Mittwoch, 25. Februar 2026

AnhörungChancen und Risiken von Erdkabeln

[15.10.2015] Bei einer Anhörung des Deutschen Bundestags warnten die Übertragungsnetzbetreiber vor höheren Kosten und Aufwänden bei der unterirdischen Verlegung von Stromnetzen. Kommunale Vertreter machten deutlich, dass die Akzeptanz für Leitungstrassen durch Erdkabel steige.
Freileitungsbau: Gleichstrom-Verbindungen sollen unter die Erde.

Freileitungsbau: Gleichstrom-Verbindungen sollen unter die Erde.

(Bildquelle: Amprion)

Über die Verlegung von Stromleitungen unter die Erde diskutierten gestern (14. Oktober 2015) Sachverständige in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie im Deutschen Bundestag. Grundlage der Beratungen war der von der Bundesregierung eingebrachte Entwurf eines Gesetzes zur Änderung von Bestimmungen des Rechts des Energieleitungsbaus. Damit soll das unterirdische Verlegen von Höchstspannungsleitungen erleichtert werden (22344+wir berichteten).
Tjark Bartels, Landrat des niedersächsischen Landkreises Hameln-Pyrmont, erklärte vor dem Ausschuss, dass durch die Erdverkabelung eine hohe Akzeptanz des Trassenbaus zu erwarten sei. Für die Deutsche Umwelthilfe bezeichnete Peter Ahmels den Vorrang von Erdverkabelungen für Höchstspannungsgleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) in Siedlungsnähe als eine Verbesserung des Wohnumfeldschutzes. Außerhalb von Siedlungsgebieten seien Eingriffe in den Boden genau zu prüfen. „Wenn die Erdverkabelung keine bessere Lösung darstellt, muss auch weiter eine Freileitung möglich sein“, hieß es in der Stellungnahme der Umwelthilfe. Die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände erklärte: „Die Erdverkabelung ist in der Regel mit geringeren Eingriffen in das Lebensumfeld der vom Netzausbau Betroffenen verbunden und stößt auf größere Akzeptanz vor Ort.“

Zeitverzögerung und Mehrkosten

Die Übertragungsnetzbetreiber wiesen auf Zeitverzögerungen bei der Umplanung und auf Kostensteigerungen hin. Tennet-Geschäftsführer Lex Hartmann erklärte, die für die Erdverkabelung von HGÜ-Leitungen notwendige Neuplanung könne zu einer Verzögerung von drei Jahren führen. Daher müssten Planung und Genehmigung von Leitungsbauprojekten erheblich beschleunigt werden. Am Beispiel der geplanten SuedLink-Trasse von Norddeutschland nach Bayern machte Hartmann die aus Sicht des Unternehmens zu erwartenden Mehrkosten deutlich: Bei einem Erdkabel-Anteil von 90 Prozent lägen die Baukosten bei acht bis neun Milliarden Euro statt bei drei Milliarden in der Variante mit Freileitungen.
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion wies darauf hin, dass bei Erdkabeln mit größeren Ausfallzeiten zu rechnen sei. Je nach Störung könne eine Reparatur mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Nach Angaben von Amprion-Geschäftsführer Klaus Kleinekorte sind die Investitionskosten für Erdverkabelung bei normalen Stromnetzen mit Drehstromtechnik etwa vier- bis zehnmal so hoch wie bei Freileitungen. Bei Höchstspannungsgleichstrom-Leitungen liege der Faktor zwischen drei und acht.

Großer Eingriff in die Natur

Professor Lutz Hoffmann von der Universität Hannover machte auf erhöhte bauliche Aufwände aufmerksam: Die Teilverkabelung einer Freileitung erfordere zur Vermeidung eines Engpasses in der Regel ein zusätzliches paralleles Kabelsystem sowie einen zusätzlichen technischen, finanziellen und baulichen Aufwand für die Anlagen für den Übergang vom Erdkabel zur Freileitung. Klaus Kleinekorte wies auf die ökologischen Folgen der Erdverkabelung hin: „Der Eingriff in die Natur ist kein kleiner.“ Für den Bau eines Erdkabels werde eine 45 Meter breite Schneise geschlagen, von der nach Fertigstellung 25 Meter bleiben müsse. Laut deutscher Umwelthilfe sollte daher in Waldgebieten eher auf Freileitungen gesetzt werden.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

Ostsee: Hybrider Strom-Interkonnektor geplant

[24.02.2026] Deutschland, Lettland und Litauen planen mit dem Baltic-German PowerLink einen hybriden Strom-Interkonnektor durch die Ostsee. Das rund 600 Kilometer lange Seekabel soll Offshore-Windparks anbinden und die Märkte enger koppeln – nun starten die Netzbetreiber die Detailplanung. mehr...

Mitnetz Strom: Zahl der Netzeingriffe gesunken

[17.02.2026] Der Verteilnetzbetreiber Mitnetz Strom hat 2025 erneut weniger Einspeisemanagement-Eingriffe verzeichnet – trotz neuer Rekorde bei erneuerbaren Energien. Grund sind umfangreiche Netzinvestitionen, doch weiter steigende EEG-Leistungen und politische Rahmenbedingungen bleiben entscheidend. mehr...

Balzhausen: Pilot für die Einspeise­steckdose

[09.02.2026] Die Einspeisesteckdose stellt übliche Ausschreibungsverfahren für erneuerbare Energien auf den Kopf. LEW Verteilnetz hat dieses Verfahren jetzt in seinem Netzgebiet im Rahmen eines Pilotprojekts in Balzhausen erprobt. mehr...

enercity Netz: Digitaler Zwilling von Niederspannungsnetz in Betrieb

[09.02.2026] enercity Netz hat einen Digitalen Zwilling für das Niederspannungsnetz in Betrieb genommen. Das virtuelle Echtzeitmodell soll die Netzführung in Hannover präziser machen und bereitet den Weg für automatisierte Steuerung, schnellere Entstörung und neue Planungsprozesse. mehr...

Westfalen Weser Netz: Niederspannungsleitsystem mit CLS-Management gekoppelt

[09.02.2026] Westfalen Weser Netz koppelt erstmals ein Niederspannungsleitsystem direkt mit dem CLS-Management. Der gestartete Pilotbetrieb zeigt, wie sich Netzzustände automatisiert steuern lassen und welche Rolle das für §14a EnWG spielt. mehr...

Hochspannungsmast mit mehreren Stromleitungen vor blauem Himmel mit Wolken.

Netzanschlüsse: Reifegrad statt Windhundprinzip

[06.02.2026] Die Übertragungsnetzbetreiber ändern das Verfahren für Netzanschlüsse grundlegend. Künftig ist nicht mehr die Schnelligkeit eines Antrags entscheidend, sondern dessen Umsetzbarkeit. Das Ziel besteht darin, einen transparenten und planbaren Prozess zu etablieren. mehr...

Hertener Stadtwerke: Stabiles Stromnetz

[05.02.2026] Das Stromnetz in Herten hat 2024 erneut eine sehr hohe Zuverlässigkeit erreicht. Mit einem SAIDI-Wert von rund 1,84 Minuten pro Haushalt liegt die Ausfallzeit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. mehr...

BDEW: Milliardeninvestitionen in den Netzausbau gefordert

[02.02.2026] Neue Regionalszenarien der Stromverteilnetzbetreiber zeigen einen drastisch steigenden Bedarf an Netzanschlüssen bis 2045. Der BDEW fordert deshalb Milliardeninvestitionen in den Netzausbau und bessere regulatorische Rahmenbedingungen, um privates Kapital zu mobilisieren. mehr...

Hessen: Projektstart von SGLive

[26.01.2026] Mit dem Projekt SGLive startet in Hessen ein dreijähriges Vorhaben zur Digitalisierung der Verteilnetze und zur Stärkung der Resilienz des Energiesystems. Die Hochschule Darmstadt, das Ingenieurbüro Pfeffer und die Denkfabrik House of Energy arbeiten dabei mit rund einer Million Euro EU-Kofinanzierung an Smart-Grid-Technologien und IT-Sicherheitskonzepten. mehr...

Hamburger Energienetze: eRound bündelt drei digitale Lösungen

[05.12.2025] Die Hamburger Energienetze bündeln unter der Marke eRound drei digitale Lösungen für Lade-Infrastruktur, Verteilnetze und Smart-City-Anwendungen. Ziel ist eine effizientere Steuerung der Energiewende und ein transparenter Blick auf den Zustand kritischer Infrastruktur. mehr...

TransnetBW: Gesetz zur Strompreis-Senkung verabschiedet

[04.12.2025] Ein staatlicher Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro soll 2026 die Netzentgelte und damit die Strompreise für Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar dämpfen. Bundestag und Bundesrat haben das entsprechende Gesetz verabschiedet. mehr...

Niederviehbach: Zweite Einspeisesteckdose gestartet

[02.12.2025] In Niederviehbach ist das zweite bayerische Pilotprojekt zur sogenannten Einspeisesteckdose gestartet. Damit soll laut Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger der Netzausbau schneller, effizienter und planbarer werden. mehr...

Schleswig-Holstein: Strategiepapier für mehr Netz-Flexibilität

[28.11.2025] Ein neues Strategiepapier soll mehr Flexibilität beim Netzanschluss schaffen und Engpässe bei der Energiewende vermeiden. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums sollen dafür Vergaberegeln, Anschlussverfahren und die Nutzung bestehender Netzpunkte grundlegend überarbeitet werden. mehr...

Hamburg: Projekt zur Netzsteuerung gestartet

[24.11.2025] In Hamburg startet das Leitprojekt FARFALLE, das eine präzisere und fairere Netzsteuerung nach §14a EnWG ermöglichen soll. Die Partner entwickeln dafür ein Verfahren, das steuerbare Verbrauchseinrichtungen gezielt statt pauschal drosselt und so Engpässe effizienter beseitigt. mehr...

interview

Langmatz: Plastik schlägt Beton

[17.11.2025] Warum Kabelschächte aus Kunststoff langfristig die bessere Wahl sind und welche Vorteile sich daraus für Tiefbauunternehmen, Netzbetreiber und Kommunen ergeben, erklärt Dieter Mitterer, einer der beiden Geschäftsführer von Langmatz, im Interview. mehr...