Mittwoch, 28. Oktober 2026

TübingenEcowerk feiert zehnjähriges

[15.07.2022] Die Tochter der Tübinger Stadtwerke Ecowerk feiert jetzt ihr zehnjähriges Bestehen. Sie wurde in Reaktion auf die Atomunfall-Katastrophe in Fukushima gegründet und treibt seitdem erfolgreich den Ausbau erneuerbarer Energien voran.

Ecowerk feiert jetzt sein zehnjähriges Jubiläum. Wie die Stadtwerke Tübingen (swt) mitteilen, handelt es sich bei Ecowerk seit 2012 um ein Tochterunternehmen der Stadtwerke. Es sei für Erneuerbare-Energien-Projekte verantwortlich und solle für den Umbau der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien – in Deutschland wie auch bei den swt – einen wichtigen Beitrag leisten.
Bei der Gründung von Ecowerk am 1. August 2012 sei ihr Auftrag gewesen, Projekten der erneuerbaren Energien (EE) ein Dach zu bieten, um sie dort zu bündeln und dadurch einfacher, effizient und beschleunigt voranzubringen – als wichtiger Beitrag zur Energiewende. Zehn Jahre später könne sich die Bilanz zum Jubiläum sehen lassen: Rund 240 Millionen Kilowattstunden klimafreundlichen Ökostroms rein aus Wind- oder Sonnenkraft erzeugten die EE-Projektgesellschaften der Ecowerk in ihren Anlagen pro Jahr – und trügen damit den Löwenanteil der swt eigenen EE-Erzeugung bei. Die übrigen Mengen am aktuellen Ausbaupfad-Gesamtstand von rund 263 Millionen Kilowattstunden pro Jahr lieferten andere Sparten des swt-Mutterkonzerns.

Hilfe in der Energiekrise

Laut swt erweist sich Ecowerk in Zeiten der Energiekrise, hohen Energiepreisen und dem Gebot der Stunde, schnellstmöglich unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden, als stabilisierendes Element. Ökostrom sei so gefragt wie nie. Die in den zurückliegenden zehn Jahren von den Projektgesellschaften der Ecowerk umgesetzten EE-Projekte sorgten im Portfolio der swt heute schon für einen nicht unerheblichen Anteil selbst produzierter Ökostrommengen. Im Strommix der swt liege der Anteil der erneuerbaren Energien bei über 70 Prozent – und damit deutlich höher als im Bundesschnitt (49 Prozent).
Die derzeitigen hohen Energiepreise seien ein zusätzlicher Anreiz für Investitionen in erneuerbare Erzeugungsanlagen. Die jüngeren EE-Anlagen der swt kämen bereits ohne Förderung durch das Erneuerbare Energie Gesetz (EEG) aus. Den dort produzierten Grünstrom vermarkteten die swt über so genannte Power Purchase Agreements (PPA) direkt. Rund 45 Millionen Kilowattstunden pro Jahr– Tendenz steigend – flößen so direkt ins Ökostrom-Portfolio der swt, die damit ihre Ökostrom-Kundinnen und -Kunden beliefern. Den aktuell noch größeren Teil des Strom aus eigenen EE-Erzeugungsanlagen insgesamt vermarkteten die swt – Tendenz sinkend – EEG-gefördert an der Strombörse. Bei den aktuell hohen Strompreisen wirkten die erzielten Verkaufserlöse auch wirtschaftlich stabilisierend für die swt. Ökonomie und Ökologie griffen unter diesem Aspekt volkswirtschaftlich ineinander.

Fukushima beschleunigt Ausbaupläne

Die Atomunfall-Katastrophe in Fukushima habe im Jahr 2011 die Ausbauziele der swt beschleunigt. Bereits einige Jahre zuvor hätten die Stadtwerke begonnen, in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren. Die Abkehr der Bundesregierung von der Atomkraft brachte auch in den Gremien der swt zusätzliche Rückendeckung für nochmals ehrgeizigere Ausbauziele: im Jahr 2020 sollte die Hälfte des gesamten Tübinger Stromverbrauchs selbst aus eigenen Erneuerbaren-Anlagen kommen. Mit ihren acht Sparten seien die swt gleichzeitig auf vielen Geschäftsfeldern unterwegs. Deshalb habe sich ebenfalls im Jahr 2011 die Frage gestellt, wie sich für die neuen Ausbauziele mehr Beschleunigung und Fokussierung auf Wind- und Solarprojekte erreichen ließe. Als Lösung gründeten die swt ein Jahr später Ecowerk. Als 100-prozentige Tochter habe sie seither, unabhängig von der Sparten orientierten Konzernstruktur der swt-Mutter, den Ausbaupfad zielgerichtet vorangetrieben. Ecowerk habe sich zudem in der Branche bei Projekten mit anderen Stadtwerken oder Bürger-Energiegenossenschaften gut vernetzt. Ihr 2020er-Ausbauziel hätten die swt bereits im Jahr 2017 erreicht: 200 Millionen Kilowattstunden (das entspreche 50 Prozent des gesamten Stromverbrauchs Tübingens) selbst erzeugter Ökostrom aus eigenen EE-Anlagen. Das neue Ziel für 2024 lautet: 75 Prozent.
Dass dies gelinge, daran arbeiteten die swt und ihre Tochter Ecowerk kontinuierlich. Mit dem Solarpark in Engstingen-Haid startete 2012 das erste Projekt (wir berichteten). Dank etlicher Großprojekte seien die swt auf ihrem 2011 beschlossenen Ausbaupfad gut vorangekommen. Zuletzt sei die größte Freiflächen-PV-Anlage Tübingens in den „Lustnauer Ohren“ entstanden. Aber auch der größte Windpark „Ellwanger Berge“ mit fünf eigenen Windkraftanlagen sei 2018 ein Meilenstein gewesen und liefere pro Jahr 32 Millionen Kilowattstunden Ökostrom (wir berichteten).

Ziel: Energiewende und Klimaneutralität

Die Bundesregierung plane aktuell Weichenstellungen, um schnellstmöglich den Anteil der erneuerbaren Energien erheblich zu steigern – 80 Prozent Anteil bis 2030 seien im Gespräch. Dafür sei ein großes Ausbautempo erforderlich. Genau für diesen Zweck, um EE-Ausbau effizient und schnell zu machen, sei Ecowerk vor zehn Jahren gegründet worden.
Den Gesamtstromverbrauch Tübingens zu 100 Prozent aus eigenen Erneuerbaren-Anlagen zu decken, sei ein zentrales Ziel der swt. Bis 2030 wolle die Universitätsstadt Tübingen klimaneutral werden. Mehr und immer größere Photovoltaik-Anlagen und neue Windparks – eventuell in Tübingen und der Region – sollten entstehen. Ecowerk sei für die Umsetzung von EE-Projekten bestens aufgestellt, um die steigenden Anforderungen in den nächsten Jahren zu bewältigen – und gleichzeitig neue Chancen bei Wind- und Sonnenkraft für die swt zu nutzen.





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