Samstag, 7. November 2026

InterviewÜbertragbares Konzept von EnAHRgie

[10.01.2018] Ein Konzept für den Landkreis Ahrweiler zeigt, wie eine Region bis zum Jahr 2030 die Strom- und Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien umstellen kann. Annedore Kanngießer vom Fraunhofer-Institut UMSICHT erklärt im Interview, wie es weitergeht mit dem Projekt EnAHRgie.
Dr. Annedore Kanngießer

Dr. Annedore Kanngießer

(Bildquelle: Privat)

Frau Dr. Kanngießer, im Forschungsprojekt EnAHRgie wurde für den Kreis Ahrweiler ein Konzept für die Umstellung auf erneuerbare Energien entwickelt. Wie sieht das Konzept in der ersten Phase des Projekts aus?

Aus technischer Sicht wurden zunächst die Ist-Situation der Energieversorgung sowie zukünftige Potenziale erfasst. Daraus wurden Vorschläge erarbeitet, wie der künftige Technologiemix für die Strom- und die Wärmeversorgung im Landkreis aussehen kann. Aus ökonomischer Perspektive wurde die Gestaltung möglicher Geschäftsmodelle erarbeitet sowie Lösungsansätze für mögliche Hindernisse skizziert, die im Zuge eines Investments in Anlagen oder Effizienzmaßnahmen auftreten können. Das Kapitel zur Kooperation zeigt auf, wie Kommunen und lokale Stakeholder eine passgenaue und effiziente regionale Zusammenarbeit aufsetzen können. Das Partizipationsmodell skizziert, wie die Bürger frühzeitig in Planungsverfahren und Entscheidungsprozesse eingebunden werden können.

Wer war an der Erstellung des Konzepts beteiligt?

In der ersten Phase des Projekts haben acht wissenschaftliche Partner und sechs Praxispartner aus Politik, Verwaltung, lokaler Wirtschaft und Zivilgesellschaft eng unter Leitung der EA European Academy in Bad Neuenahr-Ahrweiler zusammengearbeitet. Dank der interdisziplinären Ausrichtung der Projektgruppe konnte das Projekt umfassend angegangen werden und liefert viele für die Praxis verwertbare Ergebnisse.

Welche Aufgaben hatte Fraunhofer UMSICHT im Rahmen des Projekts?

Als Experte für dezentrale Energieversorgungssysteme war Fraunhofer UMSICHT im Schwerpunkt mit der Entwicklung der energetischen Entwicklungspfade betraut. Hierzu wurde unter anderem ein Simulationstool entwickelt, welches die Größenordnungen der Potenziale verdeutlicht und Wechselwirkungen zwischen den Effizienzmaßnahmen und den möglichen Erzeugungsanlagen für die Wärme- und Stromversorgung aufzeigt. Das Tool wurde sowohl in der wissenschaftlichen Erarbeitung der Technologie-Portfolien eingesetzt als auch in Partizipationsformaten, um den lokalen Akteuren die Auswirkung verschiedener Technologien auf die Zielerreichung zu verdeutlichen.

Wie geht es nach der ersten Phase weiter mit dem Projekt?

Nachdem das Energiekonzept für den Landkreis Ahrweiler nun erarbeitet ist, sollen die Methoden, Instrumente und Lösungen in der zweiten Phase auf drei andere Landkreise übertragen werden. Hierzu befinden wir uns derzeit in vorbereitenden Gesprächen. Die Übertragung soll in diesem Jahr starten. Der Erkenntnisgewinn im Rahmen der Übertragung soll zur Erweiterung der erarbeiteten Leitfäden genutzt werden. Ziel ist es, dass die Leitfäden möglichst vielen, auch unterschiedlich gearteten Landkreisen eine Hilfestellung zur Umsetzung der lokalen Energiewende bieten. Der Projektabschluss ist für Februar 2019 geplant.


Dr. Kanngießer, AnnedoreDr. Annedore Kanngießer ist Gruppenleiterin Energiesystemoptimierung beim Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und
Energietechnik UMSICHT, Oberhausen.



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