InterviewMit Sicherheit zur Administration

Ingo Schöbe: „Eine Besonderheit ist, dass wir die Lösung als Multimandantensystem im Software-as-a-Service-Modell (SaaS) anbieten.“
(Bildquelle: GISA)
Herr Schöbe, GISA bietet eine Lösung für die Smart-Meter-Gateway-Administration an. Was zeichnet diese aus?
Wir haben als bundesweit erstes Unternehmen erfolgreich das Audit des TÜV Nord nach den Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Smart-Meter-Gateway-Administration absolviert. Dadurch können Netzgesellschaften ab sofort mit GISA als Dienstleister die hohen Anforderungen zur zertifizierten Gateway-Administration (GWA) erfüllen. Eine weitere Besonderheit ist, dass wir die Lösung als Multimandantensystem im Software-as-a-Service-Modell (SaaS) anbieten. Das ist transparent und vor allem kosteneffizient. Darüber hinaus unterstützt GISA Netzgesellschaften oder andere Messstellenbetreiber mit einem standardisierten und erprobten prozessualen Vorgehen zur notwendigen BSI-Zertifizierung als Gateway-Administrator.
Wir berichteten bereits über Ihre Kooperation mit Mitnetz Strom. Welche Vorteile hat die Zusammenarbeit mit dem Verteilnetzbetreiber?
Unsere Lösung ist ein wesentlicher Baustein, der mit weiteren Lösungen, zum Beispiel von Mitnetz-Strom, zu einer Komplettdienstleistung für die Smart-Meter-Gateway-Administration und alle angrenzenden Fachprozesse kombiniert werden kann. Im Rahmen von Anwendergemeinschaften werden Synergien in diesen Prozessen gehoben. Weitere Schwerpunkte sind der Wissensaufbau, die Prozessabbildung, die System- und Anbieterauswahl, Pilotierungen, die Geräteauswahl und -prüfung sowie die konkrete Roll-out-Vorbereitung. Das ist insbesondere für kleinere Häuser interessant, da sie von den Erfahrungen der Anwendergemeinschaft und den Skalenvorteilen profitieren und gleichzeitig die Steuerung in den Bereichen GWA und Externe Marktteilnehmer (EMT) in der Hand behalten können.
Wie unterstützen Sie die Kunden außerdem beim Smart-Meter-Roll-out?
„Stadtwerke sollten das Thema Standardisierung fest im Blick haben.“
Unser Haus hat weitreichende und langjährige Erfahrungen beim IT-Aufbau für kritische Infrastrukturen. Wir beraten unsere Kunden unter anderem bei der Einführung von Informations-Sicherheits-Management-Systemen (ISMS). Im Kontext der Gateway-Administration begleiten wir unsere Auftraggeber bei der Durchführung einer Zertifizierung nach ISO 27001 beziehungsweise TR 03109-6. Auch die Integration der neuen Prozesse in die bestehenden Netz- und Vertriebssysteme sowie in das Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) ist ein wesentliches Handlungsfeld. Unsere langjährige Partnerschaft zu Herstellern wie SAP, Robotron, Wilken oder Kisters stellt eine solide Basis dar, um beispielsweise zum Thema SAP IM4G jetzt schon Lösungen anbieten zu können.
Wo liegen aus Ihrer Sicht die Herausforderungen?
In den nächsten Monaten werden sich alle Marktteilnehmer aktiv der Umsetzung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende stellen und dabei erkennen, dass der Gesetzgeber der Branche harte Terminvorgaben setzt. Damit es in dieser Zeit für die Stadtwerke möglich bleibt, auch langfristig auf die richtigen Lösungen und Dienstleister zu setzen, sollten sie das Thema Standardisierung fest im Blick haben. Die Prozesse für die Gateway-Administration werden spätestens nach der Interimszeit ab voraussichtlich 2020 für alle weitgehend gleich sein. Für den Versorger ist somit wenig Differenzierung möglich. Wer heute zügig auf die richtigen Lösungen setzt, kann sich schnell auf den aus unserer Sicht wesentlichen Part konzentrieren, die Ausgestaltung der Prozesse in den Netz- und Abrechnungssystemen. Hier entsteht das Differenzierungspotenzial für die Zukunft im Hinblick auf neue Kunden und Geschäftsfelder.
Eine wichtige Rolle spielen Datenschutz und Datensicherheit. Wie gewährleisten Sie die Sicherheit der Daten?
Diese beiden Handlungsfelder hat der Gesetzgeber bei der Erarbeitung des Gesetzes besonders im Blick gehabt. Mit der Zertifizierung unserer Lösung nach ISO 27001 und TR-03109-6 sind die Hürden hier sehr hoch. Die Umsetzung der Anforderungen nehmen wir ernst. Darüber hinaus nehmen die Prinzipien der Sternkommunikation und der Datensparsamkeit im Lösungsdesign des Marktes viel Gefahr im Bereich Datenschutz und Datensicherheit aus dem Markt. Spannend wird das Thema Datenschutz aus unserer Sicht aber dann, wenn es erste Anwendungen auf Basis der Kundendaten gibt, die praktisch die Aufgabe des Prinzips Datensparsamkeit erfordern. Das muss dann der jeweilige Versorger in den Bedingungen zu seinen neuen Produkten regeln.
Welche Betriebsmodelle bieten Sie im Rechenzentrum an?
Hier ist zwischen den Lösungen für den Gateway-Administrator und den Externen Marktteilnehmer zu differenzieren. Im GWA-Bereich haben wir mit unserem Partner Robotron eine SaaS-Lösung aufgebaut und erfolgreich nach TR-03109-6 zertifiziert. Der Kunde kann hier einen exklusiven Mandaten buchen und darüber seine Prozesse selbst oder mit einem Partner bearbeiten. Für den EMT oder die jeweilige Ausprägung für den Messstellenbetreiber, das Netz oder den Vertrieb bieten wir eine SaaS-Lösung, die das Head End und das Meter Data Management übernimmt. Da wir davon ausgehen, dass der Markt sich noch deutlich breiter aufstellen wird, arbeiten wir auch an Lösungen wie der Zählerfernauslese für die EMT-Aufgaben.
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