Montag, 26. Oktober 2026

BundeskabinettFortschreibung der Wasserstoffstrategie

[31.07.2023] Die Nationale Wasserstoffstrategie 2020 wird jetzt fortgeschrieben. Das hat das Bundeskabinett in der vergangenen Woche beschlossen. Die Fortschreibung trägt den gestiegenen Ambitionen im Klimaschutz und den neuen Herausforderungen im Energiemarkt Rechnung.

Das Bundeskabinett hat in der vergangenen Woche die Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie beschlossen. Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mitteilt, war dem Kabinettsbeschluss eine politische Verständigung aller Ressorts vorausgegangen, darunter auch der fünf für Wasserstoff relevanten Kernressorts: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Bundesentwicklungsministerium, Bundesverkehrsministerium und Bundesforschungsministerium. Die Nationale Wasserstoffstrategie 2020 habe grundsätzlich weiterhin Bestand, werde aber mit der Fortschreibung an das gestiegene Ambitionsniveau im Klimaschutz und die neuen Herausforderungen im Energiemarkt weiterentwickelt. Sie setze staatliche Leitplanken für die Erzeugung, den Transport und die Nutzung von Wasserstoff und seinen Derivaten und bündle die Maßnahmen der Bundesregierung. Eine zuverlässige Versorgung Deutschlands mit grünem, langfristig nachhaltigem Wasserstoff sei das erklärte Ziel der Bundesregierung.

Zielbild der Maßnahmen

Die Maßnahmen der Fortschreibung umfassten die gesamte Wertschöpfungskette, seien vielfach bereits parallel zur Erarbeitung der Fortschreibung der Strategie begonnen worden oder kurzfristig für das Jahr 2023, mittelfristig für die Jahre 2024/2025 und teilweise bereits langfristig bis 2030 geplant. Mit den Maßnahmen soll das folgende Zielbild umgesetzt werden:
Beschleunigung des Markthochlaufs von Wasserstoff: Der Markthochlauf von Wasserstoff, seinen Derivaten und Wasserstoffanwendungstechnologien werde deutlich beschleunigt und das Ambitionsniveau entlang der gesamten Wertschöpfungskette massiv erhöht.
Sicherstellung einer ausreichenden Verfügbarkeit von Wasserstoff und seinen Derivate: Das Ziel für die heimische Elektrolysekapazität im Jahr 2030 werde von fünf Gigawatt (GW) auf mindestens zehn GW angehoben. Der verbleibende Bedarf werde durch Importe gedeckt. Eine separate Importstrategie werde entwickelt.
Aufbau einer effizienten Wasserstoffinfrastruktur: Von besonderer Bedeutung sei der Aufbau der notwendigen Wasserstoffinfrastruktur. Hierzu habe das Bundeskabinett Ende Mai mit der aktuellen Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) den rechtlichen und regulatorischen Rahmen für das zukünftige Wasserstoff-Kernnetz für Deutschland als erste Ausbaustufe der Wasserstoffinfrastruktur beschlossen. Bis 2027/2028 soll mithilfe der IPCEI-Förderung ein Wasserstoff-Startnetz mit mehr als 1.800 Kilometern um- und neugebauter Wasserstoffleitungen in Deutschland entstehen; europaweit sollen rund 4.500 Kilometer hinzukommen (European Hydrogen Backbone). Durch den Ausbau wären bis 2030 alle großen Erzeugungs-, Import- und Speicherzentren mit den relevanten Abnehmern verbunden.

Leitanbieter für Wasserstofftechnologien

Etablierung von Wasserstoffanwendungen in den Sektoren: Bis 2030 würden Wasserstoff und seine Derivate vor allem in der Industrie, in schweren Nutzfahrzeugen und zunehmend im Luft- und Schiffsverkehr eingesetzt. Im Stromsektor trage Wasserstoff zur Energieversorgungssicherheit bei; durch auf klimaneutrale Gase umrüstbare Gaskraftwerke (H2-ready) und durch systemdienliche Elektrolyseure, insbesondere als variable und systemdienliche Stabilisatoren beziehungsweise flexible Lasten. Für die perspektivische Nutzung von Wasserstoff in der zentralen und dezentralen Wärmeversorgung würden derzeit die Rahmenbedingungen im Gebäudeenergiegesetz (GEG), in der Wärmeplanung sowie im europäischen Gasmarktpaket weiterentwickelt.
Deutschland wird bis 2030 Leitanbieter für Wasserstofftechnologien: Deutsche Anbieter bauten ihre Technologieführerschaft aus und deckten die gesamte Wertschöpfungskette der Wasserstofftechnologien ab, von der Herstellung wie Elektrolyseure bis hin zu den verschiedenen Anwendungen wie Brennstoffzellentechnologie.

Absicherung durch Importe

Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen: Kohärente rechtliche Rahmenbedingungen auf nationaler, europäischer und wenn möglich internationaler Ebene unterstützten den Markthochlauf. Dazu gehörten insbesondere effiziente Planungs- und Genehmigungsverfahren, einheitliche Standards und Zertifizierungssysteme sowie eine ausreichend ausgestattete und koordinierte Verwaltung auf allen Ebenen.
Importstrategie: Darüber hinaus arbeite die Bundesregierung seit Beginn der Legislaturperiode mit Nachdruck daran, die Verfügbarkeit von Wasserstoff neben dem Hochfahren der heimischen Produktion durch Importe aus Partnerländern sicherzustellen. Dazu werde parallel eine Importstrategie für Wasserstoff und seine Derivate erarbeitet. Dabei würden auch Nachhaltigkeitskriterien im Sinne der globalen Nachhaltigkeitsziele berücksichtigt. Die Importstrategie sei ein Signal an die Partnerländer, dass Deutschland weltweit Kooperationen eingehen, verlässliche Lieferketten nach Deutschland ermöglichen, nachhaltige Standards etablieren und als Technologiepartner zur Verfügung stehen wolle. Mit Norwegen habe die Bundesregierung in diesem Frühjahr bereits eine Vereinbarung über die langfristige Versorgung mit Wasserstoff getroffen.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik

BMWE: Bund und Länder wollen Netzfinanzierung erleichtern

[15.10.2026] Bund und Länder haben sich auf gemeinsame Eckpunkte zur Finanzierung von Stromverteil- und Wärmenetzen verständigt. Ein neues Finanzierungsinstrument soll die Eigenkapitalbasis von Stadtwerken stärken und Investitionen in die Energieinfrastruktur erleichtern. mehr...

VKU: Strategie für grüne Gase gefordert

[15.10.2026] Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt erste Eckpunkte des Bundeswirtschaftsministeriums für eine Grüngasquote, sieht aber noch erhebliche offene Fragen. Vor allem müsse die Bundesregierung klären, woher die benötigten Mengen an grünen Gasen kommen sollen und welche Kosten auf die Verbraucher zukommen. mehr...

BDEW: Stromsteuersenkung für alle gefordert

[15.10.2026] Der BDEW begrüßt die Ankündigung der CDU, die Stromsteuer bei ausreichendem Haushaltsspielraum für alle Verbrauchergruppen zu senken. Der Verband fordert eine schnelle und dauerhafte Absenkung auf das europäische Mindestmaß. mehr...

Sachsen: Millionen für Wärmewende bewilligt

[12.10.2026] Sachsen hat erste Millionenförderungen für den Umbau der kommunalen Wärmeversorgung bewilligt. Sechs größere Projekte sollen den Einsatz erneuerbarer Energien voranbringen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. mehr...

Grünes Licht für E-Mobilität: Baden-Württemberg födert den Kauf von E-Fahrzeugen und den Bau von Ladesäulen.

MiSpeL: Bundesnetzagentur erleichtert Nutzung von Stromspeichern

[09.10.2026] Die Bundesnetzagentur hat die Festlegung zur Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten (MiSpeL) beschlossen. Künftig können Speicher und bidirektionale Ladepunkte sowohl Netzstrom als auch selbst erzeugten Solarstrom aufnehmen und ins Netz zurückspeisen, ohne dass die EEG-Förderung entfällt. mehr...

Netzpaket: Redispatch-Vorbehalt stößt auf deutliche Kritik

[09.10.2026] Der geplante Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket der Bundesregierung stößt bei zahlreichen Sachverständigen auf Widerstand. In einer Anhörung des Bundestags warnten sie vor rechtlichen Risiken und schlechteren Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien. mehr...

Bremen: Fecker kritisiert Umschichtung von KTF-Mitteln

[07.10.2026] Bremens Finanzsenator Björn Fecker kritisiert, dass der Bund Einnahmen aus dem Emissionshandel künftig teilweise dem allgemeinen Haushalt statt dem Klima- und Transformationsfonds zuführen will. Nach Angaben der Bremer Finanzverwaltung geht es 2027 um 2,7 Milliarden Euro, bis 2030 könnten sich die Umschichtungen auf bis zu 13 Milliarden Euro summieren. mehr...

Energy Sharing: Impulspapier fordert klare Standards

[06.10.2026] Seit Juni 2026 ist Energy Sharing in Deutschland formal möglich, in der Praxis stehen Projekten aber noch Hürden bei Netzzugang, Bilanzierung und Abrechnung entgegen. Ein Impulspapier des Projekts Forum EnShare nennt zehn Empfehlungen, die den Einstieg erleichtern sollen. mehr...

Forschungsstelle für Energiewirtschaft: Pachtdeckel könnte EEG-Kosten deutlich senken

[06.10.2026] Eine Begrenzung der Pachten für Windenergieflächen könnte nach Berechnungen der Forschungsstelle für Energiewirtschaft die EEG-Förderkosten bis 2045 um Milliarden Euro senken. Bei der im Entwurf zum EEG 2027 vorgesehenen Obergrenze von 3,5 Prozent des Jahresumsatzes errechnet das Institut je nach Vergleichsszenario Einsparungen zwischen rund drei und 37 Milliarden Euro. mehr...

Hessen: Gesetzentwurf will Drohnenüberflüge ahnden

[02.10.2026] Hessen will das unbefugte Eindringen in Kritische Infrastruktur und nicht genehmigte Drohnenüberflüge mit einem neuen Straftatbestand ahnden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf zum „gemeinschädlichen Hausfriedensbruch“ hat Justizminister Christian Heinz im Bundesrat vorgestellt. mehr...

bericht

Bundeswirtschaftsministerium: Eckpunkte für flexible KWK

[28.09.2026] Das Bundeswirtschaftsministerium will das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz bis 2035 verlängern und die Förderung stärker auf flexible, systemdienliche Anlagen ausrichten. Die Energiewirtschaft begrüßt die grundsätzliche Richtung, fordert aber unter anderem eine längere Laufzeit und Nachbesserungen bei Fördersätzen und Modernisierungen. mehr...

Novelle des KWKG: Verbände fordern Nachbesserungen

[23.09.2026] BDEW, VKU und AGFW begrüßen die Eckpunkte des Bundeswirtschaftsministeriums zur Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes. Nachbesserungsbedarf sehen die Verbände unter anderem bei Laufzeit, Fördersätzen und den Bedingungen für bestehende KWK-Anlagen. mehr...

Windenergie: Verbände fordern Südquote

[22.09.2026] Bei der jüngsten Ausschreibung für Windenergie an Land sind nach Angaben von Erneuerbaren-Verbänden nur knapp fünf Prozent der bezuschlagten Leistung auf Bayern und Baden-Württemberg entfallen. Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg und der Landesverband Erneuerbare Energien Bayern fordern deshalb Änderungen am Ausschreibungssystem und eine Südquote im EEG. mehr...

Pumpen in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage

VKU: Stadtwerke zweifeln an Wärmewende-Ziel für 2045

[17.09.2026] Eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) zeigt erhebliche Zweifel kommunaler Wärmeversorger am Zeitplan der Wärmewende. Drei Viertel der Befragten halten klimaneutrales Heizen bis 2045 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. mehr...

BDEW/VKU: Kritik am BNetzA-Entwurf

[17.09.2026] BDEW und VKU haben Nachbesserungen bei der geplanten Kapitalverzinsung für Gasnetzbetreiber gefordert. Aus Sicht der Verbände reichen die von der Bundesnetzagentur vorgesehenen Zinssätze nicht aus, um die notwendigen Investitionen in die Transformation der Gasnetze zu finanzieren. mehr...