Neustadt-GleweTiefengeothermie zur Wärmewende

So funktioniert die Tiefe Geothermie in Neustadt-Glewe.
(Bildquelle: AEE)
Die mecklenburgische Kleinstadt Neustadt-Glewe hat sich zum Ziel gesetzt, ihren Energieverbrauch bis 2030 CO2-neutral zu gestalten. Bereits seit 1994 nutzt die Gemeinde ein Geothermie-Heizkraftwerk zur Wärmeerzeugung und ist damit Vorreiter in ganz Deutschland. Hinzu kommen weitere Erneuerbare-Energien-Anlagen und Speicherkonzepte. Dafür wurde sie im Juni 2024 von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) als Energie-Kommune des Monats ausgezeichnet.
Zufällig entdeckt
Das Thermalwasservorkommen Neustadt-Glewes wurde in den 1960er-Jahren eher zufällig bei Bohrungen nach Erdgas und Erdöl entdeckt. Seit 1994 stellt das am Stadtrand gelegene geothermische Heizkraftwerk jährlich etwa 20 Millionen Kilowattstunden (kWh) Heizwärme für die Gemeinde bereit. Über das 15 Kilometer lange Fernwärmenetz versorgt es kommunale Gebäude inklusive der mittelalterlichen Burg sowie 70 Prozent der Privathaushalte und das Gewerbegebiet mit preisstabiler und kostengünstiger Wärmeenergie. Bis zum Jahr 2023 konnten auf diese Weise etwa 124.000 Tonnen CO2 eingespart werden.
Regionaler Baustein für Energiesystem
Das 97 Grad Celsius heiße Thermalwasser in 2.455 Metern Tiefe wird durch eine Unterwasserpumpe an die Oberfläche gefördert und anschließend im Heizkraftwerk in einen Wärmetauscher geleitet, wo es das Heizwasser des Fernwärmenetzes erhitzt. Die abgekühlte Thermalsole wird durch eine zweite Bohrung wieder in die Gesteinsschichten zurückgegeben, wodurch ein geschlossener Kreislauf entsteht. Ein Blockheizkraftwerk erzeugt den für die Unterwasserpumpe benötigten Strom vor Ort.
Geothermie ist unabhängig von Schwankungen durch Wetter, Tages- oder Jahreszeiten sowie von steigenden Öl- und Gaspreisen. Der mit 1,8 Milliarden kWh dennoch sehr niedrige Anteil der Tiefengeothermie am gesamtdeutschen Endenergieverbrauch liegt neben den anfänglich hohen Investitionskosten für Bohrungen vor allem daran, dass sich nicht alle Regionen für Tiefengeothermie eignen. Im Norddeutschen Becken, in dem Neustadt-Glewe liegt, sind die Bedingungen aufgrund gut zugänglicher Thermalwasserfelder allerdings besonders günstig. Jedoch besteht noch großes Potenzial in der Region.
Immer verfügbar
AEE-Geschäftsführer Robert Brandt weiß um die Vorteile der Tiefengeothermie: „Die Erschließung der Erdwärme-Potenziale kann je nach regionalen Gegebenheiten ein attraktiver Wirtschaftsfaktor für Kommunen, Unternehmen und natürlich Privathaushalte werden. Petro- und hydrothermale Geothermie ist immer verfügbar, flexibel und vielseitig, denn neben Wärme lässt sich auch sauberer Strom produzieren. Neustadt-Glewe zeigt, dass sich Investitionen lohnen.“
Im Stromsektor setzt die Stadt auf die 2020 errichtete Freiflächen-Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 3,35 Megawatt peak. Zudem wurden zwei Windenergieanlagen in der Gemeindegemarkung beantragt. Eine Batteriespeicherstation mit einer Leistung von 750 Kilowatt (kW) und einer Speicherkapazität von 925 kWh entkoppelt die Nutzbarkeit von Solar- und Windstrom von der Produktionszeit und trägt so zu einem stabileren Stromnetz und einer verbesserten E-Lade-Infrastruktur bei. Eine Biogasanlage, die 2025 in Betrieb gehen soll, könnte mittelfristig zur Herstellung von Biokraftstoffen und natürlich zur Energieerzeugung beitragen.
https://www.unendlich-viel-energie.de
Stadtwerke Münster: Erdwärme für Neubaugebiet
[04.11.2026] Die Stadtwerke Münster erkunden an der Kötterstraße in Handorf die Nutzung oberflächennaher Erdwärme für ein kaltes Nahwärmenetz. Im benachbarten Neubaugebiet Kirschgarten sind die Bohrungen für ein solches Versorgungssystem bereits abgeschlossen. mehr...
Fraunhofer IEG: Grubenwasser für die Wärmewende
[03.11.2026] Das Fraunhofer IEG hat in Bochum vier Bohrungen in ein ehemaliges, geflutetes Kohlebergwerk erfolgreich abgeschlossen. Die Arbeiten zeigen, dass sich Grubenwasser mit konventioneller Bohrtechnik als Wärmequelle und Wärmespeicher erschließen lässt. mehr...
Geothermiekongress 2026: Ausbau in der Fläche voranbringen
[29.10.2026] Wie sich Geothermieprojekte schneller und in größerem Umfang umsetzen lassen, war eine zentrale Frage beim Geothermiekongress 2026 in Potsdam. Diskutiert wurde auch, welchen Beitrag die Erdwärme zu einer sicheren und bezahlbaren Wärmeversorgung leisten kann. mehr...
Fraunhofer IEG: Forschungsprojekt soll Akzeptanz der Geothermie stärken
[22.10.2026] Ein neues Forschungsprojekt soll die Kommunikation über seismische Risiken bei Tiefengeothermieprojekten verbessern und die Bürgerbeteiligung stärken. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben mit rund 2,27 Millionen Euro. mehr...
Nürnberg: N-Ergie erkundet Geothermiepotenzial
[21.10.2026] Der Energieversorger N-Ergie will ab dem 9. November den Untergrund in Nürnberg und Umgebung auf sein Potenzial für Tiefengeothermie untersuchen. Auf sechs Messlinien mit einer Gesamtlänge von rund 110 Kilometern sollen Daten für die mögliche Nutzung von Erdwärme gewonnen werden. mehr...
Fraunhofer IEG: Forschungsvorhaben zu Grubenwasser
[06.10.2026] Das Fraunhofer IEG und die Technische Hochschule Georg Agricola wollen die Nutzung von Grubenwasser für die Wärmeversorgung gemeinsam vorantreiben. Im Fokus stehen ehemalige Bergbauregionen, in denen bestehende Infrastrukturen als Wärmequellen oder -speicher dienen könnten. mehr...
Geothermiekonferenz: Fortschritte bei Wärmenutzung aus der Tiefe
[24.09.2026] Auf der 21. Geothermiekonferenz in Bochum haben Fachleute, Kommunen und Energieversorger über den Stand der Geothermienutzung in Nordrhein-Westfalen und aktuelle Projekte berichtet. Im Mittelpunkt standen Erkundungen für die tiefe Geothermie, konkrete Vorhaben von Versorgern sowie die Förder- und Unterstützungsangebote des Landes. mehr...
LIAG: Geothermie könnte Olympiastadion mit Wärme versorgen
[21.09.2026] Oberflächennahe Geothermie könnte den Wärmebedarf des Berliner Olympiastadions rechnerisch vollständig decken. Modellberechnungen zeigen zudem, welches Potenzial große Sportflächen für die Wärmewende in Städten bieten können. mehr...
Stadtwerke Weimar: Aufsuchungserlaubnis für Tiefengeothermie erhalten
[14.09.2026] Die Stadtwerke Weimar dürfen das Potenzial für Tiefengeothermie im Raum Weimar untersuchen. Eine bis Juni 2031 befristete Erlaubnis umfasst ein rund 495 Quadratkilometer großes Gebiet und ist Voraussetzung für weitere Erkundungen. mehr...
Stadtwerke Bernau: Tiefengeothermieprojekt pausiert
[11.09.2026] Die Stadtwerke Bernau haben die Planungen für eine Tiefengeothermiebohrung am Schönfelder Weg vorerst gestoppt. Nach einer erneuten Prüfung sei der Bau und Betrieb der geplanten Anlage derzeit wirtschaftlich nicht darstellbar. Der kommunale Versorger will nun alternative Lösungen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung untersuchen. mehr...
Geologischer Dienst NRW: Erkundungen im nördlichen Münsterland
[03.09.2026] Im nördlichen Münsterland untersucht der Geologische Dienst NRW das Potenzial für tiefe Erdwärme. Drei Seismik-Trassen sollen Kommunen und Stadtwerken zeigen, wo sich weitere Erkundungen für die Wärmeversorgung lohnen. mehr...
Münster: Hochschulstandort baut Geothermie-Anlage weiter aus
[02.09.2026] Die FH Münster baut ihre Geothermie-Anlage am Technologie-Campus Steinfurt für 18,8 Millionen Euro aus. Künftig soll Erdwärme rund 64 Prozent des Wärmebedarfs decken und zugleich als Reallabor für effizientere Wärmepumpen dienen. mehr...
Stadtwerke Munster-Bispingen: Heißes Wasser mit bis zu 154 Grad Celsius entdeckt
[28.08.2026] Die Stadtwerke Munster-Bispingen sehen nach ersten Arbeiten am Tiefengeothermie-Projekt in Munster gute Chancen für eine wirtschaftliche Wärmenutzung. In einem ertüchtigten Bohrloch stieß die Unternehmenstochter HeideGeo auf Wasser mit Temperaturen von bis zu 154 Grad Celsius. mehr...
München: Seismik-Messungen gestartet
[26.08.2026] Im Großraum München wird der tiefe Untergrund in den kommenden Monaten großflächig untersucht. Die Daten sollen ein dreidimensionales geologisches Modell ermöglichen und die Planung weiterer Geothermieprojekte unterstützen. Die Messungen sind Teil des Forschungsprojekts GIGA-M. mehr...
Fraunhofer IEG: Forschungsprojekt zu Kalkgestein in der Rhein-Ruhr-Region
[17.08.2026] Ein Forschungsprojekt entwickelt neue Werkzeuge für die Tiefengeothermie in der Rhein-Ruhr-Region. R3Chain soll das Potenzial von Kalkgestein genauer bestimmen und Stadtwerken sowie Energieversorgern frühere Planungssicherheit geben. mehr...













