesetzt, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Da hierfür Vernetzung und ein intensiver Erfahrungsaustausch wichtig sind, bringen sich Stadt und Stadtwerke in verschiedenen Organisationen und Vereinen aktiv ein. Mit ihrer Mitgliedschaft beim Klimabündnis und dem Konvent der Bürgermeister hat sich die Stadt verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2020 gegenüber 1990 um mindestens 20 Prozent zu senken. Außerdem waren Stadt und Stadtwerke maßgeblich an der Gründung von Ziel 21, dem Zentrum Innovative Energien im Landkreis Fürstenfeldbruck, beteiligt. Zweck dieses Vereins ist das Erreichen einer Energiewende zu erneuerbaren Energien mit dem Ziel des Klimaschutzes im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Ausbau der erneuerbaren Energien

Über die dringende Notwendigkeit, Energie aus erneuerbaren Energieträgern zu gewinnen, besteht heute ein fester Konsens. Doch die Stadtwerke haben schon vor der Liberalisierung des Strommarktes 1998 ihren Kunden ein interessantes Dienstleistungsangebot im Bereich erneuerbare Energien gemacht. Als Vorreiter bei der kostendeckenden Vergütung von Solarstrom wurden bereits 1996 mit dem 100-kW-Programm interessierte Kunden unterstützt, die eine eigene Photovoltaikanlage bauen wollten.
Der Ausbau der Eigenerzeugung hat heute oberste Priorität in der Region. Die Stadtwerke geben sich nicht mit der Nutzung der bestehenden Wasserkraftwerke zufrieden. Tatkräftig werden neue Projekte gesucht, die geeignet sind, den Anteil der erneuerbaren Energien am eigenen Strombedarf auszuweiten. Neben der Beteiligung an einer großen Offshore-Windkraftanlage in der Nordsee, welche die Versorgung von 3.000 Haushalten ermöglicht, wurde auch in einen Windpark in der Oberpfalz investiert. Mit einem Bürgerbeteiligungsmodell soll die Errichtung von Windkraftanlagen im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Fürstenfeldbruck forciert werden.

Unterricht im Energiesparen

Dezentrale Anlagen zur alternativen Stromerzeugung werden mit Fördermitteln aus dem Produkt FFBNaturStrom gebaut. Stadtwerke-Kunden zahlen ihrem Stromverbrauch entsprechend Geld in einen Fördertopf ein. Mit den Mitteln dieses Fördertopfs werden Anlagen errichtet, die Strom aus erneuerbaren Energieträgern erzeugen. Um möglichst viele Bürger beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu unterstützen, haben die beiden kommunalen Partner ein so genanntes Solarpotenzialkataster eingeführt. Damit wurde ein Hilfsmittel geschaffen, das interessierten Bürgern erlaubt, zu überprüfen, ob ihr Haus für die Nutzung solarer Strahlungsenergie geeignet ist.
Trotz allem Ausbau ist für eine erfolgreiche Energiewende auch das Energiesparen unabdingbar. Um im Bereich des Umweltschutzes Nachhaltigkeit zu erzielen, haben die Stadtwerke Fürstenfeldbruck ein Projekt in den Grundschulen des Versorgungsgebietes gestartet, das mit großer Begeisterung angenommen wird. Für die dritten Klassen wird Umweltunterricht zum Thema Energie angeboten. So soll schon in jungen Jahren der Grundstein für den bewussten Umgang mit Energie gelegt werden. Die etwas Älteren können sich im Kundencenter der Stadtwerke Messgeräte ausleihen, um Stromfresser zu entlarven und gegebenenfalls auszutauschen.

Steigerung der Energieeffizienz

Das dritte klare Ziel von Stadt und Stadtwerken ist die Steigerung der Energieeffizienz. Um hier zielgerichtet und sinnvoll agieren zu können, wurde von der gemeinsamen Klimaschutzbeauftragten von Stadt und Stadtwerken ein Energienutzungsplan (ENP) erarbeitet. Dieser zeigt unter Berücksichtigung von Energiebedarf und -infrastruktur, Deckung des Energiebedarfs, erneuerbaren Energiepotenzialen sowie einer Konzeptentwicklung und den Handlungsmöglichkeiten für Stadt und Bauherren, welche Möglichkeiten für den optimalen Energieeinsatz in Fürstenfeldbruck bestehen.
Ein Aspekt – die Nutzung bereits vorhandener CO2-Emmissionen-senkender Energien – wird in Fürstenfeldbruck schon lange berücksichtigt. Durch hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung werden Fernwärme und Strom erzeugt. Mit der Errichtung der Energiezentrale West haben die Stadtwerke zudem ein herausragendes Beispiel für die Innovationskraft kommunaler Unternehmen geschaffen. Durch diese Energiezent­rale konnte das Fernwärmeangebot in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgeweitet werden. Für dieses Projekt erhielten die Stadtwerke Fürstenfeldbruck 2009 einen Sonderpreis beim Wettbewerb Deutscher Energiekonzeptpreis, mit dem bundesweit die besten alternativen Energiekonzepte auf kommunaler Ebene ausgezeichnet werden. Geheimnis des Erfolgs ist nicht zuletzt die hervorragende Kooperation zwischen den Stadtwerken, der Stadt und der örtlichen Wirtschaft.

Weg konsequent weitergehen

Stadtwerke und Stadt Fürstenfeldbruck sehen sich auf dem richtigen Weg, die jährlichen CO2-Emissionen weiter zu senken und bei der Nutzung erneuerbarer Energien beispielhaft voranzuschreiten. Der aktuelle Strommix der Stadtwerke Fürstenfeldbruck zeigt die bereits erzielten Erfolge und animiert zu weiteren Anstrengungen. Damit Klimaschutz möglich ist, dürfen gerade die kleinen, etablierten Versorger nicht innehalten. Vielmehr muss, gemeinsam mit den Kommunen, der Weg einer nachhaltigen und sicheren Energieversorgung konsequent weiterverfolgt werden. Damit kann das gesteckte Ziel der Energiewende in Fürstenfeldbruck erreicht werden.

Sepp Kellerer (CSU) ist seit 1996 Bürgermeister und seit 2006 Oberbürgermeister der Stadt Fürstenfeldbruck (34.000 Einwohner). Karl Heinz Schönenborn ist Geschäftsführer der Stadtwerke Fürstenfeldbruck GmbH. Zuvor war er unter anderem Kämmerer der Stadt Fürstenfeldbruck.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Klimaschutz

dena Energy Award: Bewerbungsphase eröffnet

[22.04.2026] Der dena Energy Award startet zum 20-jährigen Bestehen mit neuem Namen und erweitertem Fokus auf Dekarbonisierung. Unternehmen können sich bis Juni 2026 mit messbaren Effizienz- und Klimaschutzprojekten bewerben, die als Vorbild dienen. mehr...

Helmstedt: Energie-Kommune auch dank Bürgerförderung

[21.04.2026] Die Stadt Helmstedt treibt den Wandel ihrer Energieversorgung voran. Eine neue Wärmeplanung, große Projekte für Windkraft und Speicher sowie Bürgerförderung stehen im Mittelpunkt. Dafür erhält die Kommune eine bundesweite Auszeichnung. mehr...

Görlitz: Fahrplan für die klimaneutrale Stadt

[20.04.2026] Nach vier Jahren endet das Projekt TRUST in Görlitz mit mehreren Handlungsempfehlungen für den Weg zur Klimaneutralität. Die Ergebnisse stellte das Interdisziplinäre Zentrum für transformativen Stadtumbau Ende März im Rathaus vor. mehr...

Wolfsburg: Klimaneutrale Verwaltung bis 2040

[14.04.2026] Die Stadt Wolfsburg hat ein Konzept zur Klimaneutralität ihrer Verwaltung vorgelegt. Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen bis 2040 deutlich zu senken. Nun soll das Papier in die politischen Gremien eingebracht werden. mehr...

Sachsen-Anhalt: Haldensleben erhält Auszeichnung für Klimaschutz

[09.04.2026] Haldensleben erhält den neuen Titel „Energiegewinner-Kommune Sachsen-Anhalt“ für systematischen kommunalen Klimaschutz. Die Auszeichnung würdigt konkrete Strukturen und Projekte – und kompensiert das Aus des bisherigen eea-Zertifizierungsverfahrens. mehr...

Augsburg: Online-Plattform zeigt Klimaschutzmaßnahmen

[08.04.2026] Die Stadt Augsburg hat jetzt eine Online-Plattform zur transparenten Darstellung ihrer Klimaschutzmaßnahmen gestartet. mehr...

bericht

Tübingen: Klimaschutz, der funktioniert

[07.04.2026] Mit der Fortschreibung ihres Klimaschutzprogramms hat die Stadt Tübingen für die Sektoren Strom, Wärme und öffentlichen Verkehr einen klaren Transformationspfad definiert. Das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden, rückt damit in greifbare Reichweite. mehr...

BDEW/ZSW: 53 Prozent des Stromverbrauchs stammen aus Erneuerbaren

[07.04.2026] Erneuerbare Energien deckten im ersten Quartal 2026 erstmals 53 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland. Vor allem ein kräftiger Zuwachs bei der Windkraft treibt den Anteil nach oben und unterstreicht die wachsende Bedeutung für Versorgungssicherheit und Klimaziele. mehr...

Wolfsburg: Maßnahmenkatalog für Treibhausgasneutralität vorgelegt

[01.04.2026] Wolfsburg legt mit dem „Masterplan 100% Klimaschutz“ einen konkreten Fahrplan zur Treibhausgasneutralität bis 2040 vor. Der Maßnahmenkatalog soll zentrale Bereiche wie Verkehr, Gebäude und Energieversorgung neu ausrichten und steht im Mai zur politischen Entscheidung. mehr...

Difu: Studie zu Förderprogrammen

[30.03.2026] Eine Studie des Difu empfiehlt pauschale Klimabudgets und weniger Bürokratie für Kommunen. Damit sollen stockende Projekte beschleunigt werden, die bisher an komplexen Förderverfahren scheitern. mehr...

Klimaschutzprogramm: Stellungnahmen von VKU, BSW-Solar und BDEW

[26.03.2026] VKU, BSW-Solar und BDEW haben das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung bewertet und fordern Nachbesserungen. Die Verbände sehen Fortschritte, warnen aber vor Umsetzungsdefiziten und widersprüchlichen Signalen für zentrale Sektoren der Energiewende. mehr...

Wiesbaden: Bilanz zu CO₂-Emissionen zeigt Fortschritte

[20.03.2026] Wiesbaden senkt Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen deutlich unter das Vor-Corona-Niveau. Eine neue Bilanz zeigt Fortschritte und macht zugleich den Handlungsdruck bei Wärmeversorgung und Verkehr sichtbar. mehr...

Sachsen: Studie zeigt Dekarbonisierungsoptionen

[19.03.2026] Eine neue Studie zeigt konkrete Dekarbonisierungsoptionen für zentrale Branchen der sächsischen Wirtschaft auf. Sie richtet sich vor allem an mittelständische Unternehmen und soll ihnen Orientierung bei technologischen und wirtschaftlichen Entscheidungen auf dem Weg zur Klimaneutralität geben. mehr...

Düsseldorf: Energie-Kommune dank Wärme- und Verkehrswende

[11.03.2026] Die Stadt Düsseldorf möchte ihre Treibhausgasemissionen deutlich reduzieren. Dabei spielen Fachkräfte, die Wärmewende und neue Mobilitätsangebote eine zentrale Rolle. Für ihr Engagement wurde die Stadt nun von der AEE zur Energiekommune des Monats Februar gekürt. mehr...

Rheinland-Pfalz: Ein Drittel ist mit Wärmeplanung fertig

[10.03.2026] Rund ein Drittel der Kommunen in Rheinland-Pfalz hat die gesetzlich vorgeschriebene kommunale Wärmeplanung bereits abgeschlossen. Die Pläne sollen den Weg zu einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung weisen und entscheiden mit darüber, wo künftig Wärmenetze entstehen oder dezentrale Lösungen dominieren. mehr...