DIW BerlinSystemfreundlichkeit belohnen

Nach Osten oder Westen ausgerichtete Solarpanele, die in den Morgen- und Abendstunden ernten, sind systemfreundliche Anlagen.
(Bildquelle: Tobias Machhaus)
Das DIW Berlin hat jetzt ein Modell zur besseren Integration erneuerbarer Energien in das Stromsystem vorgeschlagen: das so genannte Marktwertmodell. Dieses baut zwar auf dem existierenden Förderrahmen auf, berücksichtigt aber zusätzlich den künftigen Marktwert des produzierten Stroms. So muss nach Ansicht der Forscher vom DIW immer mehr in Anlagen investiert werden, die dann produzieren, wenn der Strom auch benötigt wird. Denn solche systemfreundliche Anlagen werden sich langfristig am besten in das Stromsystem integrieren.
Dabei können etwa nach Osten oder Westen ausgerichtete Solarpanele systemfreundlich sein: Sie produzieren zwar insgesamt weniger Strom als diejenigen, die nach Süden ausgestellt sind, dafür aber mehr in den Morgen- und Abendstunden.
„Je größer der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Stromproduktion, desto bedeutender wird diese Komponente der Systemfreundlichkeit: Es wird immer wichtiger, dass der Strom dann produziert wird, wenn er benötigt wird, also zum Beispiel dann, wenn herkömmliche Anlagen nicht so viel produzieren“, sagt Jörn Richstein, gemeinsam mit Nils May und Karsten Neuhoff Autor der Studie.
Bisher sei es für Projektentwickler allerdings ungewiss, ob sich der höhere künftige Marktwert auch in höheren Erlösen widerspiegelt. Die Anreize, die Gesamtproduktion einer Anlage zu erhöhen, seien folglich viel stärker als in systemfreundliche Windparks oder Solaranlagen zu investieren. Deshalb schlagen die Studienautoren das Marktwertmodell vor, um den Bau systemfreundlicher Anlagen attraktiv zu machen und gleichzeitig die Finanzierungskosten erneuerbarer Energien niedrig zu halten.
Im Marktwertmodell simuliert die Bundesnetzagentur die langfristige Entwicklung des Stromsystems mit großen Anteilen erneuerbarer Energien. Daraus lasse sich ableiten, wie viel höher der Marktwert systemfreundlicher Anlagen zukünftig sein wird. Hierauf aufbauend kann für jede Anlage, für jede Technologie und für jeden Standort berechnet werden, wie hoch der Marktwert des Stroms sein wird. Dieser wird in einem Marktwertfaktor abgebildet. Angebote, die bei Ausschreibungen eingereicht werden, werden um diesen Marktwertfaktor korrigiert. Auf diese Weise sollen sich nicht nur die günstigsten, sondern auch die systemfreundlichsten Angebote durchsetzen. In einigen Ländern wie Mexiko werden ähnliche Modelle bereits angewandt, informiert das DIW Berlin.
„Der Vorteil des Marktwertmodells ist, dass die systemfreundlichen Eigenschaften einer Anlage bereits bei der Investitionsentscheidung berücksichtigt werden können“, betont Nils May. „So kann bereits jetzt in die Windparks und Solaranlagen investiert werden, die für den Erfolg der Energiewende langfristig nötig sind.“
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