Donnerstag, 5. November 2026

StudieTemporäre Versorgungslücken?

[22.09.2014] Ein Gutachten im Auftrag des baden-württembergischen Energieministeriums kommt zu dem Schluss: In wenigen Jahren könnte es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen.
Baden-Württembergs Energieminister Franz Untersteller: „Wir müssen sehr bald die Rahmenbedingungen des künftigen Strommarkts festlegen.“

Baden-Württembergs Energieminister Franz Untersteller: „Wir müssen sehr bald die Rahmenbedingungen des künftigen Strommarkts festlegen.“

(Bildquelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg)

Eine „Kurzstudie zur Kapazitätsentwicklung in Süddeutschland bis 2025“ hat jetzt das baden-württembergische Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft vorgelegt. Im Fokus der Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart steht die Frage der Versorgungssicherheit bei wachsender Bedeutung der erneuerbaren Energien. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass es frühestens 2018, spätestens jedoch 2021 nicht nur im Süden der Republik, sondern in ganz Deutschland zu temporären Versorgungslücken kommen könnte. Grundlage für die Szenarien war die Annahme, dass Betreiber Bestandskraftwerke altersbedingt oder aus wirtschaftlichen Gründen stilllegen und neben derzeit im Bau befindlichen Neuanlagen keine weiteren Kraftwerke realisieren. Die Wissenschaftler untersuchten in der Kurzstudie die Versorgungssicherheit im Stromnetz in Süddeutschland, in ganz Deutschland und auch im europäischen Netzverbund. Hintergrund ist der sich verändernde Energiemarkt, in dem die Gewinne beim Betrieb konventioneller Kraftwerke abnehmen. Dies hat bereits zu Stilllegungen von Anlagen geführt, weitere sollen folgen. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, kann es ab 2018 in Zeiten einer geringen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei gleichzeitig hohem Strombedarf zu kurzfristigen Unterversorgungen kommen, so das Ergebnis der Studie.
„Die Kurzstudie zeigt klar, dass die Rahmenbedingungen für Kraftwerksinvestitionen angepasst werden müssen, damit die Stromversorgung in Deutschland stabil bleibt“, sagte Frieder Borggrefe, Autor der Studie vom DLR-Institut für Technische Thermodynamik in Stuttgart. Der baden-württembergische Energieminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) kommentierte: „Für mich belegt das Gutachten, dass wir uns dringend mit der künftigen Struktur des Strommarkts befassen müssen. Umso mehr, als die Studie zeigt, dass es sich nicht nur um ein süddeutsches Problem handelt. Auch unter Berücksichtigung des europäischen Stromaustausches besteht Handlungsbedarf.“ Er bedauere, dass die Bundesregierung bisher wenig Begeisterung zeige, ihren Koalitionsvertrag an diesem Punkt umzusetzen und die Weichen zur Sicherung der benötigten Erzeugungskapazitäten zu stellen. Eine Wirtschafts- und Industrienation wie Deutschland könne sich Risiken bei der Stromversorgung nicht erlauben. „Wir müssen sehr bald die Rahmenbedingungen des künftigen Strommarkts festlegen“, forderte der Minister. „Dazu gehören Umfang und Schnelligkeit des Netzausbaus, die Erschließung von Last-Management-Potenzialen sowie insbesondere die Gestaltung des künftigen Kraftwerksparks. Notwendige Entscheidungen in die nächste Legislaturperiode zu verschleppen, gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutschland“, warnte Untersteller.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

Kraftwerksausschreibung: Kritik an Marktkonzentration

[05.11.2026] Bei der ersten Ausschreibung für gesicherte Kraftwerksleistung haben sich vor allem RWE und LEAG durchgesetzt. Während die Bundesnetzagentur den intensiven Wettbewerb begrüßt, kritisieren Branchenverbände die Konzentration der Zuschläge auf zwei Energiekonzerne und die Benachteiligung von Batteriespeichern. mehr...

Kraftwerksstrategie: Erste Ausschreibung abgeschlossen

[04.11.2026] Die erste Ausschreibung für neue Gaskraftwerke und Langzeitkapazitäten nach dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG) ist abgeschlossen. Die Ergebnisse wertet Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche als Erfolg. mehr...

Berlin: Solarpflicht wird evaluiert

[04.11.2026] In Berlin sind inzwischen rund 69.000 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 583 Megawattpeak installiert. Drei Jahre nach Einführung der Solarpflicht prüft der Senat nun, ob das Gesetz angepasst werden muss. mehr...

BMI: Sabotageschutz für Energieanlagen ausgeweitet

[02.11.2026] Die Bundesregierung will den Schutz Kritischer Infrastrukturen vor Sabotage verstärken. Künftig sollen auch Beschäftigte in bestimmten Energieanlagen, virtuellen Kraftwerken und Flüssigerdgas-Terminals einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden. mehr...

EEG-Finanzierung: Förderbedarf für 2027 liegt bei 17,5 Milliarden Euro

[29.10.2026] Der Finanzierungsbedarf für die Förderung Erneuerbarer Energien wird 2027 voraussichtlich 17,5 Milliarden Euro betragen. Ausschlaggebend für die Belastung des Bundeshaushalts ist vor allem die Differenz zwischen den garantierten Vergütungen für Ökostrom und den Erlösen am Strommarkt. mehr...

ASEW: Strom-Umlagen steigen 2027 um knapp 23 Prozent

[27.10.2026] Die Strom-Umlagen steigen 2027 um insgesamt 22,9 Prozent. Vor allem höhere Kosten für die Stromnetze treiben die Belastung nach oben. Auch bei den Netzentgelten und Gaspreisen müssen Verbraucher mit steigenden Kosten rechnen. mehr...

BMWE: Bund und Länder wollen Netzfinanzierung erleichtern

[15.10.2026] Bund und Länder haben sich auf gemeinsame Eckpunkte zur Finanzierung von Stromverteil- und Wärmenetzen verständigt. Ein neues Finanzierungsinstrument soll die Eigenkapitalbasis von Stadtwerken stärken und Investitionen in die Energieinfrastruktur erleichtern. mehr...

VKU: Strategie für grüne Gase gefordert

[15.10.2026] Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt erste Eckpunkte des Bundeswirtschaftsministeriums für eine Grüngasquote, sieht aber noch erhebliche offene Fragen. Vor allem müsse die Bundesregierung klären, woher die benötigten Mengen an grünen Gasen kommen sollen und welche Kosten auf die Verbraucher zukommen. mehr...

BDEW: Stromsteuersenkung für alle gefordert

[15.10.2026] Der BDEW begrüßt die Ankündigung der CDU, die Stromsteuer bei ausreichendem Haushaltsspielraum für alle Verbrauchergruppen zu senken. Der Verband fordert eine schnelle und dauerhafte Absenkung auf das europäische Mindestmaß. mehr...

Sachsen: Millionen für Wärmewende bewilligt

[12.10.2026] Sachsen hat erste Millionenförderungen für den Umbau der kommunalen Wärmeversorgung bewilligt. Sechs größere Projekte sollen den Einsatz erneuerbarer Energien voranbringen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. mehr...

Grünes Licht für E-Mobilität: Baden-Württemberg födert den Kauf von E-Fahrzeugen und den Bau von Ladesäulen.

MiSpeL: Bundesnetzagentur erleichtert Nutzung von Stromspeichern

[09.10.2026] Die Bundesnetzagentur hat die Festlegung zur Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten (MiSpeL) beschlossen. Künftig können Speicher und bidirektionale Ladepunkte sowohl Netzstrom als auch selbst erzeugten Solarstrom aufnehmen und ins Netz zurückspeisen, ohne dass die EEG-Förderung entfällt. mehr...

Netzpaket: Redispatch-Vorbehalt stößt auf deutliche Kritik

[09.10.2026] Der geplante Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket der Bundesregierung stößt bei zahlreichen Sachverständigen auf Widerstand. In einer Anhörung des Bundestags warnten sie vor rechtlichen Risiken und schlechteren Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien. mehr...

Bremen: Fecker kritisiert Umschichtung von KTF-Mitteln

[07.10.2026] Bremens Finanzsenator Björn Fecker kritisiert, dass der Bund Einnahmen aus dem Emissionshandel künftig teilweise dem allgemeinen Haushalt statt dem Klima- und Transformationsfonds zuführen will. Nach Angaben der Bremer Finanzverwaltung geht es 2027 um 2,7 Milliarden Euro, bis 2030 könnten sich die Umschichtungen auf bis zu 13 Milliarden Euro summieren. mehr...

Energy Sharing: Impulspapier fordert klare Standards

[06.10.2026] Seit Juni 2026 ist Energy Sharing in Deutschland formal möglich, in der Praxis stehen Projekten aber noch Hürden bei Netzzugang, Bilanzierung und Abrechnung entgegen. Ein Impulspapier des Projekts Forum EnShare nennt zehn Empfehlungen, die den Einstieg erleichtern sollen. mehr...

Forschungsstelle für Energiewirtschaft: Pachtdeckel könnte EEG-Kosten deutlich senken

[06.10.2026] Eine Begrenzung der Pachten für Windenergieflächen könnte nach Berechnungen der Forschungsstelle für Energiewirtschaft die EEG-Förderkosten bis 2045 um Milliarden Euro senken. Bei der im Entwurf zum EEG 2027 vorgesehenen Obergrenze von 3,5 Prozent des Jahresumsatzes errechnet das Institut je nach Vergleichsszenario Einsparungen zwischen rund drei und 37 Milliarden Euro. mehr...