WindenergieWeniger ist mehr

Baustelle des Repowering-Windparks Elster im Frühjahr 2025.
(Bildquelle: VSB Gruppe)
Im Windpark Elster im Kreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt ist eines der größten Repowering-Projekte Europas im vollen Gange. 16 von insgesamt 18 modernen Anlagen sind bereits seit Sommer 2025 in Betrieb; zwei weitere werden aktuell umgesetzt und sollen im ersten Halbjahr 2027 ans Netz gehen. Am Ende ersetzen 18 moderne Anlagen die 50 Altanlagen. Die installierte Leistung wächst auf nahezu das Vierfache, der prognostizierte Energieertrag auf mehr als das Siebenfache. Zugleich sinkt die Flächeninanspruchnahme um rund 30 Prozent.
Repowering ist Zukunftsaufgabe
Das Repowering von Windparks ist eine Aufgabe, vor der viele Kommunen, Betreiber und regionale Energieversorger in den kommenden Jahren stehen werden. Zahlreiche Windenergieanlagen kommen an das Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer. Nach rund 20 Betriebsjahren läuft häufig die EEG-Förderung aus, Wartungs- und Reparaturkosten steigen, ältere Anlagen leisten deutlich weniger als heutige Turbinen. Damit stellt sich die strategische Frage: Weiterbetrieb, Rückbau oder Repowering?
Im Windpark Elster wurde das Wind- und Ertragspotenzial von Oktober 2017 bis September 2018 mit einem Lidar-Messverfahren bestimmt. Parallel wurden unterschiedliche Anlagentypen auf ihre standortspezifische Eignung geprüft. Solche Voruntersuchungen sind zentral für Wirtschaftlichkeit, Anlagenkonfiguration und Genehmigungsfähigkeit.
Frühzeitige Vorbereitung
Das Projekt zeigt zugleich, dass Repowering kein rein technischer Austausch ist. Gerade bei älteren Windparks sind Eigentumsverhältnisse, Pachtverträge und Betreiberstrukturen häufig komplex. Für das neue Gesamtkonzept mussten zunächst 50 von 57 Altanlagen zurückgekauft werden. Dafür waren mehr als 200 Verträge mit über 100 Eigentümern sowie ein mehrjähriger Verhandlungsprozess mit zahlreichen Altkommanditisten erforderlich. Kommunale Akteure sollten Repowering deshalb früh vorbereiten, indem sie vorab Eigentümerstrukturen, Vertragslaufzeiten, Netzanschlusspunkte und kommunale Planungsziele klären. Regulatorisch wird Repowering heute oft nicht mehr wie ein neues Vorhaben behandelt, sondern als Änderung eines bestehenden, genehmigten Anlagenstandorts. Behörden prüfen dabei vor allem zusätzliche oder veränderte Auswirkungen gegenüber dem Bestand – etwa bei Schallimmissionen, Schattenwurf, Natur- und Artenschutz, Landschaftsbild oder Luftverkehr. Diese sogenannte Deltaprüfung kann Verfahren praxistauglicher machen, weil etablierte Standorte nicht in jeder Hinsicht wie neue Flächen behandelt werden. Prüfungen entfallen dadurch nicht. Auch im Änderungsgenehmigungsverfahren bleiben belastbare Gutachten erforderlich.
Im Windpark Elster war das Genehmigungsverfahren ein zentraler Projektschritt. Teil des Verfahrens war die öffentliche Auslegung der Unterlagen im Frühjahr 2022. Der Bau konnte erst beginnen, nachdem die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz vorlag.
Akzeptanz und Wertschöpfung
Auch beim Landschaftsbild und in der Wahrnehmung vor Ort kann Repowering sichtbare Veränderungen bringen. Im alten Windpark Elster standen mehrere Bestandsanlagen bis zu 600 Meter von den Ortschaften Gentha und Listerfehrda entfernt. Im Repowering-Windpark werden die neuen Anlagen in einem Abstand von mindestens 1.000 Metern zu Siedlungen errichtet.
Repowering kann außerdem wirtschaftlich relevant für Standortkommunen und Regionen werden. Höhere Stromerträge können zu höheren Einnahmen führen, etwa durch Gewerbesteuer, Pachten oder kommunale Beteiligungsmodelle. Nach § 6 EEG können Betreiber betroffenen Gemeinden finanzielle Beteiligungen an der tatsächlich eingespeisten Strommenge anbieten. Hinzu kommt die regionale Wertschöpfung: Unternehmen vor Ort können während Rückbau, Wegebau, Fundamentarbeiten, Transport, Service und Wartung eingebunden werden.
Regionale Energieversorger können erneuerbaren Strom aus Bestandsstandorten in Direktvermarktung, Beschaffung oder Dekarbonisierungskonzepte einbinden. Zugleich stärkt Repowering die Versorgung aus heimischen erneuerbaren Quellen. Den Ausbau an neuen Standorten ersetzt das nicht; es ergänzt ihn durch mehr Ertrag auf bereits erschlossenen Flächen. Die Arbeiten am Windpark Elster zeigen, dass Repowering eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Dieser Aufwand ist aber lohnenswert, weil er vorhandene Standorte neu nutzt und zusätzliche erneuerbare Strommengen auf bereits erschlossenen Flächen ermöglicht.
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