Donnerstag, 3. September 2026

Schleswig-HolsteinStrategiepapier für mehr Netz-Flexibilität

[28.11.2025] Ein neues Strategiepapier soll mehr Flexibilität beim Netzanschluss schaffen und Engpässe bei der Energiewende vermeiden. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums sollen dafür Vergaberegeln, Anschlussverfahren und die Nutzung bestehender Netzpunkte grundlegend überarbeitet werden.

Netze sind laut Energiewendeminister Tobias Goldschmidt das Rückgrat der Volkswirtschaft.

(Bildquelle: adobestock)

Ein Strategiepapier des Ministeriums für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN) des Landes Schleswig-Holstein sieht weitreichende Reformen vor, um Netzanschlüsse künftig flexibler zu vergeben und Engpässe im Stromnetz zu entschärfen. Wie das Ministerium beim Parlamentarischen Netz Abend von HanseWerk, SH Netz und Tennet Germany berichtet, richtet sich der Fokus auf eine effizientere Nutzung der verfügbaren Netzkapazitäten, die in der Energiewende zum knappsten Faktor geworden sind. Das Papier schlägt unter anderem Kriterien vor, nach denen Regionen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien stärker von flexiblen Regeln profitieren können.

Rückgrat der Volkswirtschaft

Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Bündnis 90/Die Grünen) betonte bei der Vorstellung, Energienetze seien das Rückgrat der Volkswirtschaft. Der starke Ausbau verschaffe dem Land einen Standortvorteil, müsse aber beim Fortschreiten der Energiewende klüger genutzt werden. Goldschmidt zufolge braucht es neue Wege bei der Vergabe von Netzverknüpfungspunkten, um Abregelungen zu vermeiden und großen Verbrauchern wie Industrie oder Rechenzentren realistische Anschlusschancen zu geben. Angesichts regional unterschiedlicher Ausbaugrade erneuerbarer Energien sprach er sich für differenzierte Regeln aus, da bestehende Vorgaben dort an Grenzen stießen, wo fossile Energie bereits weitgehend verdrängt sei.

Unterstützung kam auch von Seiten der Netzbetreiber. Christian Fenger, Vorstandsvorsitzender von HanseWerk und Aufsichtsratsvorsitzender von SH Netz, erklärte laut Mitteilung, dass das gemeinsam mit Tennet geplante Klimaneutralitätsnetz möglichst effizient genutzt werden müsse, um unnötige Kosten für Stromkunden zu verhindern. Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens verwies darauf, dass Netzanschlüsse bereits heute zum Flaschenhals für gesicherte Leistung und Schlüsseltechnologien werden. Seinen Angaben zufolge hat Tennet früh Reformvorschläge erarbeitet und begrüßt ausdrücklich die Initiative des Ministeriums.

Zustimmung der Branche

Auch die Branche der erneuerbaren Energien sieht in dem Papier einen wichtigen Schritt. Martin Laß vom Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein zufolge ist die Möglichkeit, bestehende Netzverknüpfungspunkte zu überbauen, eine zentrale Forderung der Branche und ein erster Hebel, um zusätzliche Potenziale zu heben. Schleswig-Holstein wolle beim Ausbau erneuerbarer Energien und beim Hochfahren der Wasserstoffproduktion weiterhin vorangehen.

Fabian Faller, Bereichsleiter Energiewirtschaft bei GP Joule, hob die wachsende Stromnachfrage und die Belastung der Netze hervor. Wie er erläuterte, brauche es Flexibilität bei der Größe und gemeinsamen Nutzung von Netzanschlüssen, bei der Verteilung von Netzkosten sowie beim Verbrauchsverhalten, damit Strom bevorzugt dann genutzt oder gespeichert werde, wenn viel erneuerbare Energie zur Verfügung steht.

Laut MEKUN sollen die Vorschläge des Strategiepapiers nun in Gesetzgebungsverfahren, Fachgremien und weiteren Austauschformaten weiterverfolgt werden.





Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Netze | Smart Grid

Umfrage: Probleme beim Roll-out von Smart Metern

[31.08.2026] Eine Befragung des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt weiter Schwierigkeiten beim Ausbau intelligenter Messsysteme. 91 Prozent der befragten Messstellenbetreiber berichten von Problemen. mehr...

bericht

Smart Grid: Kostengünstigster Weg zum Netzzustand

[31.08.2026] Eine Studie von Smight und der Horizonte-Group zeigt: Der Einsatz von Stationsmesstechnik ist in den meisten Fällen der wirtschaftlichste Weg zur Netzzustandsermittlung. Die Kostenunterschiede zu anderen Ansätzen sind dabei teilweise erheblich. mehr...

Bremerhaven: Forschungsprojekt zur Belastbarkeit von Stromkabeln

[25.08.2026] Ein Forschungsprojekt in Bremerhaven entwickelt ein Monitoring-System, das die thermische Belastung erdverlegter Hochspannungskabel bei zunehmender Bodenaustrocknung überwachen soll. Besonders für die Anbindung von Offshore-Windparks könnte die Technik helfen, klimabedingte Risiken für kritische Netzinfrastruktur frühzeitig zu erkennen. mehr...

bericht

Regulatorik: Hochspannung im System

[20.08.2026] Energieversorger müssen sich in den kommenden Jahren auf zahlreiche regulatorische Neuerungen einstellen. MaBiS-Hub, Lieferantenwechsel Gas in 24 Stunden, AgNeS, HEDWIG und MiSpeL bringen insbesondere für die IT-Infrastrukturen Herausforderungen mit sich. mehr...

Schleswig-Holstein: Suedlink-Tunnel fertiggestellt

[20.08.2026] Unter der Elbe ist der Tunnel für die Stromtrasse Suedlink fertig vorgetrieben. Das Bauwerk ElbX bringt den Netzausbau zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen einen entscheidenden Schritt voran und soll ab 2028 Windstrom in den Süden transportieren. mehr...

CLS-Management: Thüga SmartService startet Roll-out

[18.08.2026] Thüga SmartService hat bei fünf Messstellenbetreibern das CLS-Management in den produktiven Betrieb überführt. Bis Ende August sollen fünf weitere Kunden folgen. Für das Gesamtjahr sind 40 Produktivsetzungen geplant. mehr...

Bundesnetzagentur: Rückläufige Zahlen bei Netzengpassmanagement

[13.08.2026] Das Netzengpassmanagement ist im ersten Quartal 2026 deutlich zurückgegangen. Die Bundesnetzagentur verzeichnete weniger Maßnahmen und Kosten, zugleich verschieben sich die Engpässe zunehmend in die Verteilernetze. mehr...

Mitnetz Strom: Drohnen überwachen das Stromnetz

[10.08.2026] Mitnetz Strom setzt Drohnen flächendeckend für die Inspektion und Überwachung seines Stromnetzes ein. Die Technik soll den Netzbetrieb sicherer und effizienter machen und liefert zugleich Daten für KI-gestützte Zustandsanalysen. mehr...

evu+: Online-Karte bietet Überblick über Stromverteilnetze

[06.08.2026] Eine neue Online-Karte zeigt die Stromnetzbetreiber in Deutschland und ihre angeschlossenen Erzeugungsanlagen sowie Batteriespeicher. Die Übersicht soll die Rolle der Verteilnetzbetreiber für Energiewende und Versorgungssicherheit anhand öffentlicher Daten sichtbar machen. mehr...

Mitnetz Strom: Investitionen in das Stromnetz in Brandenburg

[03.08.2026] Mitnetz Strom investiert 2026 rund 119 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes in Brandenburg. Die Vorhaben sollen zusätzliche Netzkapazitäten für erneuerbare Energien schaffen und die Versorgungssicherheit in mehreren Regionen stärken. mehr...

Bundesnetzagentur: Kar­te zur Ver­sor­gungs­qua­li­tät der Verteilernetzbetreiber veröffentlicht

[28.07.2026] Die Bundesnetzagentur hat eine Deutschlandkarte zur Versorgungsqualität der Stromverteilernetzbetreiber veröffentlicht. Sie macht Unterschiede bei Netzanschlüssen, Digitalisierung und Versorgungszuverlässigkeit sichtbar und soll den Wettbewerb um leistungsfähigere Netze fördern. mehr...

Hager: NH-Sicherungslastschaltleisten überarbeitet

[24.07.2026] Hager hat seine NH-Sicherungslastschaltleisten für 185-Millimeter-Sammelschienensysteme grundlegend überarbeitet. Die neue Baureihe soll die Sicherheit in Niederspannungsverteilungen erhöhen und zugleich Wartung, Überwachung und Montage erleichtern. mehr...

Stadtwerke Fellbach: Pilotprojekt zu dynamischen Zwillingen

[23.07.2026] Smight und retoflow entwickeln gemeinsam einen dynamischen Zwilling für Niederspannungsnetze. Das Pilotprojekt bei den Stadtwerken Fellbach zeigt, wie sich Mess- und Netzdaten innerhalb kurzer Zeit zu einem Modell für Planung und Netzbetrieb verknüpfen lassen. mehr...

Mitnetz Strom: Anschluss von Rechenzentrum

[21.07.2026] Mitnetz Strom schließt in Lübbenau das bislang größte Rechenzentrum seines Netzgebiets an das 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz an. Das Projekt steht für den stark wachsenden Strombedarf von Rechenzentren und zeigt, wie sich die Anforderungen an die Verteilnetze im Zuge der Energiewende verändern. mehr...

Berlin: Umspannwerke ohne Treibhausgas

[17.07.2026] Stromnetz Berlin lässt zwei neue 110-Kilovolt-Umspannwerke in Wittenau und Neukölln errichten. Dabei kommen dabei SF₆-freie gasisolierte Schaltanlagen zum Einsatz. Die Projekte sollen die Netzinfrastruktur der Hauptstadt modernisieren und die Stromversorgung absichern. mehr...